Schwachstelle Karabiner und Festigkeit von Anseilschlaufen

Karabiner stellen immer noch eine Schwachstelle in der Sicherungskette dar; dann nämlich, wenn sie quer belastet werden. Ein Unfall hat dies einmal mehr gezeigt.

Die Anseilschlaufe von Hüftgurten ist fest genug; man muss beim Anseilen die Verbindung der Beinschlaufen nicht mit einbeziehen. Das Einbeziehen hat nämlich einen wesentlichen Nachteil.

Bruch von Karabinern Beim World-Cup 95 Alle waren perplex. Keiner wollte es glauben. Der russische Athlet war gestürzt, und der Karabiner der Zwischensicherung ist gebrochen. Der Athlet lag am Boden. Glücklicherweise ohne ernste Verletzungen. Der nächste Haken hatte gerade noch einen Teil des Fangstosses aufnehmen'Dieser Beitrag des Leiters des DAV-Sicher-heitskreises wurde publiziert in Deutscher Alpen verein Mitteilungen/Jugend am Berg,. " " .48.Jg., Heft 4/96, August. Wir danken dem DAV und dem Autor Pit Schubert für die Abdruckbewilligung und das Bildmaterial.

Abb. 1 Beim World-Cup 95 gebrochener Karabiner ( vgl. Abb. 2 ). Belastungsversuche am gleichen Karabinermodell erbrachten Bruchkraftwerte von 6,3-7,. " " .5 kN ( ca. 630-750 kp ) in Querrichtung. Damit entsprach dieses Modell den Normwerten ( mindestens 6,0 kN, ca. 600 kp ). Bei einem Sturz sechs Meter oberhalb der letzten Zwischensicherung ( wie beim Unfall ) ergibt sich eine Belastung von etwa 9 kN ( ca. 900 kp ). Und das waren mindestens 1,5 kN ( ca. 150 kp ) zuviel.

Fazit Karabinerbrüche bei Querbelastung müssen leider noch als bedauerliche Tatsache angesehen werden; die Menschheit kann zwar mit Über-schallgeschwindigkeit um die Erde und bis zum Mond fliegen, wir können aber immer noch keine handlichen Karabiner herstellen, die jeder Belastung der Praxis gewachsen wären. Dabei liegt die Betonung auf « handlich ». Ausreichend feste Karabiner aus dem Industriebereich gibt es Abb. 2 Belastung an der Bischofsmütze ( rekonstruiert ) Abb. 3 Karabiner mit fixierter Expressschlinge oder mit Schlitz ( zur Fixierung der Expressschlinge ) beugen Querbelastungen vor.

natürlich, doch die wären so schwer und so unhandlich, dass man damit nicht mehr klettern könnte.

Was tun?

Zunächst einmal am besten nicht stürzen. Ein bedauerlicher Unfall in Frankreich hat neben anderen Unfällen ähnlicher Art inzwischen gezeigt, dass das Vertrauen in die Ausrüstung heute nicht immer gerechtfertigt ist. Ein junger Sportkletterer wollte seinen staunenden Kameraden zeigen, was beim heutigen Sportklettern alles möglich ist, und sprang an einem Überhang mehrfach ins Seil, jedesmal mit einer etwas grösseren Sturzhöhe. Es kam, was kaum ausbleiben konnte. Bei einem Sturz brach der Karabiner und der junge Sportkletterer zog sich eine Querschnittlähmung zu. Was war passiert? Der Karabiner ist mit offenem Schnapper belastet worden und war dem natürlich nicht gewachsen.

Mit der Fixierung der Expressschlinge im Karabiner ( mittels Elastiks oder Klebeband ) kann einer Querbelastung vorgebeugt werden. Auch Karabiner mit einem Schlitz zur Fixierung der Expressschlinge ( vgl. Abb.3 ) sind dienlich. Doch kann all dies - wie der Unfall beim World-Cup in Frankfurt gezeigt hat - eine Querbelastung nicht immer ganz verhindern ( Gefahr insbesondere bei kleinen Hakenösen, wo der Karabiner nicht genügend Bewegungsfreiheit hat ). Die Fixierung der Expressschlinge hat andererseits den Nachteil, dass sich der Karabiner nach dem Einhängen in den Haken nicht mehr drehen lässt ( günstigere Schnapperplazierung ). Es bleibt ein Restrisiko.

Um das Restrisiko zu minimieren empfiehlt sich, wenigstens den unteren Karabiner, in den das Seil eingehängt wird, mit der Expressschlinge zu fixieren; so kann wenigstens an diesem Karabiner eine Querbelastung ausgeschlossen werden. Noch besser, insbesondere bei längeren Run-outs oder an schwierigen Stellen, wo ein Sturz in den Bereich der Möglichkeiten rückt, zwei Expressschlingen parallel einhängen, falls die Hakenöse dazu gross genug ist. Am besten mit gegenüberliegenden Schnappern ( vgl. Abb. 4 ). Damit wird bei Querbelastung und gleichzeitig auch bei Schnapper-offen-Belastung eine Bruchkraft ( nach Norm ) von mindestens 12 kN ( ca. 1200 kp ) erreicht. Das entspricht einer Belastung durch einen 25 m hohen Sturz. Und der kommt nicht alle Tage vor.

Bei Wettkämpfen, wo die Expressschlingen bereits in die Haken eingehängt sind ( der Athlet also die Expressschlingen nicht mehr selbst einhängen muss ), empfiehlt sich die Verwendung sogenannter Schliessket-tenglieder ( Maillon rapide ) im Haken. Diese besitzen ausreichende Festig- Abb. 4 Für neuralgische Punkte: Zwei Expressschlingen bieten mehr Sicherheit bei Quer- und Schnapper-offen-Belastung.

keit in Querrichtung, und eine Belastung mit offenem Schnapper ist ausgeschlossen.

Anseilgurte/Anseilschlaufen Anseilen in der Anseilschlaufe Es wird immer wieder eine falsche Meinung hinsichtlich der Festigkeit von Anseilschlaufen vertreten. Diese wird zum Teil auch von den Herstellern selbst verbreitet. So wird in den allermeisten Katalogen empfohlen, sich so anzuseilen, dass das Seil die Verbindung der Beinschlaufen umschliesst ( vgl. Zeichnungen a und b ).

Aufgrund der Festigkeit der Anseilschlaufe ist dies nicht notwendig. Die Anseilschlaufen aller Anseilgurte sind ausreichend fest und sicher genug, um jeden nur erdenklichen Sturz in der Praxis halten zu können. Dies gilt auch für gebrauchte Gurte. Denn die Normen schreiben eine so hohe Festigkeit ( richtig: Bruchkraft, Reisskraft ) vor, dass ausreichende Sicherheitsreserve vorhanden ist, und zwar: zweimalige statische Belastung des Gurtes mit 16 kN ( ca. 1600 kp ), eingeleitet in die Anseilschlaufe, Zeichnungen a ( links ) und b ( unten ) Die Einbeziehung der Beinschlaufenverbindung in die Anseilschlinge ( des Seiles ) bedeutet schnelleren Verschleiss des Gurtes.

Abb. 5 Typischer Verschleiss an der Beinschlaufenverbindung Sicherheit, Medizin, Rettungswesen

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