Maobadi-Aufstand in Nepal. Intensivierung des Konflikts

Maobadi-Aufstand in Nepal

Seit 1996 führen maoistische Rebellen, die Maobadi 1, in Nepal einen Volkskrieg. Dieser hat sich sukzessive auf weite Teile des Landes ausgedehnt. Seit November 2001 wird die Armee gegen die Maobadi eingesetzt. Man muss heute von einem Bürgerkrieg sprechen, der grosses Leid über das Land bringt, das tägliche Leben, den Tourismus und auch die Entwicklungsprogramme behindert.

Viele touristisch interessante Gebiete Nepals sind seit November 2001 von den Maoisten besetzt. In gewissen Regionen stehen nur noch die wichtigsten Orte unter der Kontrolle von Armee und Polizei. Ausserhalb dieser Festungen herrscht ein gesetzloser Raum, in dem sich die Maoisten frei bewegen. Daneben gibt es Kriminelle, so genannte « Khao-badi » ( Mitesser ), die sich als Maoisten ausgeben und unter diesem Deckmantel ihre Raubzüge durchführen. Die Menschen auf dem Land befinden sich seit einigen Monaten in einem Zustand zunehmender Unsicherheit und Angst. Als Hochburg der Regierung darf noch die Hauptstadt Kathmandu gelten, die jedoch zunehmend als Fluchtort für die Landbevölkerung genutzt wird.

Auftritt und Auswirkungen Die Maobadi machen generell einen sehr disziplinierten Eindruck. Sie sind überzeugt von ihrem Tun, und ihre Kommu-nikationslinien funktionieren erstaunlich gut. Sie rekrutieren sich aus jungen, akademisch gebildeten Idealisten. Die meisten scheinen den obersten Kastengruppen der Bahun und Chhetri anzugehören. Es gibt sehr zuvorkommende Maoisten, die besonders gegenüber älte-

1 Vgl. ALPEN 9/2001 und 2/2002 DIE ALPEN 9/2002

ren und kranken Menschen ein sympathisches, hilfsbereites Auftreten pflegen. Daneben werden eher fanatisch veranlagte, unberechenbare Rebellen beobachtet, die sich mit schroffer Rede Gehör und Respekt verschaffen. Praktisch alle Maoisten sind bewaffnet. Der Volkskrieg verändert die traditionellen Lebensgewohnheiten. So legen die Maobadi ihre Hand auf die Ernteerträge, um diese « gerecht » zu verteilen. Mehr und mehr verlangen sie bei den einfachen Bauern Naturalien oder Bargeld, wobei sich solche Forderungen wiederholen und zu einer erheblichen Belastung der Bevölkerung führen. Es darf kein Alkohol mehr hergestellt und konsumiert werden. Von Trekking- und Expeditionsgruppen werden « Schutzgelder » verlangt. In den meisten Gegenden werden nachts Ausgeh-verbote verhängt oder Streiks ausgerufen. Diese Aktionen beeinträchtigen den Tagesablauf, das Leben wird vermehrt von den Maoisten bestimmt.

Bedenkliche Entwicklung Zwar sind seit Beginn des Aufstandes keine Touristen und Bergsteiger angegriffen oder entführt worden, jedoch muss die Entwicklung in Nepal als sehr bedenklich eingestuft werden. Auch ist ein Ende der verlustreichen Kämpfe nicht abzusehen, eher scheint sich ein längeres Ringen abzuzeichnen. Dieser bedauerliche Zustand führte bereits zu einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen. Auch haben ausländische Entwicklungsprogramme ihre Mitarbeiter zum Teil bereits abgezogen. Reisen in dieses wunderbare Bergland können deshalb im Moment leider nicht empfohlen werden. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

Politische Situation in Indien

Fast täglich erscheinen Medienberichte über politische Zwischenfälle in Indien. Nun ist Indien aber ein riesiges Land, in dem täglich zwangsläufig etwas passieren muss. Reisen in die Berggebiete Indiens stellen kein Risiko dar. Nach dem Abbau der Spannungen zwischen Indien und Pakistan herrschen überall weitgehend normale Verhältnisse. Sämtliche Gebiete des indischen Himalaya können ohne Einschränkungen besucht werden. Lediglich die Gebirge rund um das Kaschmirtal ( Pir Panjal und die Himalaya-regionen um Pahalgam und Sonamarg ) sollten auf Grund der dortigen Aktivitäten moslemischer Aktivisten gemieden werden. Das Kaschmirtal selbst ( Srinagar und die Seen ) ist wegen der dichten indischen Militärpräsenz als weitgehend sicher zu beurteilen.

Die prächtigen Höhenwege im Solukhumbu warten vergeblich auf Besuch. Im Hintergrund das « höchste » Panorama der Welt: Nuptse, Everest, Lhotse, Lhotse Shar und Amai Dablang von Namche Bazar aus Auch im Bildungssektor nehmen die Maoisten Einfluss. Antrittsappell in einer Sekundarschule ( Kimalung, Bhojpur ) Düstere Aussichten für die fröhlichen Kinder Nepals: Was wird ihnen die Zukunft bringen? ( Kimalung, Bhojpur ) Fotos: Bernhard Rudolf Banzhaf

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