Wer war der Erfinder des Prusikknotens?

Prusik und die Technik Gérards Als Erfinder der Klemmknotentechnik gilt unter Bergsteigern Prusik, der in seiner berühmten Publikation von 1931 den von ihm entwickelten Knoten und die wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten desselben beschrieben hat.1 Der Autor hat aber schon an anderer Stelle berichtet, dass sich bereits in einem der ersten Berg-steigerlehrbücher, Mountaineering von Dent, die Verwendung eines Klemmknotens nachweisen lässt.2 Dieser Klemmknoten diente zur Verankerung von Zelten an Pickeln. Payne sprach 1906 bereits von der Möglichkeit, Seile mit Klemmknoten an Seilen zu befestigen.3 Nachstehend wird gezeigt, dass auch der letzte Entwicklungsschritt - die Verwendung des Klemmknotens für den Aufstieg am Seil - vor Prusik vollzogen und veröffentlicht war und Prusik, so wie es aussieht, davon gewusst hat.

Divergierende Zeitangaben Nach Prusiks eigenen Angaben basierte seine Arbeit auf einem im Sommer 1931 erhaltenen Hinweis auf ein Klemmgerät, das einen Aufstieg am Seil mit Trittschlingen ermöglichen sollte. Seine Idee wäre gewesen, diese Vorrichtung zu vereinfachen.1 Von Kitterle, einem Seilpartner Pru- siks, der an den Tests beteiligt war, wurde diese Darstellung aber ohne nähere Erklärung dahingehend korrigiert, dass Prusik schon Ende der zwanziger Jahre mit seiner Arbeit begonnen hätte. Nur bei der Jahreszahl -er tippte auf 1928-war er sich nicht mehr ganz sicher.4 Ein Klemmgerät aus Perchtoldsdorf Prusik, Jahrgang 1896, Vertreter der Wiener Schule des Alpinismus, Mitglied des Österreichischen Alpenklubs, galt als einer der besten Bergsteiger seiner Zeit. Er war ein gefragter Vortragsredner und Autor. Viele seiner Publikationen befassten sich mit der Technik des Bergsteigens, die ihm ein besonderes Anliegen war. Dass er die Werke anderer Autoren auf diesem Gebiet gekannt haben wird, ist anzunehmen. In Finks Touri-sten-Vademekum5 fand sich aber die Darstellung eines « Kletterapparates » vom Typ des späteren Gibbs Ascen-ders samt ausführlicher Beschreibung ( vgl. Abb. 1 ). Erschienen war das Buch in Wien, und der Erfinder und Hersteller des Klemmgerätes, Michael Gayer, war Schlossermeister in Perchtoldsdorf, dem Wohnort Prusiks. Den Vertrieb hatte ein Wiener Alpenklub-mitglied übernommen. Es gab auch noch andere Geräte dieser Art. Dass Prusik bis zu jenem Sommer 1931 weder bei seinem Literaturstudium noch in seinem Wohnort, noch in seinem Klub, wo jeder jeden kannte, von diesen Entwicklungen erfahren haben sollte, ist wohl nicht sehr wahrscheinlich.

Die Technik Gérards Die französische Zeitschrift La Montagne berichtete im Oktober 1928 in einem kurzen Artikel von einer einfachen Möglichkeit, mit Hilfe wahlweise verschieb- oder fixierbarer Trittschlingen an Seilen aufzusteigen.6 Die Schiingenbefestigung am Seil, die eine solche Technik möglich machte, war zeichnerisch dargestellt ( vgl. Abb 2 ). Verfasser war E. Gérard. Ein Hinweis auf die Verwendbarkeit des Verfahrens zur Selbstrettung aus Gletscherspalten und eine Bauanleitung für Steigbügel ( vgl. Abb. 3 ) wurden im Novemberheft nachgetragen.7 Eine im Text gekürzte Fassung ist im Alpine Journal erschienen.8 Beide Zeitschriften wurden vom Österreichischen Alpenklub bezogen. In dessen Abb. 1 Gayers Seilklemme Abb. 2 Der Knoten Gérards eigener Zeitschrift, der Österreichischen Alpenzeitung, wurde auf die neue Aufstiegstechnik hingewiesen.9 Dass der Vizepräsident des Klubs, Prusik, nichts davon erfahren haben sollte, wird ihm nicht leicht jemand glauben.

Die Ähnlichkeit der Knoten Der Knoten Gérards und der Prusikknoten basieren auf der gleichen Seilumschlingung ( vgl. Abb 4 ). Wird der schmälere Schlingenabschnitt durch den breiteren gesteckt, entsteht der Prusikknoten, wird umgekehrt verfahren, der Gérardknoten. Der Prusikknoten ist damit unter den mehr als siebzig alpinen Klemmknoten, die mittlerweile bekannt sind.

:'Prusik, Karl: « Ein neuer Knoten und seine Anwendung », in: Österreichische Alpenzeitung, Dezember 1931, S. 343-352 2 Dent, CT.: Mountaineering. London 1892, S.63 u. 108'West, Lionel F.: Climber's Pocket Book. Manchester ( 1906 ), S. 70 * Kitterle, Wolf: Persönliche Mitteilung. Wien 1987 5 Fink, E.: Touristen-Vademekum. Wien 1904 6 Gérard, E.: « C' est un jeu d' enfant que de grimper a une corde lisse de 10 mm de diamètre », in: La Montagne, Oktober 1928, S. 322-323 7 G., E.: « Emploi de l' étrier de corde pour s' élever hors d' une crevasse », in: La Montagne, November 1928, S. 366 " Blanchet, E. R.: « The Spare Rope in Theory and Practice », in: Alpine Journal, Mai 1929, S. 63-75 »F., W.: « Alpine Journal. Nr.238, Mai 1929 », in: Österreichische Alpenzeitung, Dezember 1929, S. 230-232 ' " Bachmann, Franz: Der « Karabinerknoten !», in: Die Alpen, Juni 1951, S. 109-111 11 Prusik, Karl: « Die Anwendung meines Knotens bei dünnen Seilen », in: Österreichische Alpenzeitung, Jänner 1952, S. 11-12 Abb. 4 Gérardknoten ( oben ) und Prusikknoten ( unten ) Abb. 3 Der fertige Steigbügel ( verkürzt dargestellt ) Abb. 5 Herstellung des Prusikknotens nach Prusik ( Schlingenenden nicht sichtbar ) derjenige, der dem Gérardknoten am ähnlichsten ist. Ein seltsamer Zufall, wenn es ein Zufall ist.

Was noch an einen Zusammenhang denken lässt, ist die Tatsache, dass Prusik die Schlinge nach Art des Gérardknotens um das Seil gewickelt hat, obwohl die Herstellung seines Knotens als doppelter Ankerstich praktischer und mit seinen entwicklungsgeschichtlichen Angaben wesentlich besser in Einklang gestanden wäre ( vgl. Abb. 2 und 5 ).

Ob Gérard beide Knoten gekannt hat, geht aus seinem knappen Bericht nicht hervor. Da die logische Fortsetzung nach der zweimaligen Seilum-wicklung das Durchstecken des schmäleren Schlingenabschnitts durch den breiteren ist, kann aber Gérards Wissen um beide Möglichkeiten kaum bezweifelt werden.

Harald Engländers Entdeckung Nach der Erfindung des ersten Karabinerknotens10, der an dünneren und glatteren Seilen Halt finden konnte als der Prusikknoten, überlegte Prusik, wie er dieses Ziel auch mit seinem Knoten erreichen könnte. Er traf sich mit zwei Helfern in einem Klettergarten, und dort fand einer der beiden, Harald Engländer, die nach Prusik « verblüffend einfache » Lösung: Er wickelte die Prusikschlinge ein drittes Mal ums Seil. Prusik war begeistert. Er selbst war nicht auf diesen Gedanken gekommen.11 Wenn er seinen Klemmknoten tatsächlich aus dem Ankerstich heraus entwickelt hatte, wie er 1931 angab, hätte ihm die Wiederholung dieses Gedanken-ganges, der Schritt von vier auf sechs Windungen, nicht die geringsten Schwierigkeiten bereiten dürfen.

Resümee Prusik war nicht der erste, der an einem Bergseil geprusikt hat. Dass er dabei auf den Ideen Gérards aufgebaut hat, ist der logische Schluss, der sich aus den Indizien ziehen lässt. Die Arbeit Prusiks war umfassender, ausgereifter, überzeugender, und schaffte den Durchbruch. Gérard, der verdächtigt wurde, eine neue Form der Todesstrafe erfunden zu haben8, geriet in Vergessenheit.

Heinz Prohaska, Wien ( A

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6. Routen a ) Zustieg: Der Zugang kann mit der Benützung der Luftseilbahn Beckenried - Klewenalp abgekürzt werden. Von der Bergstation geht man an der Kapelle vorbei zum Rest. Kle-wenstock und weiter dem Fahrsträsschen entlang am Sendeturm vorbei zur Bergstation des Skiliftes Ärgglen ( 15 Min. ). Wer die Bahn nicht benützen will, kann bis zur Alp Steinstössi fahren und von dort zu Fuss über Tan-nibüel - Stockhütte zu P. 1705 wandern ( von Steinstössi VAStd. ). Die Routen sind mit Farbe bezeichnet.

b ) Routenverlauf: gemäss Topo; an den verschiedenen Kalkfelsen sind 18 Routen ( 3.6. Schwierigkeitsgrad, 15-20 m hoch ) eingerichtet; 10 Routen sind zum Top-Rope-Klettern eingerichtet. Vgl. SAC-Clubführer Zentralschweizerische Voralpen von Willy Auf der Maur, Ausgabe 1996, S.320ff.

Josef Odermatt, Oberdorfc « a.

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Klettergarten Ärgglen, Klewenalp ( 1705 m )

Erweiterung und Sanierung 1. Gebiet: Zentralschweizer Voralpen, LK 1:25000, Blatt 1171 Beckenried, Koord. 679.600/198.950, SAC-Clubfüh-rer Zentralschweizer Voralpen 2. Übersicht und besondere Route: Seit Jahren wird an diesem stillen, einzigartigen Ort geklettert; kürzlich wurden die Routen saniert und neu eingerichtet. Das Gestein ( Kalk ) ist griffig und fest, und der Klettergarten bietet zahlreiche kurze Übungsklettereien in den unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden. Das Gelände ist kinderfreundlich, und die Routen sind leicht zu finden.

4. Bewertung und Kletterzeit: 15-20 m hohe Übungsklettereien im 3. bis 6. Schwierigkeitsgrad 5. Material: Die Routen sind vollständig ausgerüstet. 6 Expressschlingen und 45-m-Seil notwendig; Abseilstelle zum Üben: 45-m-Seil

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