Zu: «Sinnvolle Pausen während längerer Touren»

Antwort auf die zwei Fragen in Heft 5/96, S. 27 Bei längeren Touren besteht das Ziel nicht nur darin, diese überhaupt zu bestehen, sondern auch, ein solches Unternehmen in einem möglichst guten physischen und psychischen Zustand zu beenden. Regelmässige ( in der Regel alle 1-2 Std. ) und gezielt eingesetzte Pausen helfen mit, eine längere Tour zu einem Erfolg werden zu lassen.

Merkpunkte bei der Pausengestaltung In erster Linie bestimmen die Örtlichkeiten sowie die Art des Touren-verlaufs die Pausengestaltung. So empfehlen sich z.B. Pausen vor sowie nach anstrengenden Passagen. Da der belastungsbedingte Anstieg der Körpertemperatur in zunehmendem Masse zu einer Beeinträchtigung der Dauerleistungsfähigkeit führt, erweisen sich aus dieser Sicht Pausen von nicht allzu kurzer Dauer als sinnvoll.

Nach dem Motto « Abkühlung geboten, Frieren verboten » kann als Faustregel gelten, dass je höher die Umgebungstemperatur ist ( Windeinflüsse beachten ), desto länger die Belastungsunterbrüche ausfallen sollten. Ausserdem erscheint in diesem Zusammenhang wesentlich, dass sich bei zunehmend wärmerer Umgebung ein ausreichender Ersatz von ( kühlen ) Flüssigkeiten und Kohlehydraten ( Kochsalz nicht vergessen !) als immer wichtiger erweist.

Andere Ausdauersportarten zeigen, dass es für Kreislauf und Stoffwechsel eine untergeordnete Rolle spielt, ob eine Pause 5 oder 30 Minuten dauert.

Pausen und Ernährung Aus der Sicht der Ernährung können wir Pausen von unter einer hal- ben Stunde von Unterbrechungen von über einer Stunde Dauer trennen. Solch längere Pausen erweisen sich vor allem dann als wertvoll, wenn der Beginn der Ruhe mit einem starken Kohlehydrat- und Flüssigkeitsnach-schub gekoppelt wird. Die sich erholende Muskulatur fängt in einer derartigen Phase an, sich wieder Kohle-hydrat-(Zucker-)reserven aufzubauen.

Wir müssen davon ausgehen, dass bei maximaler Dauerleistung die Koh-lehydratreserven eines durchschnittlichen Bergsteigers keine Stunde ausreichen. Daher besteht die Gefahr, dass Alpinisten auch bei geringeren Belastungsintensitäten auf langen Touren und bei unzweckmässigem Verhalten nicht allzu selten einen Lei-stungseinbruch erleiden. Aus diesen Gründen erweist es sich als durchaus sinnvoll, auf sehr lang andauernden Unternehmungen auch ausgedehntere Unterbrechungen einzuplanen.

Bei Kälte, Sturm und Nässe stellt die muskuläre Arbeit ein wichtiges Regelmässige und gezielt eingesetzte Pausen helfen mit, eine längere Tour zu einem Erfolg werden zu lassen.

Pause im Aufstieg zur Bütlasse ( BO ) Mittel gegen die Unterkühlung dar. In solchen Situationen können Belastungsunterbrüche sich als zusätzliche Gefährdung erweisen. Die Zufuhr von ( warmen ) Flüssigkeiten und Nahrung sollte wenn möglich « fliegend » erfolgen. Freiwillige Pausen empfehlen sich nur dann, wenn gleichzeitig auf-wärmende Massnahmen erfolgen.

Fazit Zusammengefasst lässt sich sagen, dass längere Touren regelmässige, situationsangepasste Pausen, kombiniert mit Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, erfordern. Sinnvolle Pausen helfen mit, ein Unternehmen zu einem beglückenden Ereignis ( und nicht zu einem Frust- und Horror-erlebnis ) werden zu lassen.

Dr. med. P. Schürch, Muri ( BE )

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