Sportklettern Berner Oberland

Im Westen die Gastlosen, im Osten der Steingletscher: Das ist die geografische West-Ost-Ausdehnung des neuen Buchs aus dem Filidor-Verlag. Dazwischen liegen 71 teils international bekannte Sportklettergebiete. Und die mussten auch erschlossen werden. Gut hat sich Hans Grossen daran gemacht, die Menschen und Geschichten hinter den Routen zusammenzutragen. So bekommen die Exponentinnen und Exponenten der Sportkletterszene ein Gesicht, denn wer wusste schon, dass Erhard Loretan seine ersten Klettereien als Elfjähriger machte und sich monatelang in der Fründenhütte aufhielt, bevor er sich an die 8000er wagte? Wer wusste, dass Hermann Steuri, Mäusi Lüthi und Hans Haidegger 1938 bei der Erstbegehung der Nordostwand der Engelhörner gerade mal sechs Haken schlugen? Spannend ist es, die Erschliessungsgeschichte einzelner Wände und Routen zu verfolgen, spannend ist auch, zu erfahren, wie die Szene die Schwierigkeiten immer weiter hinausschob und dabei über das cleane Klettern nachdachte und stritt. Ein Topoführer ist das Buch nicht, Topos fehlen nämlich gänzlich. Das schön gestaltete und hervorragend bebilderte Buch gibt aber einen Überblick über das wohl vielfältigste Klettergebiet der Schweiz und liefert viele bis dato unbekannte Hintergrundinformationen. Wer an langen Winterabenden Pläne für die nächste Klettersaison schmieden will, wird genauso bedient wie Nichtkletternde, die wissen wollen, welche Männer und Frauen hinter den einzelnen Routen stehen.

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