Lanz, Heidi; De Meester Liliane: Ulrich Inderbinen. Ich bin so alt wie das Jahrhundert

Rotten Verlag, Visp 1996. Fr. 36.50 « Der ungekrönte König der Berge », « Kristall der Bergheimat », « Der unermüdliche Aufsteiger » oder « Der Herr der Berge » - das sind nur ein paar der salbungsvollen Bezeichnungen, die dem 96jährigen Zermatter Bergführer Ulrich Inderbinen in den Medien verpasst wurden. Den ältesten Bergführer der Welt kümmerte die Sensa-tionsmache um seine Person herzlich wenig - er blieb wortkarg und bescheiden, und so klagte ein Zei-tungsredaktor im Jahr 1983: « Bald sechzig Jahre Bergsteiger, da liessen sich Bücher schreiben. Doch Ulrich Inderbinen schweigt. » Zwei Frauen haben es schliesslich geschafft, Ulrich Inderbinen zum Reden und damit zur aktiven Mitarbeit an seiner Biographie zu bringen: Heidi Lanz und Liliane De Meester. Den beiden seit vielen Jahren in Zermatt wohnhaften Frauen ist es hoch anzurechnen, dass sie aus ihrer Biographie Ulrich Inderbinens keinen Knüller machten. Herausgekommen ist vielmehr ein sachliches Dokument über das Leben eines einfachen Berglers, der allerdings noch mit 85 Jahren auf dem Montblanc und mit 93 auf der Signalkuppe stand. Die fast 200 Seiten umfassende Biographie ist reich bebildert mit alten Aufnahmen aus Zermatt und aus dem Leben Ulrich Inderbinens, der die Fotos mit seiner schwungvollen Handschrift selbst beschriftet hat. Überhaupt widerspiegelt das Buch nicht nur Inderbinens Geschichte, sondern auch die Geschichte des berühmten Walliser Bergdorfs in diesem Jahrhundert. Schade nur, dass das neue Werk schlecht strukturiert ist: Anfang und Schluss sind wenig prägnant, eine Unterteilung in Kapitel fehlt. Dennoch - die Biographie des « jugendlichen Gipfelstürmers » fand bei der Leserschaft sofort grossen Anklang: Binnen weniger Wochen war die 5000 Exemplare starke erste Auflage verkauft.

Christine Kopp, Flüelen'Alpinisme, 1933, Nr.31

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