Paul-Henri Girardin 1936–2010: In memoriam

In memoriam

Der « Magier im Fels » ist nicht mehr: Paul-Henri Girardin, genannt « Paulet », ist bei sich daheim in Biel von uns gegangen. Mit seinem Tod verliert die alpine Szene einen der besten Kletterer seiner Zeit ( « Die Alpen » 4/2008 ). 1954 gelang ihm ein unglaublicher Exploit, mit dem er seiner Zeit weit voraus war: Er kletterte ein 6b obl. in einer Variante der Face de la Heutte im Klettergebiet Le Paradis ( Berner Juraes war damals eine Leistung ohnegleichen, die er in groben Schuhen und um die Taille angeseilt unternahm. Paulet, von Natur aus zurückhaltend, blieb dennoch bei seiner Bescheidenheit: Wie alle « Stars » der grossen Zeit des Jurakletterns redete er nicht gerne von seinen Leistungen. Der junge Mechaniker, der von Anfang der 1950er-Jahre in einem Steinbruch oberhalb von Biel boulderte, machte es sich zur Pflicht, alles, was er im Aufstieg überwinden konnte, auch wieder abzuklettern. Er wiederholte die schwierigsten Klettereien, befreite die Artif-Routen und wurde ein Vorreiter des Freikletterns. Paulet war vor allem als Spezialist der Face de Plagne in der Nähe von Biel bekannt. Die Wand ist über 100 m hoch, und ihm gelang 1955 die erste Begehung; im Jahr darauf zeichnete er sich mit der Erstbegehung der Route Grand Vide aus, deren Ausstiegs-6a viele Kletterer erzittern liess. Infolge eines fürchterlichen Sturzes in den Gastlosen 1957 war das Klettern dann aber « nie mehr wie davor ». Dennoch gab Paulet seine Leidenschaft zahlreichen Kletterern weiter, darunter seinen Söhnen Christophe und Boris.

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