Mutige Frauen, starke Männer Spitzenleistungen in Fels und Eis 2009

Auch ausserhalb des Wettkampfs sind Schweizer Alpinisten und Kletterinnen äusserst aktiv. Neben vielen aussergewöhnlichen Wiederholungen bestehender Routen fanden einige von ihnen auch neue Linien. Ein kurzer Jahresrückblick, ohne Gewähr auf Vollständigkeit.

Eis und Fels

Gleich zu Jahresanfang wiederholte Daniel Arnold zwei anspruchsvolle, längere Schweizer Mixed-Routen. Am 4. Januar gelang ihm Mach 3 ( M9+, 6 SL ) an der Breitwangfluh (BE) und nur wenige Tage später im Brunnital (UR) Come on Baby (M10, 5 SL). Den zweiten Höhepunkt in Sachen Eis und Fels lieferten dann Mitte September Roger Schaeli und Robert Jasper mit der ersten freien Durchsteigung der sogenannten Japaner route in der Eiger-Nordwand. Die Super-Direttissima ( 8a) ist nun die schwierigste und anspruchsvollste frei gekletterte Route durch die 1800 Meter hohe Nordwand. In der kurzen Herbstsaison Nepals wagten sich schliesslich die Zermatter Simon und Samuel Anthamatten zusammen mit Michael Lerjen an die Jasemba-Südwand. Der Jasemba (7350 m), offiziell als Pasang Lhamu Chuli bezeichnet, liegt auf der chinesisch-nepalesischen Grenze im Himalaya. In vier Tagen Ende Oktober durchstiegen die drei Zermatter als Erste die rund 1500 Meter hohe, teilweise tückische Wand.

Bouldern

Franz Widmer hingegen widmete sich im Januar nur einigen wenigen Metern Fels, und zwar dem Boulderproblem Entlinge (8c) im Murgtal (GL). Das hatte der Schweizer Spitzenboulderer Frederic Nicole bereits 2005 eröffnet, aber erst Anfang 2009 gelangen Wiederholungen, die zweite durch Franz Widmer. Er schien von seinem Erfolg so beflügelt, dass er im Mai sein eigenes Boulderprojekt Kryptos im Balsthal ( SO ) knackte; es ist ebenfalls als 8c vorgeschlagen. Fred Nicole bestätigte die Schwierigkeit im September mit der ersten Wiederholung, um seinem Palmarès nur einen Monat später einen weiteren schweren Boulder anzufügen: The Swarm ( 8b+ ) in Bishop ( Kalifornien ). Eine der zurzeit stärksten Schweizer Boulderfrauen ist wohl Danielle Grangier. Ihr gelang in Plex ( VS ) La méprise (7c).

Sportklettern

Fred Nicoles Liste gekletterter schwerer Boulder wird jedes Jahr länger. Am 1O. März fügte er dieser noch die Erstbegehung einer speziellen Route in einer Felshöhle bei Amden (GL) an: L' isola che non c'è ist eine anhaltende, ca. 15 Meter lange Dachkletterei mit einem Einstieg als Boulder und Ausstieg als Route. Nicole schätzt die Schwierigkeit im neunten französischen Grad ein. Ebenfalls eine Route eröffnet und erstbegangen hat sein Bruder François Nicole. Auf Nachahmer wartet nun in St-George ( VD ) I shot the sheriff (8c). Noch einen Zacken schwerer ist Lionel Clercs La cabane au Canada im Rawyl (VS) in der ursprünglichen Variante, vorgeschlagen ist eine 9a.

Am Klettergartenfels in Topform war auch Alexandra Eyer. Neben etlichen 8a-Routen gelang ihr Mitte Juli in Céüse Radote joli pépère ( 8b ) onsight. Einen Traum hat sich schliesslich die 19-jährige Barbara Büschlen im Sommer verwirklicht. Sie punktete im August als erste Frau überhaupt Fusion (8a) in Ueschinen ( BE ). Diese Route hatte vor knapp 19 Jahren der verstorbene Jürg von Känel gemeinsam mit Barbaras Vater Ruedi eingerichtet.

Hohe Wände

Im Januar bissen sich andere Schweizer am chilenischen Granit die Zähne aus. Die Urner Brüder Yvan und Michael Tresch eröffneten zusammen mit Dominik Angehrn und Tom Holzhauer in Cochamo, dem «Yosemite von Chile», die bis dato längste Big-Wall-Route an der Roca Grande de la Junta. Das Ergebnis: Los Tigros del Norte mit 1200 Klettermetern und Schlüsselstellen der Schwierigkeit 7c. Nicht so weit reisten Stephan Siegrist und Ralf Weber: Erstmals kletterten die beiden Mitte Juni die Route Magic Mushroom ( 21 SL, 7c+ ), die durch die Eiger-Nordwand direkt auf den « Pilz » führt, frei. Mittlerweile zum zehnten Mal wurde der Silbergeier ( 8b+, 6 SL ) im Rätikon ( GR ) durchstiegen: Beat Kammerlanders Meilenstein des alpinen Sportkletterns wurde diesen Sommer gleich mehrfach besucht. Rotpunkt-geklettert haben ihn Pascal Sigrist (27. Juli) und Matthias Trottmann (1O. September). Keineswegs untätig war auch die junge Bündnerin Nina Caprez. Sie arbeitete gerade mal zwei Tage lang am Verdon-Extremklassi-ker La Ramirole (8b, 5 SL), bis ihr eine Rotpunkt-Begehung gelang.

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