Nothilfenummern – richtig anfordern. Hilfe per Natel in den Schweizer Bergen

Das Mobiltelefon ist in den Bergen längst Teil der Ausrüstung. Doch gerade hier funktioniert es nicht überall. Bei Alarmierungen gilt es, einige Grundsätze zu beachten.

Die meisten Berggänger haben es schon erlebt: Unterwegs in den Schweizer Alpen möchte man kurz mit dem Natel seine Lieben zu Hause anrufen. Auf dem Display erscheint jedoch die Meldung « Nur Notrufe möglich », obwohl der Kollege nebenan munter telefoniert. Trotz der Anzeige « volle Netzabdeckung » ist ein Verbindungsaufbau nicht möglich. Die Erklärung ist einfach: Der Kollege telefoniert über ein Mobiltelefonnetz eines anderen Anbieters, oder er besitzt eine ausländische SIM-Card, die das so genannte Roaming zulässt. Das eigene Handy erkennt zwar das fremde Netz, wird aber nicht zugelassen.

Roaming – unterwegs in « fremden Netzen »

In der Schweiz betreiben drei Anbieter Mobiltelefonnetze: Swisscom, Sunrise und Orange. 1 Grundsätzlich lässt die heute übliche GSM 2 -Technik auch dann einen Gesprächsaufbau zu, wenn man sich mit seinem Natel im Netz eines anderen Anbieters befindet. Dazu ist aber das « Roaming », eine Nutzungszulassung, erforderlich. Die Schweizer Anbieter betreiben Roamingdienste nur mit ausländischen Mobiltelefongesellschaften. Das bedeutet, dass man mit einer Schweizer SIM-Karte im Ausland mit fast allen dort tätigen Netzanbietern telefonieren kann, was genauso auf ausländische SIM-Karten in der Schweiz zutrifft. Mit der SIM-Karte der Schweizer Anbieter kann man aber in der Schweiz nur telefonieren, wenn der eigene Anbieter am Standort des Anrufenden über eine Netzabdeckung verfügt. Und das ist vor allem in den Bergen nicht immer der Fall.

Nummer 112 für alle erreichbar

Was aber viele nicht wissen: Die international gültige Notrufnummer 112 ist seit rund einem Jahr auch bei allen Schweizer Netzanbietern freigeschaltet. Das heisst, in der Schweiz kann über die Notrufnummer 112 mit jedem Natel von jedem Ort, der von einem Mobiltelefonnetz abgedeckt ist, Hilfe angefordert werden. Dieser Notruf ist mit einer Prepaid-SIM-Karte auch dann noch möglich, wenn kein Gesprächsguthaben mehr vorhanden ist. Doch eine weitere Besonderheit kann den Hilferuf behindern: Obwohl das Natel auf dem Display eine gute Netzver-sorgung signalisiert, wird nach dem Wählen der Rufnummer die Verbindung abgebrochen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Natel aufgrund eines exponierten Standortes eine weit entfernte Funkzelle besser empfängt als die näher liegende. Dabei ist das Signal der weiter entfernten Funkzelle aber zu schwach, um eine Verbindung aufrechtzuerhalten. Abhilfe schafft hier nur eine Standortverschiebung, indem man vom exponierten Standort vorsichtig in eine Flanke absteigt.

1 Tele 2 benutzt als vierter Anbieter das Sunrise-Netz.

2 GSM steht für Global System for Mobile Com- munications.

3 Technische Informationen dazu unter www.rega.ch oder www.alpinerettung.ch Bild: A R Foto: zvg Geteilte Gipfelfreude: In der heutigen Zeit ist die mobile Telekommunikation auch in den Bergen nicht mehr wegzudenken.

Foto: zvg Höhlenrettung verlangt spezielles Material und Fachkenntnisse: Begeg-nen die Retter einem Siphon, müssen sie das Wasser zuerst abpumpen.

Natel oder Notfunkgerät?

Hat man ein Natel bei sich, sollte man bei einem Notruf in den Bergen zunächst die üblichen Notfallnummern wie die 1414 der Rega anwählen. Gelingt dies nicht, wählt man die Notfallnum-mer 112 an. Entsteht immer noch keine Verbindung, muss man mit einer grösseren Standortverschiebung versuchen, überhaupt in den Versorgungsbereich eines Mobiltelefonnetzes zu gelangen. In sehr abgelegenen Regionen ist nach wie vor das Mittragen eines Notfunkgerätes zu empfehlen 3, denn inner- und hochalpin gibt es immer noch Gebiete ohne jegliche Mobiltelefonversorgung. a Ueli Mosimann, SAC-Experte für Bergunfälle

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