SAC-Abgeordnete für eine Strategiediskussion Erste Ziele liegen an Präsidentenkonferenz vor

Die Abgeordnetenversammlung in Davos befürwortet die Überarbeitung des Leitbilds und der Strategie des SAC. Die Umweltrichtlinien werden erst danach überarbeitet. Der Helidisput ist damit vorläufig vertagt.

Dort, wo sich im Winter die Mächtigen der Welt treffen, im Davoser Kongresszentrum, tagten Mitte Juni die Abgeordneten des SAC. Die Entscheide, die fielen, dürften zwar für die Welt nicht von derselben Tragweite sein wie die Absprachen der Wirtschaftselite am World Economic Forum. Für den Schweizer Alpen-Club sind sie aber von grosser Bedeutung.

Neben den statuarischen Traktanden (siehe S. 25) gab vor allen die Umweltpolitik des SAC zu reden. Der Streit um die Position des SAC zur Neuordnung der Gebirgslandeplätze gipfelte jüngst in der Drohung einzelner Exponenten der Walliser Sektionen Monte Rosa und Zermatt, den SAC zu verlassen. Darum war die Spannung gross, als es um die Anträge der Sektionen Bern, Uto und Oldenhorn ging, die eine Anpassung der Umweltrichtlinien zum Thema hatten.

 

Traktandiert waren Anträge der Sektionen Uto und Bern, die den Artikel 5.1.4 der Umweltrichtlinien abändern wollten. Die Sektion Uto verlangte, dass sich der SAC künftig für eine « generelle Reduktion der touristischen Motorfliegerei » starkmacht anstatt nur für eine Lenkung und Beschränkung. Die Sektion Bern wollte eine Ablehnung des Heliskiing aus « bergsportethischen Gründen » in die Umweltrichtlinien aufnehmen. Zwar betonten Vertreter beider Sektionen, dass es bei den Änderungsanträgen « nicht um eine Verschärfung der Richtlinien geht ». Dies werde falsch verstanden. Seitens der Sektion Bern wurde präzisiert, dass es um eine generelle Distanzierung vom Heliskiing gehe. Schliesslich seien die Mitglieder des SAC Bergsteiger, weshalb die Frage nach dem mechanisierten Aufstieg ( vgl. « Die Alpen » 4/2011 ) den SAC nicht zu kümmern brauche. Die Ostschweizer Sektionen erklärten gemeinsam, sie wünschten, dass über die Frage wieder « sachlich diskutiert werden kann ». Es sei schlimm, wenn einzelne Sektionen die SAC-interne Debatte in der Öffentlichkeit austragen würden. Einen ersten Schritt machte die Sektion Uto, die ihren Antrag zurückzog. « Dies, um einen Beitrag zur Entspannung zu leisten », wie ihr Präsident sagte. Aufsehen erregte das Votum eines Vertreters der Sektion Monte Rosa, der dazu aufrief, diese « politische Diskussion » nicht mehr im SAC zu führen: «Wir sollten unsere Energie besser andernorts einsetzen», die Heliskidebatte sei kein SAC-Thema. Dies wiederum veranlasste den Präsidenten der Sektion Winterthur zur Bemerkung: « Es freut mich, dass man im Wallis wieder auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt ist. »

 

Der Antrag der Sektion Bern wurde schliesslich klar abgelehnt, ebenso der zweite Antrag der Sektion Uto, der eine repräsentative Umfrage zur Gebirgsfliegerei bei den Mitgliedern forderte. Als einziger der vier Vorstösse zum Thema Umwelt wurde der Antrag der Sektion Oldenhorn deutlich angenommen. Dieser verlangt, dass die Umweltrichtlinien des SAC überarbeitet werden – allerdings nicht wie von Oldenhorn gefordert bis zur AV 2012, sondern nach 2013. Dies, weil der Zentralvorstand ( ZV ) im Rahmen der Planung des Jubiläumsjahrs 2013 zuvor vorgeschlagen hatte, zuerst das Leitbild und die Gesamtstrategie des SAC zu überarbeiten und danach die Umweltrichtlinien.

Diese Idee einer Gesamtschau wurde von den Delegierten deutlich angenommen. Die strategischen Ziele werden bereits an der Präsidentenkonferenz 2011 vorliegen. Die überarbeitete Strategie soll dann an der Jubiläums-AV 2013 verabschiedet werden.

{f:if(condition: label, then: label, else: header} Die Traktanden im Detail

Rechnung 2010

Nach der Begrüssung durch Zentralpräsident Frank-Urs Müller und den Landamman der Landschaft Davos Hans Peter Michel genehmigten die 171 anwesenden Delegierten den Jahresbericht 2010 und die Rechnung 2010 ohne Gegenstimme.

Regionalzentren

Teil des SAC Zu reden gab die Statutenanpassung zur Bildung von Zweckverbänden. Nachdem die Regionalzentren ( RZ ) für den Leistungssport seit mehr als zehn Jahren ohne klaren Status bestanden hatten, befürworteten die Delegierten die Schaffung der Zweckverbände. Zentralvorstandsmitglied Leo Condrau – er trat nach acht Jahren aus dem Zentralvorstand zurück – sagte: « Damit sind die Beziehungen zwischen den Regionalzentren und den Sektionen klar geregelt. » Die Informationsflüsse seien sichergestellt, und die Sektionen « haben das Recht, von den Kompetenzen der Regionalzentren zu profitieren ». In einer Stellungnahme zum knappen « Zweidrittelmehr » der Delegierten sagte Stefan Meier vom RZ Ost: « Wir sind extrem erleichtert. » Bisher seien die RZ strukturell ein « Abstellgleis » gewesen. Dies sei bei der Drittmittelbeschaffung hinderlich gewesen. Der SAC-Zentralverband unterstützt neu die RZ abhängig von den sportlichen Leistungen, den Trainierqualifikationen und den projektbezogenen Tätigkeiten. Die Sektionen können in den RZ Aktiv- oder Passivmitglieder sein.

 

« Die Alpen » nun auch auf Italienisch

Schon seit einiger Zeit verhandelt der SAC mit der Federazione alpinistica ticinese FAT über ein Gegenrecht auf den Hütten. Dabei zeigte sich, dass die rund 8000 Mitglieder der FAT ein Potenzial für eine italienische Ausgabe der SAC-Zeitschrift « Die Alpen » darstellen. Deshalb hat der Zentralvorstand der AV vorgeschlagen, die Alpen ab Januar 2012 versuchsweise auch auf Italienisch zu publizieren. ZV-Mitglied Catherine Borel sagte, man wolle zeigen, « dass der SAC ein Verband ist, der die Mehrsprachigkeit ernst nimmt ». Seitens der Tessiner Sektionen wurde dieser Schritt sehr begrüsst. Alle diese Projekte würden das Image des SAC zwei Jahre vor seinem 15O. Geburtstag stärken, so das Fazit des ZV.

Die Abgeordneten hiessen die Finanzplanung ohne Gegenstimmen gut, diese sieht für 2012 und 2013 einen Überschuss von noch 150 000 Franken vor.

 

150-Jahr-Feier startet in Olten

Es lag an Projektleiterin Fabienne Cortesi, zu erklären, wie weit die Planung des grossen Geburtstags des SAC gediehen ist. Unter dem Motto « Mehr als Bergsport » wird sich der fünftgrösste und einer der ältesten Sportvereine der Schweiz gebührend feiern. Start ist am 19. April 2013 in Olten, wo der SAC vor 150 Jahren gegründet worden ist. Dreh- und Angelpunkt wird ein Bergfestival sein, das alles verbindet, was den SAC ausmacht. Nach der Grobplanung sei man nun auf der Suche nach einem Partner, erläuterte Cortesi. Zentral seien aber auch die Aktivitäten der Sektionen, die an der letzten Präsidentenkonferenz gebeten worden waren, sich zu überlegen, was sie zu einem gelungenen Fest beitragen könnten.

 

Hörnlihütte

Daniel Suter informierte bei seinem letzten Auftritt als Ressortleiter Hütten im ZV über den beschlossenen Verkauf der Hörnlihütte durch die Sektion Monte Rosa an die Burgergemeinde Zermatt. Die Burgerinnen und Burger wollen bis zum Jubiläum der Matterhornerstbesteigung 2015 das Hotel Belvedere renovieren und mit einem Neubau am Standort der Hörnlihütte erweitern. Der Name der Hütte soll allerdings erhalten bleiben.

 

Feiern und Yvette

Vaucher ehren « Sie hat den Frauen den Weg in die Berge geebnet », steht auf dem Diplom, das Yvette Vauchers Ehrenmitgliedschaft im SAC dokumentiert. Catherine Borel – es war ihr letzter Auftritt als Mitglied des Zentralvorstandes – hielt die Laudatio. Die mittlerweile 81-jährige Yvette Vaucher sei eine der ganz grossen Bergsteigerinnen dieses Landes ( vgl. « Die Alpen » 9/2010 ). Vaucher sei entgegen dem damaligen Frauenbild eine unabhängige Person geblieben. « Sie hat ihren Weg gemacht, ihr Leben in die Hand genommen, wie nur wenige Frauen zu dieser Zeit », sagte Borel. Schon 1975 sei Vaucher von ihrer Sektion Genf als Ehrenmitglied vorgeschlagen worden. Die Kandidatur sei dann aufgrund der Reaktionen anderer Sektionen zurückgezogen worden, der Präsident nahm unter Protest den Hut. « Unvorstellbar » sei es damals für den Bergsteigerverband SAC gewesen, einer Frau die Ehrenmitgliedschaft zu gewähren, sagte Borel. Da zählte auch die Unzahl schwieriger Routen und höchster Gipfel wenig, die Vaucher in den 1960er- und 70er-Jahren auf allen Kontinenten begangen beziehungsweise bestiegen hatte. Doch die Zeiten ändern sich, der SAC hat sich vom « Rotsockenverein » zu einem modernen Sportverband gewandelt. Und beim zweiten Anlauf wurde Vaucher die Ehre denn auch unter grossem Applaus der Abgeordneten zuteil. Sie freue sich sehr über die Ehrung, sagte die gerührte Yvette Vaucher später auf der Schatzalp, wo die Sektion Davos, die heuer ihren 125. Geburtstag feiert, zu einem Apéro geladen hatte. « Es ist hervorragend, auf einmal so viele Brüder zu haben, all diese Freunde, die man in den Bergen immer wieder trifft. »

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