Tempo ist Trumpf

Grosses hat sich im Himalaya abgespielt: Ueli Steck1 hat – auch für ihn selbst fast unerwartet – die riesige Südwestwand des Shisha Pangma ( 8027 m ) solo erklettert. Eigentlich hatte er geplant, die Wand mit seinem Kletterpartner Don Bowie anzugehen. Bowie fühlte sich aber zu wenig gut akklimatisiert und gesundheitlich angeschlagen, sodass er auf einen Versuch verzichtete und sich angesichts des günstigen Wetterfensters mit Steck darauf einigte, dass dieser den Alleingang versuchen sollte. Steck durcheilte vom 16. auf den 17. April die über 2000 Meter hohe Wand in unglaublichen 10½ Stunden, nach 20 Stunden war er wieder zurück im vorgeschobenen Basislager (5800 m). Die Begehung war derart schnell, dass Steck nach eigenen Worten zunächst keine Ahnung hatte, wo er durchgeklettert war: «Ich weiss nur, dass ich auf der Britischen Route gestartet bin, den Rest habe ich nach Gefühl entschieden.» Vom Glück beflügelt stand er nur 18 Tage später mit Don Bowie auf dem Cho Oyu ( 8201 m ). Bei Redaktionsschluss befand er sich auf dem Weg zum Everest. Gelingt ihm auch diese Begehung, hat er von den 14 8000ern fünf bestiegen.

Speed ist die Devise, sagte sich wohl auch Daniel Arnold2: Drei Tage nach Stecks Gipfelerfolg klettert der 27-jährige Urner in 2 Sunden 28 Minuten durch die Eiger-Nordwand auf der Heckmaier-Route. Damit war er 19 Minuten schneller als Steck. Spitzfindige werden monieren, dass Stecks und Arnolds Leistung nicht vergleichbar sei: Letzterer hat im Hinterstoisser-Quergang und nach dem Quarzriss Fixseile benutzt. Zudem kletterte er im Frühjahr, Steck im Winter.

Übrigens: Zu zweit ist es etwas schwieriger, den Speedrekord in der Eiger-Nordwand zu knacken. Im Februar kletterten Roger Schaeli und Simon Gietl3 die Route in 4 Sunden 25 Minuten. Sie waren 28 Minuten schneller als Steck mit Bruno Schäppli im Jahr 2010. Das Rennen ist also noch alles andere als entschieden. «Normalalpinisten» werden sich wohl daran gewöhnen müssen, dass ihnen in der Eiger-Nordwand der Wind nicht nur von vorne entgegenbläst...

Etwas weniger schnell, dafür beinhart: In der lauen Sonne Spaniens hat sich Cédric Lachat4 nach einer « Einwärmrunde » (8b+ und 8 c onsight) in die berühmtberüchtigte Papichulo (9a+) verbissen. Angefeuert von Nina Caprez und dank wertvollen Tipps von Adam Ondra durchstieg er die Route schliesslich am 4. April. Der fast 45 Meter lange Ausdauerhammer war von Chris Sharma eröffnet worden und hat nur eine Handvoll Wiederholungen.

Nina Caprez5 übrigens war auch nicht untätig: Ihr gelangen in Oliana mit Fisheye und Full Equip gleich zwei 8c.

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