Über die Alpen. Eine Reise

Rowohlt, Berlin 2010, ISBN 978-3-87134-654-5. Fr. 3O.50

Nadja Klinger ist Berlinerin und tut im Sommer 2009 eine Reise. Sie durchquert die Alpen, vom Bodensee an den Comersee. Und sie berichtet. Nicht nur im « Tages-Anzeiger », wo ihr Schweiz-Bashing eine Flut von Reaktionen auslöst. Doch ihr Reisebericht liest sich gut, in bildreicher Sprache beschreibt sie die Landschaft, ihre Verbindungen zu Literatur und Kunst. Klinger erklärt. Die Neutralität, den Verkehr, bezeichnet den Tourismus als Prostitution, sagt, warum die Alpenlandschaft nicht zu retten ist und warum Europa das Wasser ausgehen wird. Klinger sammelt Beweise. Klagt über den Missbrauch der Alpen und gleichzeitig über mangelnden Komfort. Aber: Die Berge sind halt rau, und darum sind es auch die Menschen und ihre Behausungen. Also unwirsch, kratzig wie die Wolldecken, muffig wie die Hütten. Trotzdem: Klinger kann sich nicht wehren gegen diesen « gewalttätigen Flecken Erde ». Ihr gelingt es, die Grunderfahrung jedes Berggängers in Worte zu fassen: die Erfahrung, auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, in der Bergeinsamkeit, in einer « Welt, die sich beeindruckend feindselig inszeniert ».

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