Marcel Rüedi. Zehn Achttausender dank Gerda

1986 hatte er bereits zehn Achttausender bestiegen. Der Winterthurer Metzgermeister Marcel Rüedi war damit einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger seiner Zeit. Er starb jedoch beim Abstieg vom Makalu. Die Sektion Winterthur würdigte nun ihr in Bergsteigerkreisen bekanntes Mitglied mit einem Buch. Geschrieben hat es die NZZ-Journalistin Charlotte Jacquemart. Sie zeichnet das Leben Rüedis nach, das zunehmend geprägt war von sich konkurrierenden Ansprüchen. Da waren einerseits die Familie und das Geschäft, andererseits der bis zum Tod noch nicht gestillte Drang, die höchsten Berge der Welt zu besteigen. Rüedi begegnet dem Leser als sympathische, bescheidene und offensichtlich in breiten Kreisen geschätzte Person, die über eine unheimliche Energie verfügte, deren Erfolg aber auch von der Opferbereitschaft der Familie abhing, namentlich seiner Frau Gerda. Obwohl das flüssig geschriebene Buch die kritische Auseinandersetzung nicht sucht und idealisierende Aussagen enthält wie «Er diskutiert gerne, über alles mit jedem», betreibt es nicht einfach Heldenverehrung. Die erzählerische Klammer, in der die Autorin schildert, wie die Familie die letzte, tödliche Expedition und ihre Folgen erlebt, mahnt: Die Liebe zu den Bergen, die trotz allen gegenteiligen Beteuerungen auch grössere Risiken in Kauf nimmt, kann die Liebsten mit aller Härte treffen. 

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