Präsidentenkonferenz 2008. Spitzenbergsteigen, Hütten, Wettkampfklettern

Spitzenbergsteigen, Hütten, Wettkampfklettern

Präsidentenkonferenz 2008

Zwei Punkte standen im Zentrum der Präsidentenkonferenz, die im November im Haus des Sports in Ittigen bei Bern stattfand. Das Ressort Bergsport und Jugend präsentierte ein Konzept, welches das klassische Bergsteigen im SAC fördern soll. Zudem standen das Wettkampfklettern und seine Verbindungen zu den Sektionen zur Debatte.

Brigitte Holderegger, Mitglied des Zentralvorstands, präsentierte ein Konzept zur Förderung des Leistungsalpinismus. Während Sportklettern und Skialpinismus in der Öffentlichkeit auf Anklang stossen und mit zahlreichen Wettkämpfen gut verankert sind, betreiben immer weniger Bergsteiger Alpinismus auf hohem Niveau. Brigitte Holderegger erinnerte daran, dass die Erfolge von Roger Federer oder der Alinghi zu einem Ansturm in den Tennis- und Segelschulen zur Folge hatten. Brigitte Holderegger, Mitglied des Zentralvorstandes, präsentierte das neue Konzept für Leistungsalpinismus. Leo Condrau, verantwortlich für den Wettkampfsport im Zentralvorstand, zeichnet die Jurasserin Katherine Choong für ihre Leistungen aus. Rechts der erfolgreichste Schweizer Spitzenkletterer, Cédric Lachat.

« Gegenwärtig besteht ein zu grosser Abstand zwischen Alpinisten wie Ueli Steck und der Basis », erläutert sie weiter, « das vorgelegte Konzept zielt darauf ab, diesen Abstand zu verringern. Es sollen mehr Junge zwischen 16 und 20 herangezogen werden, die später in der Lage sind, an der Spitze mitzumischen. Die jungen Anwärter müssen vielseitig sein und in den Bergsportarten ein hohes Leistungsniveau aufweisen sowie über hohe Sozialkompetenz verfügen. Die Idee dabei ist nicht, Wettkämpfe in den Bergen zu organisieren und denjenigen Bergsteiger auszuzeichnen, der als Erster auf dem Gipfel steht. Es geht vielmehr darum, eine Ausbildung anzubieten, die jenen jungen Bergsteigern entgegenkommt, die ein höheres Niveau erreichen möchten. »

Eine bessere Vorbereitung von Expeditionen

Die vom SAC im Jahr 2007 organisierte Patagonienexpedition diente als Basis für die Ausarbeitung dieses Projekts. Eine der Teilnehmerinnen, Anita Kolar, unterstützt das Projekt: « Es ermöglicht den Teilnehmern, sich besser auf grosse Expeditionen vorzubereiten. » Sie unterstrich auch, wie wichtig es sei, dass das bei solchen Abenteuern erworbene Wissen via Sektionen weitergegeben werde. Konkret besteht das neue Angebot aus einem dreijährigen Kurs. Die Ausschreibung erfolgt ab 2009. Im Verlauf des dritten Jahres zum Abschluss der Ausbildung werden Kursteilnehmer möglichst autonom eine Expedition auf die Beine stellen. Bergführer und Spitzenbergsteiger leiten den Kurs. Sein Budget beläuft sich auf 36 000 Franken; 25 000 Franken davon werden vom Zentralverband getragen. Nach einigen Fragen aus dem Publikum, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit, gaben die Sektionspräsidenten grünes Licht für das Projekt.

Die Hütten, ein starker Pfeiler des SAC

Der Präsident der Hüttenkommission, Reto Jenatsch, präsentierte drei Projekte für die Renovation der Bordier- ( Sektion Genf ), der Rugghubel- ( Sektion Titlis ) und der Campo-Tencia-Hütte ( Sektion Ticino ). Die Delegierten genehmigten die Projekte. Reto Jenatsch orientierte ausserdem über den Stand der Arbeiten an der Monte-Rosa-Hütte. Die Fundamente seien gelegt; ebenso sei ein Wassertank von knapp 200 Kubikmetern installiert worden. Die Arbeiten auf der Baustelle ruhen jetzt bis Sommer 2009. Eine Eröffnung ist für den September 2009 geplant.

Die Hütten haben dieses Jahr das erste Mal nach dem neuen Hüttenreglement abgerechnet. Laut Daniel Suter, Ressortleiter Hütten im ZV, ist es aber noch zu früh, um eine erste Bilanz zum Hüttenreglement ziehen zu können. Der SAC-Präsident, Frank-Urs Müller, freute sich, verkünden zu können, Fotos: Dieter Spinnler dass die Spenden für die Hütten im Jahr 2008 alle Rekorde geschlagen hätten. Das zeige auch, dass die Hütten ein starker Pfeiler des Clubs seien und die Mitglieder sich stark mit ihnen identifizieren würden. Daniel Suter, Ressortleiter im ZV, meinte, es sei zwar noch verfrüht, nach einem Jahr die Auswirkungen des neuen Hüttenreglements zu beurteilen, man sei aber auf die zusätzlichen Einnahmen aus Spenden angewiesen.

Der Wettkampfsport im SAC

« Was heute gut ist, reicht morgen nicht mehr !» Mit diesem Spruch plädierte Hanspeter Sigrist, Chef Leistungssport, dafür, das Engagement für den Wettkampfsport innerhalb des SAC weiterzuführen. Gute Resultate im Skialpinismus und Sportklettern hätten Signalwirkung für den Breitensport. Sie seien auch notwendig, um von der Unterstützung durch Swiss Olympic zu profitieren. Hanspeter Sigrist unterstrich, dass genügend Ausbildungspersonal eine zentrale Voraussetzung sei, um an den Wettkämpfen Medaillen zu gewinnen.

Der Skialpinismus verfügt laut Sigrist über eine gute Kaderstruktur. Dagegen müsse die Ausbildung angepasst werden. Das sei das Hauptziel der kommenden zwei Jahre. Für Hanspeter Sigrist würde eine Mitarbeit der Sektionen die Situation im Wettkampfsport verbessern. Die regionalen Zentren könnten so ihre Rolle als Bindeglied zwischen der Basis und dem Breitensport verstärken.

Beim Sportklettern funktioniert die bestehende Ausbildung gut, und es gibt eine gute Kaderstruktur. Die als Referen-tin eingeladene Präsidentin des regionalen Kletterzentrums Genèvescalade, Carinne Menetrey, richtete einen Appell an die Sektionen. Sie hofft, dass die regionalen Zentren und die Sektionen Hand in Hand arbeiten. Eine solche Zusammenarbeit habe zweifellos für beide Seiten positive Auswirkungen. Michael Caflisch, Präsident der Sektion Davos und mit dieser Organisator eines Skitou-renrennens, zeigte die Chancen auf, die sich dadurch bieten. Der Anlass schafft Identifikation und bietet Möglichkeiten der Vernetzung. Der SAC kann sich damit auch als Themenführer positionieren. Strategisch gesehen habe der Schweizer Alpen Club die richtige Wahl getroffen, als er das Wettkampfklettern in den Club eingeschlossen habe, ergänzte Peter Mäder, der Geschäftsleiter des SAC. Länder wie Italien und Frankreich haben anders entschieden. Die historische Entwicklung zeigt heute, dass diese Alpenvereine ihren Mitgliederbestand nur in einem viel kleineren Masse erhöhen konnten.

Budget 2009

Finanzchef Philippe Choffat legte für 2009 ein ausgeglichenes Budget vor. Die Versammlung stimmte diesem mit grosser Mehrheit zu. Werner Frick, Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, mahnte dennoch, dass der SAC neue Einnahmequellen finden müsse, um ruhiger in die Zukunft blicken zu können. Peter Mäder äusserte sich zuversichtlich und betonte, dass sich der SAC mit einer Reserve von 25% des Jahresumsatzes in einer komfortablen Situation befinde. Erfreulich sei auch, dass 2008 die Zahl der Mitglieder netto um 4000 gestiegen sei.

Gender-Kommunikation

Das Gender-Projekt zielt unter anderem darauf ab, die Zahl der aktiven Frauen im SAC und in den Führungspositionen des Clubs zu erhöhen. Die Autoren des Kommunikationskonzeptes präsentierten erste Massnahmen. Véronique Beetschen, Mitglied der Arbeitsgruppe, hob hervor, dass die Erwartungen der Frauen nicht die gleichen seien wie diejenigen der Männer. Daher gelte es, Angebote zu schaffen, die für Frauen attraktiv seien. Einer der Sektionspräsidenten erachtete die vorgeschlagenen Massnahmen als unnötig, denn es gebe kein solches Problem im SAC. Doch die Statistiken sprechen dagegen. Wie in der Gesamtgesell-schaft sind auch im Alpenclub die Schlüsselposten von Männern besetzt. Der Zentralvorstand wird sich nun im Februar zu den Massnahmen äussern. Grundsätzlich möchte das Projekt den SAC als Verband positionieren, der in die Zukunft gerichtet ist und die Kompetenzen der Frauen anerkennt. Wenn die Aussage stimmt, dass die Frau die Zukunft des Mannes ist, dann blickt der SAC in eine schöne Zukunft, wenn er auf diesem Weg weitergeht. a Pascale Stehlin, Redaktorin ( ü ) Die vom SAC und der Uni Lausanne organisierte Expedition nach Patagonien diente als Grundlage für die Förderung des Leistungsalpinismus bei den Jungen.

Foto: Ueli Steck

Sport- und Wettkampfklettern

Arrampicata libera e di competizione

Escalade libre/ Compétition

Kletterwettkampfpause bis März 2009

Mit Sprintduellen zum Saisonende

Die beste Schweizerin und der beste Schweizer im Sportklettern: Diese Titel holten sich Anfang November im Haus des Sports ( BE ) erneut Alexandra Eyer und Cédric Lachat. Am Abend feierte die Sportkletter familie das Saisonende und ehrte diverse Athletinnen, Trainer und Organisato-rinnen.

Mit dem Titel des Speed-Schweizer-Meisters beendete Cédric Lachat ( Porrentruy JU ) am 8. November im Haus des Sports eine Saison der Erfolge, in der er auch in der Gesamtwertung an der Spitze stand. Der 24-Jährige gewann in allen drei Disziplinen ( Lead, Boulder und Speed ) den Titel des Schweizer Meisters. International belegt er zurzeit den achten Rang.

Europameisterschaften in Paris Der Schweizer Cédric Lachat gewann an den Europameisterschaften in Paris Gold in der Kombination und Bronze im Bouldern. In dieser Disziplin kletterten nur Kilian Fischhuber ( AUT ) und der dominierende Jérôme Meyer ( FRA ) besser. In den vergangenen drei Jahren gewann Lachat somit an den internationlen Meisterschaften nicht weniger als sieben Medaillen. Er stach auch aus der sechsköpfigen SAC-Swiss-Clim-bing-Nationalmannschaft hervor, die insgesamt die Resultate der vergangenen Jahre bestätigte. In der Nationenwertung belegte die Schweiz zusammen mit Frankreich hinter Österreich, Russland und den überraschenden Slowenen den 4. Rang. Die Wettkämpfe in den Disziplinen Lead, Bouldern und Speed fanden vom 15. bis 18. Oktober im Palais Omnisport de Paris Bercy statt. Hanspeter Sigrist, Chef Leistungssport Kombination Herren 1. Cédric Lachat, SUI 2. Dmitry Sharafutdinov, RUS 3. Klemen Becan, SLO 6. Martin Jaggi, SUI 11. Remo Sommer, SUI Bouldern Herren 1. Jérôme Meyer, FRA 2. Kilian Fischhuber, AUT 3. Cédric Lachat, SUI 17. Martin Jaggi, SUI 2O. Remo Sommer, SUI 35. Kevin Hemund, SUI 39. Matthias Müller, SUI Speed Herren 1. Evgeny Vaytsekhovsky, RUS 2. Maksym Osipov, UKR 3. Maksym Styenkovyy, UKR 2O. Martin Jaggi, SUI 23. Remo Sommer, SUI 25. Cédric Lachat, SUI Lead Herren 1. Patxi Usobiaga Lakunza,. " " .ESP 2. Tomas Mrázek, CZE 3. Manuel Romain, FRA 18. Cédric Lachat, SUI 28. Remo Sommer, SUI 29. Martin Jaggi, SUI Lead Damen 1. Johanna Ernst, AUT 2. Maja Vidmar, SLO 3. Mina Markovic, SLO 13. Alexandra Eyer, SUI Ranglisten EM Paris 2008: Disziplinen mit Schweizer Beteiligung Cédric Lachat ist Europameister Komplette Resultate und mehr Infos auf: www.ifsc-climbing.org oder www.sac-cas.ch Bei den Damen entschied Alexandra Eyer die Gesamtwertung für sich, und das obwohl sie verletzungsbedingt nicht mehr an der Speed-Schweizer-Meister-schaft teilnahm. Bei diesen triumphierte dafür in der Kategorie Elite ein neue Athletin: Ramona Wäger aus Chur GR. Sie konnte sich gegen 22 Konkurrentinnen durchsetzen.

Hohes Niveau

Wie hoch das Niveau in den Wettkämpfen inzwischen ist, zeigt sich in der Kategorie der Jüngsten, der U 14: In der Disziplin Lead klettern sie in den Finals eine Route der Schwierigkeit 7a/7a+. Aktuell jüngste Titelhalterin der Gesamtwertung ist die erst 10-jährige Shanu Buff, der beste der U-14-Jungen ist der 13-jährige Kevin Huser. Auch wenn das Niveau immer noch fast jährlich steigt, ist eines klar: Es wird schwierig in der kommenden nationalen Wettkampf serie, den Überflieger Cédric Lachat zu entthronen. Sie beginnt im März 2009.

Swiss Climbing Night

Kaum war der letzte Rang der Speed-Meisterschaften verkündet und das Mag nesia von den Fingern gewaschen, strömten Athletinnen, Wettkampforganisatoren, Trainerinnen, Routenbauer und SAC-Funktionärinnen in den festlich hergerichteten Hauptsaal im Haus des Sports bei Ittigen. Denn zu feiern gab es auch den unermüdlichen Einsatz aller Freiwilligen, die den Wettkampfbe-trieb überhaupt erst möglich machen. Unter anderem wurde Sandro Niklaus, Bern, zum besten Nachwuchstrainer gewählt, als bester Organisator gilt 2008 das Kletterzentrum Pilatus-Indoor Root ( LU ). Als Topathleten des Jahres geehrt wurden Katherine Choong und Cédric Lachat. a Alexandra Rozkosny « Rookie of the year » Amanda Rohner: Das Publikum der Swiss Climbing Night hat die 15-Jährige aus drei Bewerbern zum Nachwuchstalent des Jahres erkoren. Die Glückliche erhielt als Preis von Mammut einen Waren-gutschein über 1000 Franken.

Foto: David Schw eiz er

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