Annapurna-Erstbesteigung gefeiert 50-Jahr-Jubiläum in Chamonix

Vor 50 Jahren standen Maurice Herzog und Louis Lachenal nicht nur als Erste auf der Annapurna, sondern auch auf einem Gipfel eines Achttausenders.1 Dieses Ereignis, das damals sowohl für die «Grande Nation» als auch für die ganze Welt von historischer Bedeutung war, wurde in Chamonix mit einer Jubiläumsfeier gewürdigt.

Mittelpunkt der Feierlichkeiten war Maurice Herzog, der inzwischen 81-jährige Expeditionsleiter und «Gipfelsieger».2 François de Noyelle, der andere noch lebende Expeditionsteilnehmer, sass im Publikum. Zur Einstimmung wurde der preisgekrönte Film von Marcel Ichac «Victoire sur l' Annapurna» vorgeführt, ein aufschlussreiches Dokument über das Expeditionsbergsteigen jener Zeit.

Auf die Frage, ob diese Expedition für seine Karriere und seinen Lebensweg entscheidend gewesen sei und ob sich Einsatz und Qualen gelohnt hätten, antwortete Herzog mit der Feststellung, dass dadurch sein Leben völlig auf den Kopf gestellt worden sei. Er habe viel gelernt, sei bescheiden und offener anderen Menschen gegenüber geworden. Enttäuscht wurden all jene, die gehofft hatten, Herzog würde sich auch über seinen Gipfelgefährten Louis Lachenal äussern. Dieser hatte in seinem Tagebuch Carnets de Vertige ein anderes, weniger heroisches, aber gleichzeitig realistischeres Bild dieser Expedition in seinem, in 45 Sprachen übersetzten und mit 15 Millionen Exemplaren verkauften Bestseller gezeichnet. Jene Fragen, die um die Ereignisse während und nach der Expedition vor drei Jahren in der französischen Presse auftauchten und nach so langer Zeit an der Patina eines «nationalen Heiligtums» kratzten, wurden nicht angesprochen. Die Aufforderung zu einer Minute stillen Gedenkens war Herzogs Form der Hommage an die Gefährten von damals.

Höhepunkte der Festlichkeiten waren das Symposium über die Zukunft des Höhenbergsteigens und eine Podiumsdiskussion zwischen berühmten älteren und derzeit aktiven Himalayabergsteigern. Die Auswahl der Teilnehmer- einziger Veranstalter kommerzieller Expeditionen, die inzwischen den Grossteil aller Expeditionen ausmachen, war Bernard Muller - war ein Indiz dafür, dass diese Seite des Expeditionsbergsteigens zu kurz kommen sollte. Während der Diskussion zeigte sich zudem, dass gerade die grosse Anzahl berühmter Bergsteiger eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit einzelnen Themen vereitelte.

Einigkeit herrschte in der Motivation, werde doch Bergsteigen nur für sich selber betrieben. Zudem seien Wettbewerb und Konkurrenzdenken in dieser Höhe unmöglich. Über negative Begleiterscheinungen des modernen Profibergsteigens wie Erfolgsdruck durch die Medien und davon abhängige Sponsorengelder sprach in diesem Zusammenhang keiner. Bemängelt wurde vielmehr, dass die hohen Gipfelgebühren das Finanzieren von Achttausender-Expeditionen erschwerten. An kritischen Bemerkungen einzelner Diskussionsteilnehmer zu Umweltverschmutzung vor Ort durch den Expeditionstourismus oder adäquater Bezahlung und Ausbildung der einheimischen Führer fehlte es nicht, wirklich diskutiert wurden sie aber nicht. Auch sportethische Fragen - Begehungsstil, Routenabsicherung - waren kein Thema.

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