Mit Snowboardern auf Skitouren: Thema des neuen J+S-FK.

Für skeptische wie für optimistische Skitouren-Leiter führt der SAC seit letztem Jahr einen speziellen J+S-FK durch, in dem sich alles ums Thema «mit Snowboardern auf Skitouren» dreht.

In einem ersten Lawinentheorie-block wird die Problematik «Snowboard» noch nicht angesprochen. Kein Wunder, gilt die Lawinentheorie gleichermassen für Snowboarder und Skifahrer, auch wenn die Unfallstatistik etwas anderes vermuten lässt! Aber dies gehört in die Kategorie«Risikobereitschaft», auf die später eingegangen werden soll.

Bei der ersten Übung im Gelände schütteln die Teilnehmenden mit Ski zuerst die Köpfe. Ueli Kämpf will, dass sie sich eine so genannte Aufstiegshilfe an die Füsse schnallen und ihre Skis aufbinden. Gleichzeitig sollen sich die Snowboarder mit einer anderen als der gewohnten Aufstiegshilfe ausrüsten. Die Kursleiter haben zu diesem Zweck ein ganzes Arsenal von Schneeschuhen und Kurzski mitgebracht. Ziel ist, die Tücken und Mühen des Aufstiegs mit diesen Geräten zu erfahren. Der tiefe Neuschnee sorgt bereits nach einer knappen Viertelstunde dafür, dass die Schneeschuh-Gruppe der Kurzski-Gruppe nicht mehr zu folgen vermag. Wir probieren aus, wie steil man mit Schneeschuhen steigen kann und ob das Traversieren wirklich so mühsam ist, wie alle immer sagen. Am Schluss des kurzen Aufstiegs ist sich die Gruppe auf Grund der Erfahrungen einig, dass vor allem das Spuren sowohl mit Schneeschuhen als auch mit Kurzski im tiefen Neuschnee in der Tat sehr anstrengend ist.

Bei der anschliessenden Abfahrt im Nebel erleben wir eindrücklich weitere Nachteile des Snowboards. Rasch ist das Brett angeschnallt, und los gehts. Aber Snowboarden im Schritttempo erweist sich als ähnlich schwierig wie Radfahren im Zeitlupentempo. Das hügelige Gelände lässt sich kaum mehr lesen, und schon sitze ich in einer Mulde, aus der ich 10 Minuten später völlig verschwitzt he-rauskrieche. « Zuerst denken, dann einen Skifahrer losschicken und erst dann mit dem Snowboard nachfahren », ist Willy Eggers Kommentar. Schon wieder etwas gelernt.

Gar zu Fuss oder evtl. mit Steigeisen? Zwei Tische beladen mit Material stehen bereit, und Ueli und Willy versuchen, Ordnung in den Material-Dschungel zu bringen. Jede der Aufstiegshilfen hat ihre Vor- und Nachteile. Schneeschuhe sind sehr leicht, was vor allem für die anschliessende Abfahrt ein grosses Plus darstellt. Zudem kann man mittlerweile in fast jedem Sportgeschäft Scheeschuhe mieten. Im Aufstieg kommt es sehr auf die Verhältnisse an: Im tiefen Neuschnee ist es überaus anstrengend, bei hartem Firn eignen sich nur noch Modelle mit guten Harscheisen.

Kurzski sind schwerer und für die Abfahrt unhandlicher. Dafür kann man in einer guten, harten Spur auch mit sehr kurzen Ski wie mit normalen Tourenski aufsteigen. Mit etwas längeren Kurzski kann man sogar relativ gut spuren. Im Sportgeschäft sind nur sehr wenige und erst noch teure Modelle erhältlich. Kein Wunder, dass überall wie wild gebastelt wird. Eine Alternative bildet der teilbare Ski, der sich auf dem Gipfel in zwei handlichen Portionen im Rucksack verstauen lässt.

Für Willy Egger ist entscheidend, dass die ganze Gruppe dasselbe Gerät für den Aufstieg benutzt, im Idealfall auch der Leiter, der vorausgeht. Die Übung mit den aufgebundenen Ski und den Schneeschuhen an den Füssen ist somit gar nicht so unrealistisch gewesen.

Gruppenintern werden die Themen « Snowboarder im Aufstieg », « Verhalten von Snowboardern bei der Abfahrt », « Snowboarder auf dem Gletscher », « Snowboardtouren im Frühling bzw. im Hochwinter » und « Die ideale Snowboardtour » diskutiert. Einige Teilnehmer haben bereits Erfahrung mit Snowboardtouren, andere finden spontan und mit den am Nachmittag gemachten Erfahrungen Lösungen. In der anschliessenden Präsentation erhalten selbst die erfahrensten « Snowboard-To(u)reros » noch neue Tipps.

Am zweiten Kurstag zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Der Aufstieg zum Rossstock wird nochmals für das Testen von Schneeschuhen oder Kurzski verwendet. Diesmal erfahren die Schneeschuhgeher während zweieinhalb Stunden, wie viel mühsamer der Aufstieg im Vergleich zu jenem mit den Skiern ist. Diesmal brillieren die Snowboarder aber in der Abfahrt, und einige der Ski fahrenden Teilnehmer werden beim Anblick der vorbeigleitenden Boarder blass vor Neid - zumindest bis zum kurzen, unvermeidlichen Gegenanstieg, der zum Ausziehen des Bretts zwingt.

Kursleiter und Teilnehmer sind sich einig: Der Kurs ist gelungen. Ski fahrende und snowboardende Teilnehmer haben sich in idealer Weise ergänzt und die Diskussionen angeregt. Anfängliche Zweifel und Skepsis sind Zuversicht und Toleranz gewichen. Und das Wichtigste: Viele snowboardende Jugendliche dürfen sich in den kommenden Wintern auf gut ausgewählte und kompetent geleitete Snowboardtouren freuen.

Feedback