Sandoz Jean-Pierre: Zur Kulturgeschichte des Getreidespeichers. Mengis Druck und Verlag, Visp 1998.

Voraussetzung für die Wandlung der Menschen vom nomadisierenden Jäger zum fest ansässigen Bauern war die Erfindung von sicheren Lagerplätzen für das Getreide. Mit vielen eindrücklichen farbigen Abbildungen und ausführlichen Beschreibungen zeigt der Autor, dass sich dafür praktisch auf der ganzen Welt ähnliche Strukturen entwickelt haben. Besonders frappant sind die Ähnlichkeiten zwischen dem «Spycher» aus dem Wallis und dem « horreo » in Spanien, was offenbar die Triebfeder für die äusserst umfassende, gut dokumentierte Abhandlung über Getreidespeicher in allen Zeitepochen bis hin zum Silo der heutigen industriellen Nahrungsmittelproduktion war.

Ein wichtiger Aspekt ist der dokumentarische Wert dieses Buches, analysiert es doch heute noch existierende Infrastrukturen aus der Vergangenheit. Die Hinweise auf aktuelle agrarische Tätigkeiten in Berggebieten werden stärker zurückgedrängt, denn die touristische Nutzung und reines Rentabilitätsdenken verunmöglichen mehr und mehr den Anbau von Getreide - der Speicher wird weitgehend überflüssig.

Das Werk, das auch eine ganze Menge eher spekulativer Annahmen enthält, ist übrigens zuerst in französischer Sprache (Le grenier dans l' histoire culturelle) erschienen.

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