Neuer Hüttenweg Mischabelhütten. Zwischen Bergwanderung und Klettersteig

Neuer Hüttenweg Mischabelhütten.

Zwischen Bergwanderung und Klettersteig

Das oberste Wegstück zu den Mischabelhütten AACZ musste auf Grund ständiger Steinschlaggefahr verlegt werden. Der neue und kürzlich noch ausgebesserte Hüttenzustieg lässt sich auf Grund seines Anforderungsprofils nicht mehr als Wanderweg, aber auch noch nicht ganz als Klettersteig bezeichnen. Er darf nur Alpinisten oder gut ausgerüsteten und trittsicheren Bergwanderern empfohlen werden.

Die auf 3335 Meter gelegenen Mischabelhütten AACZ gehören zu den höchstgelegenen Hütten der Alpen. Dabei bieten die zwei vom Akademischen Alpenclub Zürich betriebenen Häuser insgesamt 130 Personen Obdach. Die Mischabelhütten gelten als wichtiger Ausgangspunkt für sommerliche Gipfelbesteigungen: Lenzspitze, Nadelhorn, Stecknadelhorn, Hobärghorn, Dirru-horn, Ulrichshorn, Balfrin. Auch kann von hier aus die Tour über das Lenzjoch zum Dom unternommen werden.

Hoch über Saas Fee Der Weg zu den hoch über Saas Fee gelegenen Mischabelhütten AACZ führt zunächst durch den uralten Lärchenbestand von Trift zur Schönegge und dann an den Distelhörnern vorbei. Das letzte – nun nicht mehr benutzte – Wegstück schlängelte sich in der südostexponier-ten Felsflanke des Mischabelhorns zu der luftig gelegenen AACZ-Unterkunft empor. Angesichts dieser komplexen Anmarschroute haben sich Touristen schon gefragt, ob sich denn dort oben wirklich eine Hütte befindet. In der Tat fällt vor der dominierenden Kulisse der Mischabel der kleine, farblich fast nicht vom Felsgrat sich abhebende Kubus kaum ins Auge. Die alte und die neue Hütte liegen direkt auf dem schmalen, steilen Felsgrat, der sich vom Schwarzhorn, 3620 m, zum Oberen Distelhorn, 2806 m, hinunterzieht. Eine Graterhebung, die Mischabelhorn genannt wird, dient den Hütten als Standplatz. Die Hütten werden seit zwei Generationen von der Hüttenwartfamilie Lomatter aus Saas Fee bewirtet. Pius Lomatter, der rüstige Vater, hat das Zepter schon längst seinen Söhnen übergeben, er verbringt

Über diesen steilen, ausgesetzten Felsgrat führt der neue Weg vom Oberen Distelhorn zu den Mischabelhütten. Über 1000 Meter tiefer liegt Saas Fee. Eine spektakuläre Leiter überwindet eine Steilstufe im Felsgrat. Mit der doppelten Markierung ist der Hüttenweg nicht zu verfehlen.

Be rnh ar d Ru dolf Ba nz ha f DIE ALPEN 7/2002

aber zusammen mit seiner Frau seit über 35 Jahren jeden Sommer auf « seiner » Hütte.

Heikler Zugang Der westlich von Saas Fee ansetzende Hüttenweg steigt schon bald nach Verlassen des Dorfes steil an. Man kann die ersten sechshundert Höhenmeter allerdings auch mit der Bahn auf Hannig, 2336 m, überwinden und dem Hang entlang über Spissen den Weg erreichen, der sich in Kehren vom Dorf herauf-schlängelt. Der Weiterweg bis zu den Geröllhängen beim Distelhorn bleibt steil, ist aber gut ausgebaut und für Bergwanderer problemlos begehbar. Die anschliessenden exponierten, mit Ketten und Seilen gesicherten Passagen in der felsigen Südostflanke boten aber immer wieder Probleme, vor allem infolge der grossen Steinschlaggefahr. Man hat deshalb den Weg direkt auf den Felsgrat verlegt, der vom Hüttenstandort genau West-Ost verlaufend zum Oberen Distelhorn absinkt. Etwas westlich von Letzterem erreicht man auf dem neuen Weg den schmalen Grat, den man immer auf seiner Kante bleibend bis zur Hütte verfolgt. Da praktisch das ganze Teilstück mit vielen Stahlstiften, Kabeln und einer Leiter versehen ist, gleicht die Anlage des klug gewählten Hüttenweges eher einem einfachen, dafür aber durchgehend weiss-blau-weiss markierten Klettersteig. Der heutige Zugang ist damit zwar etwas schwieriger geworden, dafür drohen keinerlei objektive Gefahren. Vorsicht geboten ist bei Gewittern, die im Saastal jedoch eher seltener sind als an-derswo. a

Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee

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