Wenn es im Tessin regnet …

Das anhaltend feuchtnasse Wetter im Süden hat den Herbstanfang in den Bouldergebieten des Tessins hinausgezögert. Die Topboulderer haben sich darum anderswo in der Schweiz umgesehen.

Boulder

Wohin, wenn es im Süden nur schüttet? Mal was anderes probierte Nico Secomandi. Er besuchte das Glarner Murgtal und punktete dort Bourguignon (8B). Im bernischen Lindental holte sich am 12. Oktober Kevin Heiniger die Wiederholung der legendären 8C-Traverse E la nave va. Und im Magic Wood gelang Mitte November Giani Clement1 die zweite Wiederholung von La grosse Tarlouze (8C). Es sei wohl sein grösster Kampf mit einem Boulder gewesen. 40 Züge und Temperaturen um den Gefrierpunkt hätten ihm alles abverlangt. Doch ist der Boulder nur die logische Fortsetzung seiner Erfolgswelle. Am 13. Oktober hatte er die Begehung zweier anderer harter Linien im Averstal verkündet: Ill Trill und New Base Line. Die beiden mit 8B+ bewerteten Probleme toppte er im Abstand von lediglich vier Tagen.

Zusammen mit Bernd Zangerl verbrachte Giuliano Cameroni2 im November mehrere Tage im Valle dell’Orco. Dort eröffnete Cameroni unter anderem den Boulder Gran Paradiso (8B+/C). Zangerl hatte ihm die noch unbegangene Linie gezeigt.

Routen

Cédric Lachat verbrachte den Herbst im spanischen Siurana. Dort kletterte er Mitte Oktober La Rambla (9a+), die wohl am häufigsten begangene 9a+ der Welt. Für Lachat ist es die fünfte Route in diesem Schwierigkeitsgrad. Die Route hatte ihm einiges abverlangt, mehrere Spanienaufenthalte waren nötig gewesen. Aber erst als ihn Dani Andrada auf eine neue Lösung aufmerksam gemacht hatte, klappte es mit dem Durchstieg. Lachat reiht sich damit in die Liste der mittlerweile 27 Kletternden ein, die der Route eine Rotpunktbegehung abringen konnten.

Nicht weit davon, im spanischen Margalef, punktete der Berner Jonas Schild3 am 28. Oktober in der 9a-Route Victimes del Futur. Für ihn war es die erste Route in diesem Schwierigkeitsgrad. Nachdem Jonas Schild bereits im Frühling 2019 nah am Durchstieg der Route war, hatte er sich entschieden, diesen Herbst nochmals zurückzukehren – mit Erfolg.

Alexander Rohr4 klettert gleich zwei 9a-Routen in einem Jahr. Am 14. Oktober 2019 hat er im bernischen Gimmelwald die 9a-Route Jungfraumarathon im Eiltempo durchstiegen. Jetzt will er als erster Schweizer eine 9b durchsteigen. Der 23-jährige Rohr gehört aktuell zu den besten Schweizer Kletterern. An einem windigen 20. Oktober konnte Obed Hardmeier sein Projekt Alpenbitter (9a) abhaken.

Wettkämpfe

An der Europameisterschaft in Edinburgh (GBR) Anfang Oktober hat Sascha Lehmann5 hinter Adam Ondra (CZE) und Alberto Gines Lopez (ESP) die Bronzemedaille im Leadklettern gewonnen.

Weniger Erfolg hatte er am vorletzten Qualifikations-Event für die Olympischen Spiele 2020. Er schaffte es in der Vorrunde auf den 15. Rang. Eine letzte Chance bietet sich an der EM Ende März.

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