Wenn Massen mal müssen Tipps zum Verrichten der Notdurft im Freien

In stark frequentierten Kletter- und Berggebieten werden die Fäkalien der Touristenströme zum Problem. Toiletten und richtiges Verhalten können es entschärfen. Ein paar Verhaltensregeln.

Der Montblanc ( 4807 m ) gehört zu den Trophäen, die viele Berggänger in ihrer Gipfelsammlung haben wollen. Der Königsweg auf den Berg beginnt in der französischen Gemeinde Saint-Gervais. Per Seil- und Zahnradbahn gelangen die Bergsteiger zum Aussichtspunkt Le Nid d' Aigle. Von dort geht es – in der Regel mit einer Übernachtung in der Goûter-Hütte – auf den Gipfel. Tausende machen diesen Weg jedes Jahr.

« Leider hinterlassen diese Leute nicht nur ihre Fussspuren », klagt Jean-Marc Peillex, der Gemeindepräsident von Saint-Gervais. Unmissverständlich klar wurde ihm das im heissen Sommer 2003. Im Helikopter überflog er die Goûter-Hütte, neben der jene Bergsteiger ihre Zelte aufstellen, die sich eine Übernachtung in der Hütte nicht leisten können. Die Landung neben einem uringelb verfärbten Gletscher, mitten in einem – pardon – Haufen Scheisse, war für Peillex ein Albtraum. Er überzeugte seinen Gemeinderat davon, dass etwas getan werden musste. 2004 liess dieser bei der Tête-Rousse-Hütte die ersten provisorischen Toiletten einrichten, 2009 wurden sie durch neue Trockentoiletten ersetzt. 2007 baute man auch neben der Biwakschachtel Vallot Trocken-WCs, die wohl höchstgelegenen stillen Örtchen Europas auf 4362 Metern über Meer. Laut Schätzungen werden sie von mehr als 5000 Personen pro Jahr benutzt. « Entsprechend weniger Exkremente gibt es auf dem Eis neben der Hütte und dem kleinen Observatorium », freut sich Peillex. Und ärgert sich, dass seine Idee nicht andernorts Schule macht. « Einige halten die Verschmutzung angesichts der Weite der Berge offenbar für vernachlässigbar oder betrachten die Schneedecke als hinreichende Lösung des Problems.

Zu Unrecht, wie Umweltingenieur und Abwasserspezialist Christian Abegglen erklärt. Weil in Schnee und Kälte die Zersetzungsprozesse sehr langsam verlaufen, schafft ein Loch im Schnee die Fäkalien zwar aus den Augen, aber nicht aus der Welt. Sie gefrieren und kommen wieder zum Vorschein, wenn es das nächste Mal taut. « Ein Robidog-Säckli für Menschen wäre das Beste », sagt Abegglen schmunzelnd. Nach dem Aufklauben könnte der Berggänger das fein säuberlich zugeschnürte Paket zum Beispiel an den Wanderstock binden. Eine gewöhnungsbedürftige Vorstellung, wie Abegglen einräumt: « Das kann man nicht wirklich verlangen. » Womit nur die Empfehlung übrig bleibt, sein Geschäft möglichst vor oder nach der Tour auf der Hüttentoilette zu verrichten.

Wenden wir uns tiefer gelegenen Gebieten zu. Bei stark frequentierten Kletter- und Wandergebieten kann die Hinterlassenschaft der Sportlerinnen und Sportler auch zum Problem werden. Thomas Saluz, Betreiber des Bouldergebiets Magic Wood in Ausserferrera, kann ein Lied davon singen. « Es war überall weiss », erinnert er sich an den besonders schlimmen Sommer 2009. An den drei beliebtesten Plätzen war der Waldboden mit Toilettenpapier übersät, was der Magie des Ortes nicht eben zuträglich war. Die Kletterinnen und Kletterer erleichterten sich vor allem rund um den Übernachtungsplatz. « Im Bouldergebiet selber findet man Gott sei Dank nur vereinzelt etwas, aber dann bestimmt mitten auf dem Fussweg », sagt Saluz. Weshalb einige die Toiletten unter freiem Himmel jenen beim Campingplatz vorziehen, kann er nur vermuten: « Vielleicht mögen sie den Chemiegeruch in den Toiletten nicht. » Interessanterweise war es im letzten Sommer dann viel besser. Möglicherweise hat die Publikation klarer Regeln im Internet für den Magic Wood Wirkung gezeigt. Eine davon richtete sich an jene, die ihre Abneigung gegen Plastiktoiletten nicht überwinden können: « Wenn ihr irgendwo im Wald eurem Geschäft nachgeht: Grabt ein Loch, hinterlegt darin eure Exkremente und Toilettenpapier und schaufelt es wieder zu !

Eine Empfehlung, die generell gilt, wenn jemand unter freiem Himmel die Hosen herunterlassen muss. « In der obersten Bodenschicht sind viele Bakterien und Kleinstlebewesen, die die Exkremente rasch abbauen », erklärt Umweltingenieur Abegglen. Damit ist auch gesagt, dass man kein allzu tiefes Loch graben sollte. 15 bis 20 Zentimeter reichen. Am besten geht es, wenn man eine kleine Schaufel dabei hat. Im weichen Waldboden tut es aber auch ein Stöckchen oder die Hände. Das Stöckchen könnten fäkaltechnische Musterknaben nach erledigtem Geschäft noch dazu benutzen, etwas im Loch zu rühren, um die menschlichen Überreste mit loser Erde zu vermischen. « Der Zweck ist, die Geschwindigkeit der Zersetzung zu erhöhen, indem man die Bakterien des Bodens direkt mit der Scheisse in Kontakt bringt », schreibt Kathleen Meyer in ihrem Outdoorbestseller How to shit in the Woods. Meyer lässt sich in ihrem Buch auch über den richtigen Ort des Lochs aus: Es sollte aus Gründen des Gewässerschutzes in einiger Entfernung von Bächen, Flüssen und Seen liegen. Wenn es nicht möglich ist, ein Loch zu graben, empfiehlt Christian Abegglen, das Häufchen mit Steinen zuzudecken. Dies aus ästhetischen Gründen, aber auch um zu verhindern, dass der ganze Dreck beim nächsten Regen weggeschwemmt wird. Der Nachteil dieser Methode: « Das Zudecken verlangsamt die Abbauprozesse.

Zum Toilettenpapier gibt es unter den Fäkalexpertinnen und -experten einen Richtungsstreit. Während die einen das Vergraben empfehlen, raten die anderen davon ab. Hintergrund ist die Tatsache, dass Papier sich nur langsam zersetzt. Wenn nicht vergraben, was dann? Keine Alternative ist das Verbrennen, wie Kathleen Meyer schreibt: « Wie vorsichtig du auch immer zu sein glaubst, ein versehentlicher Waldbrand ist einer zu viel. » Sie empfiehlt, a ) sehr wenig Papier zu benutzen und b ) es in eine kleine Tüte zu stecken und mitzunehmen. Schliesslich weist sie noch auf die Möglichkeit der klopapierlosen Säuberung hin: Mit grossen Blättern seien schöne Resultate möglich, behauptet sie, wobei minimale botanische Kenntnisse von Vorteil seien.

 

 

Was tun, wenn man mal muss?

Das stille Örtchen aufsuchen, wo immer es geht, auch wenn der Drang noch nicht sehr gross ist. Bei körperlicher Belastung reduziert sich der Drang, aufs WC zu gehen, weil der Körper die Durchblutung des Magen-Darm-Trakts um bis zu 80% reduziert.

– Im Wald: ein ca. 15 bis 20 Zentimeter tiefes Loch graben, Exkremente hineingeben, zuschaufeln. Mindestens 15 Meter Abstand zu Gewässern halten

– Im freien Gelände: Exkremente mit Steinen bedecken, wenn möglich benutztes Klopapier wieder mitnehmen ( z.B. in kleinem Plastikbeutel)

– Im Schnee: wenn möglich ein Loch bis auf den Boden graben, Exkremente hineingeben, Klopapier wieder mitnehmen

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Kathleen Meyer: How to shit in the Woods ( Wie man in den Wald sch… ). Conrad Stein Verlag, 2007. 6. Auflage. ISBN 978-3-86686-103-9

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