Kletter-WM: gemischte Gefühle

Vom 12. bis 16. September 2012 fanden in Paris die Weltmeister-schaften im Sportklettern statt. Der letzte Test vor der grossen Entscheidung, ob das Sportklettern olympisch wird.

Im Palais Omnisports in Paris Bercy, auf dessen Bühne sich sonst Rock- und Popgrössen feiern lassen, kämpften Mitte September rund 500 Sportkletterer aus mehr als 50 Nationen um die Weltmeistertitel in den drei Disziplinen Lead, Speed und Bouldern. Mittendrin zwölf Athletinnen und Athleten aus der Schweiz. Zwar gab es in den Einzeldisziplinen keine Spitzenplatzierungen in der Kombination, doch konnten Petra Klingler und Cédric Lachat Bronze nach Hause nehmen.

Abschied nach 14 Jahren

Nicht so glatt lief es für Alexandra Eyer, die den letzten Wettkampf ihrer Karriere bestritt. Der Abschied rief bei der Zürcherin gemischte Gefühle hervor: «Es kamen schon sehr viele Erinnerungen hoch – da fiel es mir schwer, mich wirklich voll aufs Klettern zu konzentrieren.» Ihre Ergebnisse waren denn auch keine Topresultate. Rang 27 im Lead und Rang 25 in der Boulderwertung machten ihre Medaillenchancen in der Kombination zunichte, und so verzichtete Alexandra auf den Start beim Speedwettbewerb. Doch nach 14 aktiven Wettkampfjahren kann sie auch so auf unzählige nationale und internationale Erfolge stolz sein. Dem Schweizer Klettersport bleibt sie als Nachwuchstrainerin erhalten.

Zwei Schweizer auf dem Podest

Cédric Lachat war ebenfalls mit grossen Zielen nach Paris gereist. Den Einzug ins Leadfinale hätte er durchaus schaffen können. Ein Moment der Unachtsamkeit in der Route zerstörte diese Hoffnung jedoch jäh, doch gab sich der Romand abgeklärt: «Natürlich bin ich enttäuscht. Schliesslich geht man an einen Wettkampf, um zu gewinnen.» Die Bronzemedaille in der Kombinationswertung war ein kleiner Trost für den erfolgsgewohnten Jurassier.

Die Zürcherin Petra Klingler kämpfte nach dem denkbar knapp verpassten Finaleinzug in ihrer Paradedisziplin Bouldern mit den Tränen. Doch sie kann stolz sein auf ihren 7. Platz in der Boulderwertung – und erst recht auf die Bronzemedaille in der Kombina-tionswertung. An der Siegerehrung am Sonntag strahlte die 20-Jährige wie gewohnt neben der Gewinnerin Jain Kim aus Korea und der Lokalmatadorin Cécile Avezou auf Platz 2.

Rebekka Stotz aus Urdorf, die ebenfalls in allen drei Disziplinen antrat, konnte sich in internationaler Konkurrenz stabil behaupten und erzielte mit den Platzierungen 15 im Lead, 27 im Bouldern und 40 im Speed solide Resultate.

Olympische Spiele im Visier

Für ein weiteres Highlight, aus Schweizer Sicht, sorgte der jüngste WM-Teilnehmer, der Bündner Gian-Luca Grichting. Er verbesserte in seiner Disziplin Speed den eigenen Rekord, den er an der Jugend-WM 2012 in Singapur aufgestellt hatte, von 7,97 auf 7,90 Sekunden. Damit kam er auf Rang 27 – zwar keine Spitzenplatzierung, aber angesichts der starken internationalen Konkurrenz ein toller Erfolg für den erst 16-jährigen Bündner. Sein grosser Traum ist nun die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Ob dieser Traum Wirklichkeit wird, entscheidet sich im Herbst 2013 an der 125. Session des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires.

Paraclimbing im Rampenlicht

Bereits zum zweiten Mal fanden in ­Paris parallel auch die Paraclimbing-Weltmeisterschaften statt. Hier treten Athletinnen und Athleten in drei unterschiedlichen Kategorien an, je nach Art des Handicaps. Sie alle zeigten grossartige Leistungen, die volle Anerkennung verdienen. So konnte etwa der blinde Kletterer Nicolas Moineau mit der Goldmedaille einen umjubelten Erfolg in seinem Heimatland Frankreich feiern. Die Integration der Paraclimber in die WM ist zweifelsohne eine echte Bereicherung für den Klettersport.

Tolle Leistungen und viele spannende Begegnungen mit interessanten Leuten aus der internationalen Kletterszene bot diese WM allemal. Bleibt zu hoffen, dass die letzte WM vor der Entscheidung im Jahr 2013 den Bewertungsgremien zeigt, dass die junge Sportart einer Olympiateilnahme würdig ist.

Resultate

Laufend aktuelle Resultate zum Sportklettern unter www.sac-cas.ch → wettkampfsport → sportklettern

Lead-Weltcup in Puurs

Cédric Lachat hat den Schwung der WM in Paris an den Lead-Weltcup in Puurs (BEL) mitgenommen. Er kletterte auf den zweiten Platz nach dem Spanier Ramon Julian Puiqblanque. ­Rebekka Stotz und Tanja Lanz ­erreichten die Plätze 17 und 28.

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