Vom intelligenten Umgang mit Energie. Energie und Umwelt

Montagne e ambiente Montagnes et environnement Energie und Umwelt

Vom intelligenten

Umgang mit Energie

Der Energiekonsum ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Kaum beach- tet werden dabei seine Auswirkungen auf Natur und Umwelt, die insbeson- dere auf sensible Lebensräume wie die Alpen beträchtlich sind. Dabei ist das Angebot an modernen und intel- ligenten Lösungen zum Energiespa- ren oder zum Einsetzen von erneuer- baren Energien bereits gut ausge- baut.

Der weltweite Energiebedarf ist gross, hängt doch der Wohlstand direkt von der Energieverfügbarkeit ab. In Industrie- staaten wie der Schweiz verlangsamt sich zwar das Verbrauchswachstum auf ho- hem Niveau. Schwellenländer wie China und Indien hingegen weisen infolge der wirtschaftlich positiven Entwicklung eine grosse Energienachfrage auf. So hat sich der Stromverbrauch in China beispiels- weise seit 1990 von 550 Mia. Kilowatt- stunden ( kWh ) auf über 2000 Mia. kWh fast vervierfacht. Schweiz keine Musterschülerin Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz betrug 2003 über 242 Mia. kWh. Mehr als die Hälfte entfallen auf Brenn- und Treibstoffe auf Erdölbasis, knapp ein Viertel auf Elektrizität und etwas mehr als ein Zehntel auf Gas. Wirt- schaftswachstum und Gesamtenergie- verbrauch verlaufen weiterhin parallel, wobei seit 1970 vor allem der Verkehr für den zunehmenden Energieverbrauch verantwortlich ist. Die Entwicklung des Elektrizitätsver- brauchs fügt sich in dieses Gesamtbild ein. Gemäss den Zielen des Programms EnergieSchweiz sollte der Stromver- brauch zwischen 2000 und 2010 um höchstens 5% zunehmen. Seit 2000 ist er jedoch bereits um 7,3% gestiegen – und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Des- halb sollen deutlich grössere Anstren- gungen zur rationellen Elektrizitätsver- wendung ergriffen werden. 1 Sorgenkind ( Freizeit-)Mobilität Die Sport- und Freizeitaktivitäten in den Bergen benötigen beachtliche Energie- ressourcen, u.a. auch im Bereich Mobili- tät. Die Zunahme des motorisierten ( Freizeit-)Verkehrs belastet die Umwelt. Über zwei Drittel der gefahrenen Perso- nenkilometer legt ein Schweizer mit dem Auto zurück, die Bahn trägt lediglich knapp 14% bei. Dabei beeinfl usst die Wahl des Verkehrsmittels den Energie- verbrauch und die Art des Energieträgers deutlich. Der SAC hat mit dem Internet- Portal alpen online www.alpenonline.ch einen hervorragenden Service entwickelt, mit dem der Berggänger seine Anreise mit öV planen kann. Wer trotzdem mit dem Auto anreist, kann durch die Wahl des Autos und den Fahrstil Einfl uss neh- men: Automatikgetriebe und Klima- anlage erhöhen den Treibstoffverbrauch gegenüber einem Standardmodell um 6 bzw.14%, während ein sparsames Modell, kombiniert mit einer Energie sparenden Fahrweise, den Verbrauch um bis zu 27% verringern kann. 2 Die Ener- gieetikette für Autos hilft, Fahrzeuge auch anhand von ökologischen Kriterien zu vergleichen. Möglichkeiten im Alltag Auch im Wohnbereich lässt sich mit in- telligenter Technologie Energie – und Geld – sparen. So verbrauchen Minergie- Häuser bis zu 50% weniger Energie als konventionell gebaute Häuser. Das Passiv- Haus, energietechnisch auf dem neusten Stand, benötigt sogar sechs Mal weniger Energie als ein vierzigjähriges Gebäude. Mit modernen Heizsystemen kann die persönliche Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen begrenzt werden. Das am meisten verbreitete System ist die Wärme- pumpe – eine Schweizer Erfolgsstory. Dabei wird vorhandene Umweltwärme aus der Luft, dem Erdreich oder Wasser in einem Verdichter auf eine höhere Temperatur und so in Heizwärme umge- wandelt. Mit nur 30% Elektrizität wird 1 Diese beinhalten insbesondere den besseren Einsatz der Energieetikette sowie weitere Zulas-sungsbestimmungen für Elektrogeräte, Effi zienz-Zielvereinbarungen mit Unternehmen im Rahmen der Energie-Agentur der Wirtschaft sowie die Verstärkung von Programmen für effi ziente Elektro-motoren. Ab 2006 soll die Energieetikette auch bei Gebäuden, Kaffeemaschinen und Staubsaugern angewendet werden. 2 Unter dem Namen Eco-Drive® werden diesbezüglich Kurse angeboten.

Car toon: L u cas Zbinden D I E A L P E N 9 / 2 0 0 5 100% Wärme erzeugt. Wird die Pumpe noch mit zertifi ziertem Ökostrom ange- trieben, ist die eingesetzte Energie voll- ständig erneuerbar.

Holz als Energieträger erlebt derzeit einen Aufschwung. Einerseits wächst im Schweizer Wald deutlich mehr Holz nach, als genutzt wird, andererseits sind Holzschnitzel- und Pellet-Heizungen technologisch ausgereift und bedie- nungsfreundlich. Pro eingesetzte kWh werden acht bis zwölf kWh Nutzenergie erzeugt. Nicht zu vernachlässigen sind die volkswirtschaftlichen Vorteile, kann doch von einer meist 100%igen inländi- schen Wertschöpfung ausgegangen wer- den im Gegensatz von nur 25 bis 40% bei Öl- oder Gasheizung.

Ergänzend zu konventionellen Heiz- systemen kann auch mit Solarthermie Heizöl, Erdgas oder Strom gespart wer- den. Ein Einfamilienhaus mit einem jähr- lichen Heizölverbrauch von 1500 Litern benötigt ca. 15 bis 20 m 2 Sonnenkollek- toren und rund 1500 Liter Warmwasser- Speichervolumen, um etwa 20 bis 25% des jährlichen Wärmebedarfs für Hei- zung und Warmwasser zu decken. Wer hingegen aus Sonnenenergie Strom produzieren möchte ( Fotovoltaik ), muss tiefer in die Tasche greifen. Wegen des bescheidenen Wirkungsgrads von maximal 12% ist der Energieertrag begrenzt. Fotovoltaikanlagen sind aber ge- rade für abgelegene SAC-Hütten ohne Stromnetzanschluss oft die beste Lösung. Grosse Einsparpotenziale ergeben sich beim Einsatz von elektrisch betrie- benen Geräten. Es lohnt sich, beim Kauf von Kühl- und Gefriertruhen, Wasch- maschinen, Wäschetrocknern, Geschirr- spülern, Backöfen oder Leuchtmitteln Produkte der Effi zienzklasse Azu berücksichtigen. Die meist etwas höhere Anfangsinvestition wird dank den Ein- sparungen beim Stromverbrauch über die Betriebsdauer wettgemacht. Ziem- lich unbemerkt, aber energetisch rele- vant sind Stand-by-Verluste: Alle Haus-haltsgeräte in der Schweiz beanspruchen zusammen etwa 0,75% des gesamten Stromverbrauchs, was 80 Mio. Franken entspricht, wobei allein die Heisswasser- verfügbarkeit aller Haushaltskaffeema- schinen mit 0,5% zu Buche schlägt. Mit einer Auto-off-Funktion kann eine er- hebliche Verbesserung erreicht werden. Noch wirksamer ist das Ausschalten nach jeder Nutzung. a S i m o n B i e r i, dipl. Natw. ETH J ü rg M e ye r, Umweltbeauftragter SAC Handlungsoption für das SAC-Mit- glied Der Einsatz von Geräten, die Energie verbrauchen, nimmt auch für Aktivitä- ten in der Bergwelt laufend zu. Heutzu- tage gehören Mobiltelefone zur Grund- ausstattung, Satellitennavigationssys- teme – GPS – oder Digitalkameras sind ebenfalls weit verbreitet. Der SAC-Ver- bandssponsor Rätia Energie bietet mit PurePower Graubünden allen SAC-Mit- gliedern Ökostrom an, der den persönli- chen Strombedarf zu 100% mit erneuer- baren Energieträgern deckt.

Noch mehr Informationen Unter den folgenden Internetadressennden Sie viele weitere Informationen.

Energiesparen: www.energieetikette.ch, www.topten.ch, www.energieeffi zienz.ch Energie sparendes Autofahren: www.eco-drive.ch Car-Sharing: www.mobility.ch Ökologisches Bauen und Renovieren: www.bau-schlau.ch Wärmepumpen: www.fws.ch Heizen mit Holz: www.vhe.ch Ökostrom: www.REpower.ch/ppgrau- buenden Endenergieverbrauch in der Schweiz. Seit 1970 ist vor allem der Verkehr für den stark zunehmenden Verbrauch verantwortlich.

Wasser – in der Schweiz ein wichtiger Energieträger, der auch für umweltfreundliche Stromproduktion eingesetzt wird. Foto: Archiv Jürg Meyer Grafi k: zvg

Aus dem Clubleben

Vita del club Vie du club D I E A L P E N 9 / 2 0 0 5 Georges Pellaton ( r. ) mit Kameraden beim Biwakieren in den Engelhörnern Der 100-jährige Georges Pellaton ist noch immer von den Bergen fasziniert, denn « Bergsteigen war für mich mehr als Sport, es ging tiefer. » Der Hundertjährige wohnt seit 1959 am Alpweg.

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