Sehnsucht nach den Bergen

Berge inspirieren Schriftstellerinnen vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Freiheit und Grenzenlosigkeit, Herausforderung und Risiko, Wildnis und extremes Klima wurden und werden gesucht und im Nachhinein beschrieben. Die Herausgeberin und Autorin Florence Hervé hat Schriftstellerinnen, welche die Berge thematisieren, aufgespürt und im neuen Buch zusammengeführt.

So philosophiert Birgit Kempker, geboren im Jahr 1956: «Der Berg bewegt sich nicht und ruht in sich wie Buddha, er ist immer gleich und gleichzeitig rasend und wechselhaft für den Menschen, der den Berg niemals im selben Licht sieht, und das ist es, der Flipp für den Menschen, dies Licht. Das Licht erinnert den Menschen an seine Seele und der Berg an seine Substanz und die Kombination an seine in der Unsterblichkeit aufgehobene Sterblichkeit.»

«Schönheit ist etwas Ewiges. Wenn ich auf die Bergkette blicke und heiterer Gemütsverfassung bin, so dass ich die Berge auch wirklich sehe, kommt mir alles übrige, die Bestürzung und das Wehklagen, das verzweifelte Festhalten an Vergangenem und die verzehrende Sehnsucht in der Tat unwürdig vor...», schreibt wiederum Elizabeth von Arnim (1866–1941) in ihr Tagebuch.

Florence Hervé selber hält fest: «Berge galten eine lange Zeit als männliche Domäne: Herausforderung und Spielwiese für kühne Bergsteiger und Abenteurer, Inspirationsquelle für Künstler und Schriftsteller. Im 19. Jahrhundert stellten Bergbesteigungen für Frauen noch etwas Unerhörtes dar. Eine Klettertour war ein Akt der Emanzipation.»

Florence Hervé, promovierte Germanistin, Dozentin, bestieg unter anderem den Montblanc, den Kilimandscharo und den Ararat. Ihr Buch macht Lust auf Berglandschaften und die Berge selbst.

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