Neuer Hauptsitz des SLF

60 Jahre Schnee- und Lawinenforschung in Davos Ende November 1996 lud das Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung ( SLF ) nach Davos ein - aus zweierlei Gründen: Die Feier zum 60jährigen Jubiläum der Schnee- und Lawinenforschung in Davos fiel zusammen mit der Einweihung des SLF-Neubaus in Davos Dorf, der den bisherigen Hauptsitz auf dem Weissfluhjoch ersetzt.1 An einem gleichzeitig vom SLF durchgeführten Symposium stellten Wissenschaftler aus über zehn Ländern Weichen für die Schnee-und Lawinenforschung der Zukunft. Und schliesslich öffnete das SLF seine - neuen - Türen der Öffentlichkeit und stellte sich und seine Tätigkeit an einem Tag der offenen Tür vor.

Grosser Ansturm Am Samstag, dem 23. November, öffnete das SLF dem Publikum seine Tore; jedermann war eingeladen, die neuen Räumlichkeiten an der Flüelastrasse in der Nähe des Bahnhofs Davos Dorf zu besichtigen und einen Blick hinter die Kulissen der Schnee-und Lawinenforschung zu werfen. Der Ansturm blieb nicht aus: Den ganzen Tag über drängten sich Hunderte von Besuchern, Junge und Alte, Bergführer, SAC-Mitglieder, Skitourenfahrer und Skitouristen, Pressever-treter, Einheimische und Interessierte aus dem Unterland in den neuen Gebäuden des Instituts, wo die Mitarbeiter des SLF kompetent und geduldig ihre Tätigkeit erklärten.

Wie entsteht ein Lawinenbulletin? Ist diese Siedlung oder Strasse lawinensicher? Wie funktioniert eine automatische Schnee-Messstation? Auf solche und ähnliche Fragen erhielten die Besucher eine Antwort, sei es anhand der über 40 gut gestalteten Ausstellungsposter, der Tonbildschau, von Videos, Computersimulationen und aktiven Demonstrationen oder im persönlichen Gespräch mit einem der rund 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts. Der Tag bot eine ausgezeichnete Gelegenheit, das Institut, seine Forschungstätigkeit und die Menschen, die dahinNeue Adresse des SLF-Hauptsitzes: Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Flüelastrasse 11, 7260 Davos Dorf, Tel.081/417 01 11, Fax 417 01 10 ter stehen, kennenzulernen. Der unerwartet grosse Aufmarsch von Besuchern zeigte, wie gut das SLF in der Öffentlichkeit verankert ist.

Von der Holzbaracke zu modernen Gebäuden 1936 wurde auf dem Weissfluhjoch oberhalb von Davos das erste Schnee-labor gebaut, in dem sechs Wissenschaftler ihre Tätigkeit aufnahmen. 1942 wurde aus der bescheidenen Holzbaracke ein Institutsgebäude, und drei Jahre später übernahm das SLF von der Schweizer Armee die verantwortungsvolle Aufgabe der Lawinenwarnung. Im Lauf der achtziger Jahre zeichnete sich immer stärker ab, dass die Raumverhältnisse im Hauptsitz des SLF auf dem Weissfluhjoch für die künftigen Forschungsaufgaben nicht mehr ausreichend waren. Bis zur Realisierung des Neubaus an der Flüelastrasse sollten aber nochmals rund zehn Jahre vergehen. Der jetzt eingeweihte neue Hauptsitz zeichnet sich durch seine hellen, lichten und sinnvoll angeordneten Räumlichkeiten aus, die es dem Institut erlauben werden, seine Aufgaben im Rahmen von Forschung und Dienstleistung effizient und fachgerecht zu erbringen und die Ergebnisse rasch in die Praxis umzusetzen. Die Anlagen auf dem Weissfluhjoch werden auch in Zukunft von einem Teil der SLF-Mitar-beiter genutzt.

In der Anfangszeit des Instituts standen die Katastrophenlawinen, die Siedlungen und Verkehrswege bedrohen, im Zentrum der Arbeit. Durch verbesserte planerische und bauliche Lawinenschutzmassnahmen konnte diese Gefahr reduziert werden. Dagegen stieg die Zahl der verschütteten Skitouristen an; im Mittel werden in der Schweiz heute jährlich 26 Lawinenopfer verzeichnet. Mit « nur » 17 Toten lag allerdings das Berichtsjahr 1995/96 deutlich unter dem langjährigen Mittelwert. Wie Frank Tschirky, Sachbearbeiter Unfälle im Lawinenwarndienst, erklärte, stimmt allerdings nachdenklich, dass 10 der Verunglückten nachgewiesenermassen keine Ahnung von den herrschenden Lawinenverhältnissen oder vom Lawinenbulletin hatten. Diese meist jungen Menschen kamen bei Gefahrensituationen ums Leben, die für ausgebildete Leute leicht erkennbar gewesen wären. Bei den erwähnten 10 Opfern handelte es sich zudem ausschliesslich um Variantenfahrer und Schneeschuhläufer und nicht um Skitourenfahrer im klassischen Sinn.

Teil der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft 1989 wurde das SLF Teil der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft ( WSL ) und gehört damit seither zum ETH-Bereich. Heute stehen folgende Forschungsschwerpunkte im Vordergrund: Schneedecke, Lawinen, kurz- und langfristiger Lawinenschutz. Die Lawinenwarnung ist Bestandteil des kurzfristigen Lawinenschutzes und informiert die Öffentlichkeit über die Schnee- und Lawinensituation. Zu diesem Zweck wird das weitherum bekannte nationale Lawinenbulletin publiziert. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Arbeiten zur Schneedecke: Einerseits wird die Schneedecke für den Tourismus in Zukunft noch wichtiger, anderseits beeinflusst der Schnee wegen seiner besonderen Strahlungseigen-schaften grossräumig das Klima. Wenn sich die Ausbreitung der Schneedecke ändert, wirkt sich dies nicht nur auf die Alpen aus, sondern auf viel grössere Gebiete. Schliesslich nimmt auch die Bedeutung der Schneedecke als Wasserspeicher zu. Das SLF untersucht entsprechende Folgen einer möglichen Klimaerwärmung und erstellt langfristige Voraussagen, wie sich die Schneedecke entwickeln wird. Lawinenbildung und die Dynamik verschiedener Lawinentypen sind Forschungsgegenstand des Themenbereichs Lawinen; hier kommen z.B. lawinendynamische Messungen oder numerische Simulationen als Forschungsmethoden zur Anwendung.

Projekt « Lawinenwarnung CH 2000 » Am Tag der offenen Tür gewannen Interessierte auch Einblick in die Zukunftsaussichten des Lawinenwarndienstes ( LWD ): Im Projekt Lawinenwarnung CH 2000 möchte der LWD seine Grundlagen, Arbeitsmethoden und Produkte verbessern. Dabei geht es einerseits um die Verdichtung der Messnetze mit zusätzlichen automatischen Stationen ( Projekt //W/S ), aber auch um neue Erhebungsmethoden bei Vertrauensleuten wie Bergführern, Skitourenleitern, Hüttenwarten oder Rettungschefs, die ihre Beobachtungen möglichst schnell an den LWD weiterleiten sollten. Mit Hilfe der anderen SLF-Einheiten wird zudem das zentrale Informationssystem Schnee und Lawinen mit modernen Daten- und Methodenbanken ausgebaut.

Weiter sind zukünftig neben dem nationalen Lawinenbulletin auch regionale Lawinenbulletins ( die dem Im neuen SLF-Gebäude: Das Heureka-Staub-lawinenmodell Benutzer früher am Tag zur Verfügung stehen ) und lokale Warnungen geplant. Bereits in diesem Winter läuft die Testphase eines regionalen Lawinenbulletins für den Kanton Graubünden. Vermehrt werden die Texte der Bulletins und Warnungen durch Grafiken, Tabellen und Landeskarten unterstützt, und die neuen Medienkanäle bieten optimale Voraussetzungen zur Verbreitung. Neben dem Projekt Lawinenwarnung CH 2000 beschäftigt den LWD weiterhin die allgemeine Prävention mit Aufklärung und Ausbildung durch Kurse, Referate, Merkblätter und Lehrschriften. Wesentliche Erkenntnisse, die die Forschungssektionen des SLF erarbeiten, gelangen somit über den LWD in ihrer praktischen Anwendung an die Öffentlichkeit. Damit wird dem in der Vergangenheit wie auch für die Zukunft geltenden Hauptanliegen des SLF nachgelebt: sinnvolle Forschung betreiben, die der Öffentlichkeit möglichst rasch und umfassend zugute kommt.

Christine Kopp, Flüelenc 01 o.

Der neue Hauptsitz des SLF in Davos

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