Trumler Gerhard: Bergkristall. Verlag Bibliothek der Provinz, Wien 1998. Fr. 135.

«Nur mit dem Herzen sieht man gut, das Wesentliche ist unsichtbar.» Es ist schön, dass der sinnreiche Satz von Antoine de Saint-Exupéry am Beginn der prachtvollen Bildersammlung Bergkristall von Gerhard Trumler steht. Wesentlich ist tatsächlich, was der Fotograf eingefangen und zusammengetragen hat. Der vorliegende Band schliesst sowohl in der Qualität der Aussagen als auch in handwerklicher Hinsicht nahtlos an Trumlers weitere Werke Granit, Katzensil-ber, Turmalin und Kalkstein an: Es sind grossformatige, wunderschön gestaltete und gedruckte Bücher mit eindrücklichen Fotografien des «Wesentlichen»: Szenen vom Bergbauerntum am Schiern, das im Verschwinden begriffen ist, Grabkreuze auf dem Friedhof in Gröden, ein lachendes Gesicht einer alten Frau in Campili, ein nachdenkliches Gesicht eines alten Mannes in Tux, ein Herrgottswinkel in Gröden, ein verwitterter Baumstamm an der Seceda usw. Wenige grosse Übersichten, viele Einzelheiten, Kleinigkeiten von grosser Aussage- und Ausstrahlungskraft. Auf das Maximum reduziert. Manchmal als einzelne Bilder wie Monolithe in einer weissen Seite stehend, manchmal als sinnige Kompositionen zu sechst auf der gleich grossen Seite. Landschaft, Natur, Heimat reden durch sie. Wir sollten ihnen zuhören. Es sind lebendig gewordene, versteinerte Träume vom Herkommen und Hingehen. Obwohl Trumlers Stoff im Hier und Jetzt gründet, zieht sich der Bogen seiner Inhalte von weit zurück bis weit voraus.

Auch Text gibt es in Trumlers neustem Werk: ein Essay von Kristian Sot-riffer und Texte von Hans Haid und anderen. Gerhard Trumlers Bildbände sind Meditationshilfen, die uns ein Innehalten aufnötigen. Mit einem Preis von deutlich über hundert Franken sind sie nicht gerade billig, aber vielleicht zahlt sich diese Investition eines Tages millionenfach aus. Prädikat: Besonders für nüchterne Manager geeignet. Menschen, die träumen können, werden ohnehin dahinschmelzen.

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