Max Eiselin – ein Pionier mit Mut und Gespür.

Unter der Leitung des erst 28-jährigen Max Eiselin wurde am 13. Mai 1960 der Dhaulagiri, der sechsthöchste Gipfel der Welt, zum ersten Mal bestiegen. Diese Expedition schaffte ohne Sponsoren, aber mit einer grossen Portion Idealismus das, was ihre sieben Vorgänger als «unmöglich» taxiert hatten. Bernhard Rudolf Banzhaf unterhielt sich darüber mit Max Eiselin in Luzern.

Max Eiselin: Hajdukiewicz war während des Krieges in der Schweiz interniert und studierte hier Medizin. Ich lernte ihn 1957 am Fuss des Eigers kennen. Er brachte Skoczylas, seinen Freund aus Polen, mit. Diener lebte in der Schweiz und bildete mit Forrer eine starke Seilschaft, sie gehörten zu den besten Alpinisten im renommierten Kletterclub Alpstein. Mit Diemberger und Dyhrenfurth konnten wir zwei Teilnehmer gewinnen, die schon über beträchtliche Himalayaerfahrung verfügten.

Als Haupteinnahme kann eine Grusskartenaktion bezeichnet werden - die Idee dazu stammte übrigens von Albert Eggler. Heute sind solche Aktionen gang und gäbe, damals war dies noch etwas Ungewöhnliches. Sponsoren im heutigen Sinn hatten wir keine. Die Presse begleitete uns aber vorbildhaft. Wir rechneten damals mit Gesamtkosten von 24000 Franken pro Person. Da der  durchschnittliche Monatslohn eines Angestellten damals ca. 800 Franken  betrug, bedeutete das Unternehmen - für die Teilnehmer ein enormes persönliches Opfer.

Eigentlich gut! Vor allem waren es Hinweise von Bernhard Lauterburg, Leiter der AACZ-Dhaulagiri-Expediti-on, und meine eigenen Beobachtungen im Jahr 1958, die den NE-Grat als beste machbare Route erscheinen liessen. Einem «Biancograt» gleich, mit objektiven Gefahren nur im untersten Bereich, zieht sich die Route als klare Linie zum Gipfel. Ich konnte nicht verstehen, warum unsere Vorgänger immer wieder die «Birnenroute» versuchten - ohne Erfolg.

Die SAC-Sektion Genevoise, die mit der Everest-Expedition von 1952 wertvolle Erfahrungen sammeln konnte, übernahm ein Patronat für unsere Unternehmung. Dr. Wyss-Du-nant gab uns wertvolle Tipps für die Akklimatisation. Er meinte, wir könnten uns schon auf über 5000 Meter anpassen, falls wir « eine Woche lang flach herumliegen und viel trinken » würden. Mit den heutigen Erkenntnissen würde man mit der Akklimatisation idealerweise schon bei 2500 m beginnen!

Die Entwicklung des Materials zwischen 1950 und 1960 ging nicht so sprunghaft vor sich. Wir verwendeten Rentierfellstiefel, die von der Firma Bally entwickelt worden waren und sich bereits 1952 am Everest bewährt hatten. Dann verfügten wir über Perlonseile. Die Zelte waren besser geworden, aber wir konnten von diesem Fortschritt aus finanziellen Gründen nicht profitieren. Unsere polnischen Freunde schneiderten eigenhändig jene Zelte, die wir am Dhaulagiri verwendeten, es war ihr Natural-beitrag. Grosse Probleme bereitete uns der Sauerstoff. Die verwendeten Flaschen wiesen nicht genügend Druck auf, so wurden wir «gezwungenermassen» die erste Expedition, die auf Sauerstoff verzichtete. Wenn wir die Bilder im Buch anschauen, sehen wir, mit welchen «Jammerbal-lons» (Rucksäcken) wir kletterten, auch eine Manifestation des geringen Budgets. Aber wir hatten einen enormen psychologischen Vorteil: das Wissen darüber, dass Achttausender machbar sind, zwölf davon waren ja bereits erfolgreich bestiegen worden.

Der «Yeti» war eigentlich vielmehr ein Maskottchen unserer Gruppe. Natürlich wurde eine Menge Material an den Berg geflogen, und wir benötigten anfänglich weniger Träger. Unter dem Strich war der «Yeti» - wie man heute sagen würde - kostenneutral.

Etwa gleich wie bei den konventionellen Expeditionen. Auch bei den heutigen « Reisebüro-Expeditionen » besteht Eigenverantwortung, mindestens ab Basislager. Auf Grund des Leistungsgefälles findet eine Art «natürlicher Selektion» statt. Vorteilhaft wirkt sich bei diesen neuartigen Expeditionen der Umstand aus, dass Leute, die sich nicht kennen, vorurteilslos das selbe Ziel verfolgen ohne zu grosse Erwartungen auf Unterstützung durch bergtüchtigere Kameraden.

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