Zwischen Flow und Narzissmus Die Psychologie des Bergsteigens

Was die Menschen in die Berge treibt, was sie dort suchen und teils zwanghaft betreiben – darüber hat der Psychologe Manfred Ruoss ein sehr lesens­wertes Buch geschrieben. Es dürfte seit Ulrichs Aufmuths Psychologie des Bergsteigens (1980) die beste Auseinandersetzung mit dem Thema sein. Ruoss bezeichnet sich selbstironisch als «alpinistischen Universal­dilettanten». Mit flüssiger Schreibe erklärt er im ersten Teil die psychologischen Seiten des «normalen» Bergsteigens, das vor allem durch Flow- und Naturerleben motiviert ist. Aber er spricht auch vom Getriebensein vieler Bergsteiger, von ihrem krankhaften Leistungsdenken.

Im zweiten Teil liefert Ruoss packende Porträts von 13 Extremkletterern, die einzige Frau ist Gerlinde Kaltenbrunner. Auch vier Schweizer sind darunter: Krucker, Loretan, Siegrist und Steck. Er schaut ihr Leben aufgrund der vorhandenen Literatur an und analysiert sie nach einem definierten Kriterienkatalog. Dabei kommt er zu teilweise sehr deutlichen Ergebnissen: Fast alle der berühmten Extremkletterer hätten schwierige Kindheiten durchlitten. Als Folge davon weise ihr Leben und Handeln als Erwachsene klare Anzeichen narzisstischer Persönlichkeitsstörungen auf.

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