Wege der Schafe

Wenn der Eismann « Ötzi » bereits ein Schafhirte war, wie einige Urgeschichtler annehmen, dann hat die Tradition der Schaftriebe vom heute italienischen Südtirol ins österreichische Ötztal eine Tradition von über 5000 Jahren.

Tatsächlich werden heute noch jeden Juni mehrere Tausend Schafe aus dem Südtirol ins Ötztal getrieben. Hier verbringen sie den Sommer auf Weiden, die seit 1415 vertraglich den Bauern des italienischen Schnalstals (Val Senales) gehören. Hinter diesen Schaftrieben steht eine tief verwurzelte Tradition, die in diesem Buch des Volkskundlers Hans Haid sorgfältig recherchiert und beschrieben wird. Dazu kommen aussagekräftige Bilder, welche die Geschichte, besonders aber auch die nicht ungefährlichen Schaftriebe über die teils auf über 3000 Metern liegenden Jöcher und Ferner der Ötztaler Berge zeigen, wo Schneestürme immer wieder Opfer bei Mensch und Tier gefordert haben. Der Eismann «Ötzi» ist vielleicht eines dieser Opfer gewesen. Im Buch begegnen wir zudem Einheimischen von heute, Hirten, die drei Monate lang die Schafe betreuen. Sagen, Legenden und Brauch-tümer von Jahrhunderten leben auf.

Haids Buch eignet sich für alle, die die Volkskunde der Alpen interessiert. Als besonders wertvoll erweist es sich für jene, die einmal an einem dieser Schaftriebe teilnehmen oder in den Ötztaler Bergen wandern. Der Leser findet viele Hinweise auf Vergangenes, auf Orte der Legenden und Geschichte, an denen man sonst leicht vorbeigeht. Mit dem Buch wird auch eine CD geliefert, die alte Erzählungen und Interviews mit alten Schnalstaler Schafhirten enthält.

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