Wie der SAC Ski fahren lernte Die Anfänge des Skisports in der Schweiz

Der Skisport kam Ende des 19. Jahrhunderts in die Schweiz und erlebte eine rasante Entwicklung – auch dank dem SAC. Der Verein tat sich aber nicht nur als Förderer hervor, sondern er profitierte auch von der neuen Sportart, die ihn zum Massenverein werden liess.

Nansens Begeisterung übertrug sich auf einige SAC-Mitglieder. Einer davon war Christoph Iselin von der Sektion Tödi. Angespornt durch Nansens Berichte, konstruierte er sich selbst ein Paar Ski. Nach erfolglosen Selbstversuchen bat er 1892 den Norweger Olaf Kjelsberg ( Mitglied der Sektion Winterthur ) ins Glarnerland. Dieser brachte einen weiteren Landsmann mit. Die beiden begeisterten mit ihren «Kunststücken» auf Ski die Zuschauer. Diese erkannten, dass nebst der Faszination für Skikunststücke und dem Rausch des Dahingleitens die neuen Sportgeräte die Möglichkeit boten, zuvor nicht begehbare Gebiete zu erschliessen und auf Touren viel Zeit einzusparen. Um Letzteres unter Beweis zu stellen, führten 1893 Christoph Iselin und sein Sektionskollege Alexander von Steiger sowie zwei Mitglieder der Sektion Winterthur, Olaf Kjelsberg und Eduard Naef, ein Rennen über den Pragelpass durch. Beim Aufstieg kam Naef recht gut mit. Er war mit Schneereifen, den Vorläufern der heutigen Schneeschuhe, unterwegs. Anders beim Abstieg: « Wolken von aufwirbelndem Schnee zeichneten ihren Weg, und bald verschwanden sie weit unten im Wald. In raschen, langen Schritten strebte ich ihnen nach [...] Für die Strecke, die meine Kameraden in Minuten, ja Sekunden, durchmessen hatten, benötigte ich unendlich viel mehr Zeit. » Dieses Rennen demonstrierte, dass man mit Ski den Schneereifen überlegen war. Immer mehr Sportler verwendeten die neuen Bretter, und immer häufiger wurden grössere Touren mit Ski durchgeführt. Das grösste Echo löste 1897 die Durchquerung des Berner Oberlands aus, an der neben vier Deutschen Victor de Beauclair von der SAC-Sektion Genf teilnahm. Die Tour führte vom Haslital über die Grimsel, das Oberaarjoch, die Grünhornlücke, auf die Jungfrau und via Belalp nach Brig. Es sollte jedoch noch einige Jahre dauern, bis sie die Mehrheit überzeugen konnten und sich das Skifahren durchsetzte.

Denn auch in den einzelnen SAC-Sek-tionen reagierte man unterschiedlich auf die neue Errungenschaft. Verschiedene Beispiele legen den Schluss nahe, dass Bergsektionen der Verwendung von Ski offener gegenüberstanden als städtische Sektionen. So gründeten die Skipioniere aus der Sektion Glarus bereits1893 den ersten Skiclub, der sich ausschliesslich aus Mitgliedern des SAC zusammensetzte. Die Sektion Rätia in Chur erkannte ebenfalls das Potenzial dieses neuen Gerätes für ihre Zwecke und förderte den Skisport. Ganz anders in Zürich: Die Sektion Uto stand der Verwendung von Ski sehr skeptisch gegenüber und benutzte für winterliche Touren weiterhin Schneereifen. Man sah den Ski als sportliches Gerät, das sich mit der Philosophie des Clubs, welche die Abgrenzung vom Sport und dessen Wetteifer betonte, nicht vereinbaren liess. So wurde die Verbreitung des Skilaufens in Zürich nicht durch den SAC, sondern durch den im Jahre 1901 von Studenten gegründeten Skiclub Zürich initiiert. Erst 15 Jahre später konnte der Vorstand der Sektion Uto seine anfänglichen Vorbehalte gegenüber dem Ski überwinden und ernannte eine Skikommission, welche die Förderung des Skiwesens zur Aufgabe hatte. In der Folge gab es Skistützpunkte, Skiturnkurse ( Frühling bis Herbst ), Skikurse und natürlich Skitouren.

Das neue Angebot führte auch zu einem Mitgliederzuwachs. Schon wenige Jahre nach der Gründung der Skikommission 1916 war man sich beim Uto durchaus bewusst, wie positiv sich die neue Sportart ausgewirkt hatte. So schrieb Paul Gysin 1938 in der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Sektion: « Von nicht zu unterschätzender Bedeutung war die Einführung des Skis als Hilfsmittel zur Ausführung von Wintertouren. [...] [Der Ski] zeigte [dem Alpinisten] die Schönheit der winterlichen alpinen Landschaft und lehrte ihn den Rausch des sausenden Dahingleitens im Pulverschnee kennen. Eine nie geahnte Begeisterung für den winterlichen Alpinismus erwuchs hieraus. Die Wirkung der immer mehr zunehmenden Popularität des Alpinismus auf die Sektion Uto zeigte sich zunächst im Anwachsen der Mitgliederzahl, dann aber auch in einer zu-sehenden Vergrösserung der Sektionstätigkeit und einer Erweiterung des Wirkungskreises [...]. » Nebst dem SAC wussten aber auch andere den Skisport zu ihren Gunsten zu nutzen. Um die Jahrhundertwende förderten verschiedene Bergregionen der Schweiz, unterstützt durch Skiclubs, gezielt die Verbreitung von Ski. Dazu gehörte die Organisation von Skirennen ebenso wie das Unterrichten von Touristen. Der Bau der ersten Skilifte und präparierten Pisten liess nicht lange auf sich warten, lockte die Massen in die Berge und brachte vielen Bergdörfern neuen Wohlstand. Die vielen Leute auf der Piste bewirkten aber in jüngerer Zeit, dass sich ehemals glühende Pistenfahrer vermehrt die Abfahrt wieder aus eigener Kraft verdienen und auch im Winter die unverbaute Natur geniessen wollen. Das wiederum führte beim SAC dazu, dass er sein Programm mit Schneeschuhtouren und Snowboardtouren erweiterte. Der Skisport bringt dem Verein also wiederum Neumitglieder, nachdem er bereits mithalf, ihn zum Massenverein werden zu lassen.

 

Senger, Max: Wie die Schweiz zum Skiland wurde. Zürich 1941.

Senger, Max: Wie die Schweizer Alpen erobert wurden. Zürich 1945.

Gysin, Paul: 75 Jahre Sektion Uto. Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Sektion Uto des Schweizer Alpenclub, Zürich 1938.

 

« Im Sprung »: Abbildung aus Nansens Buch « Auf Schneeschuhen durch Grönland », das auch in der Schweiz viel Beachtung fand.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts erfasste eine Begeisterung fürs Skifahren die Schweiz. Aufstieg über den Grenzgletscher im Monte-Rosa-Gebiet. Foto: Kinette Hurni, 1955

Skitouren werden immer beliebter. Schneesportler auf der Haute Route Arolla–Argentière rasten auf dem Glacier du Mont Durand am Fusse der Ruinette. Ski extrem: abseilen für den Film « Der VI. Grad auf Ski » von Jürgen Gorter. Foto: Hans Schmid, 1959 Aus « Alpinismus in Bildern», Verlag Anton SchrollCo, Wien 1967

Skifahrer am Fusse der Tours d' Ai im Jahre 1901 ( oben ). Darunter Skischulszenen aus dem Jahr 1903. Foto: L. Weber-Bauler/Fred Boissonnas, 1935 Aus Max Senger, « Wie die Schweiz zum Skiland wurde », Zürich 1941

Die fünf Männer, die 1897 als Erste die Berner Alpen durchquerten: Paulcke, de Beauclair, Moenichs, Ehlert und Lohmüller.

Rast auf dem Aletschgletscher während einer Skitour im Jahr 1901. Foto: W. Paulcke, 1931

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