Überlegter und zweckorientierter Karabinereinsatz

Der Karabiner ist vor allem dann eines der schwächsten Glieder der gesamten Sicherungskette, wenn er in einer ungünstigen Richtung belastet oder nicht gemäss seiner ursprünglichen Zweckbestimmung eingesetzt wird.

Der Autor des vorangehenden Beitrags, Pit Schubert vom DAV-Sicher-heitskreis, weist richtigerweise darauf hin, dass Karabiner nur in der Längsrichtung zu belasten sind und die Position des Karabiners stets zu kontrollieren ist. Die jeweils auf den Karabinern aufgedruckten Festigkeiten beziehen sich nämlich immer nur auf die optimalste Belastung in der Längsrichtung. In der Praxis werden Karabiner jedoch öfter ungünstiger belastet als dies meist realisiert wird, so z.B. durch Verwendung von Bändern über 30 mm Breite ( beim Bergsteigen allerdings kaum gebräuchlich ) oder wenn mehrere Karabiner in einen grossen HMS-Karabiner eingehängt werden.

Ebenso wichtig ist es, den Karabiner konsequent nur in der Form einzusetzen, für die er eigentlich konzipiert ist. Zu oft werden die für Alpinisten und Kletterer entwickelten Alu-Karabiner für alles mögliche verwendet. Der HMS-Karabiner z.B. ist als Ha Ibmastwurfsicherungs-Kara biner ideal. Deswegen auch seine Birnenform. Diese Form wurde ihm aber nicht gegeben, um ihn als eigentlichen Lastkarabiner einzusetzen, der eine grössere Anzahl anderer Karabiner aufnehmen soll. Es ist daher zwingend, in spezifischen, mit einer immer wiederkehrenden Belastung verbundenen Benützungsbereichen wie Rettung, Flugwesen oder anderen beruflichen Verwendungs-zwecken und im weiteren auch im Adventure-Bereich nach zweckmässigen Lösungen zu suchen, die genau auf die hier anfallenden Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das bedeutet, dass in solchen Fällen Karabiner aus andern Materialien ( wie z.B. Stahl ) oder andere Formen ( mit Auge, damit sich das Seil nicht verschieben kann ) gewählt werden müssen. Albert Wenk, UIAA-Sicherheits-kommission Abb. 8 Zum Sichern: Achter mittels Elastik-(Gummi-)Ring im Karabiner fixiert Und die Normen?

Die UIAA-Sicherheitskommission hat sich auf ihrer Tagung im Sommer 1997 in Prag mit dieser bisher nicht bekannten Karabinerschwachstelle befasst. Es wurde vorgeschlagen, eine entsprechende Prüfung einzuführen. Eine Prüfung allein ist aber noch nicht ausreichend, solange nicht entsprechend hohe Festigkeitswerte ( richtig: Bruchkraftwerte ) gefordert werden. Dazu müssen noch Untersuchungen durchgeführt werden. Die zu fordernden Werte dürfen nämlich auch nicht zu unförmige ( dicke ), zu schwere ( Stahl ) und/oder zu kosten-aufwendige ( gehärtete ) Verschlusshülsen zur Folge haben. Die sicherheitstechnischen Anforderungen müssen optimiert werden.

Der britische Karabinerhersteller DMM hat inzwischen als erster reagiert. Ab Januar 1998 fertigt er alle Karabiner mit Metallverschlusshülsen nur noch aus Aluminium mit doppelter Festigkeit. Diese Verschlusshülsen werden mit der Werkstoff-Nummer « 7075 » gekennzeichnet sein.

Pit Schubert, München ( D )

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