Auf der Jagd nach WM-Medaillen in Ecuador Die Jugend-Nationalmannschaft in der Fremde

Dieses Jahr fanden die Sportkletterer-Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren im südamerikanischen Ecuador statt. Zum ersten Mal wurden internationale Titelkämpfe in diesem Kontinent durchgeführt. Für die jungen Athleten und die Coaches bot sich eine einmalige Chance, für den SAC eine neue Herausforderung.

« Super, wow, da muss ich hin... !» So fielen die Reaktionen aus, als die Athleten der Jugend-Nationalmannschaft hörten, dass das Saisonziel – die Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften – in Ecuador stattfindet. Ein solch exotischer Wettkampfort – das zeigte sich rasch – war unglaublich motivierend. Alle wollten hin!

Doch wegen der Distanz und der damit einhergehenden hohen Kosten konnte nur ein kleiner Teil des National-teams mitkommen. Wer zu den Glücklichen zählen würde, zeigte ein Auswahl-verfahren. Die Anforderungen waren hoch, und nur die Allerbesten wurden ihnen gerecht. Am Ende reisten acht Mädchen und Jungen zwischen 15 und 19 Jahren nach Ibarra, dem Austragungsort. Mit der Auswahl war es aber noch lange nicht getan. Im Laufe der Vorbereitungen stellten sich den Trainern und den Athleten etliche Fragen: « Wie stecken wir den Jetlag weg? Was bringt die Ernährung für Probleme mit sich? Sprechen die Ecuadorianer auch ein wenig Englisch? Wie hoch über Meer liegt der Wettkampfort? Wie sieht die medizinische Grundversorgung aus ?» Die richtigen Antworten auf solche Fragen bargen den Schlüssel zum Erfolg. So stellte die Physiotherapeutin extra für diese Reise in Zusammenarbeit mit den Teamärzten eine Apotheke zusammen, die für die meisten Fälle eine eigene Versorgung erlaubte.

Athlet und Tourist zugleich

« Es war megaspannend, mit den Leuten zu verhandeln », « sehr touristisch, aber trotzdem schön », so tönte es nach dem Besuch des grössten Handwerkermarktes in Ibarra. Und einer bemerkte: « Da wird einem schon bewusst, wie gut wir es in der Schweiz eigentlich haben. » Als junger Athlet in ein Land zu reisen, das viele nur vom Hörensagen kennen, ist ein Privileg. Es ermöglicht Erlebnisse und Einsichten, für welche andere ein ganzes Leben brauchen. Deshalb waren extra für die ersten Tage nach der Ankunft kleinere Reisen und Exkursionen vorgesehen. Aus Erfahrung stehen während solcher Anlaufzeiten aber auch die Förderung des Teamspirits und das In-Bewegung-Bleiben für die Sportler und die Trainer im Zentrum. Denn selbstverständlich hat ein Athlet auch Pflichten und muss einem enormen Erwartungsdruck standhalten. Die Trainer, der Verein, die Kollegen und nicht zuletzt er selbst stellen hohe Anforderungen. Eine der Schwierigkeiten bei solch exotischen Destinationen ergibt sich deshalb aus dem Rollenverständnis: Es gilt, die Rolle des Athleten und jene des Reisenden unter einen Hut zu bringen. Wann bin ich Athlet, wann darf ich Tourist sein? Nötig ist diese Trennung, um trotz vielen neuen Eindrücken am Wettkampftag die nötige Konzentration aufbringen zu können.

Im vorderen Viertel dabei

Schliesslich schienen die Vorbereitungen Früchte zu tragen: Die Athleten entsprachen den Erwartungen mehrheitlich und erkletterten ein gutes Teamergebnis. Christina Schmid aus Neuenegg und Katherine Choong aus Porrentruy konnten sich mit einer starken Leistung und etwas Glück sogar für den Final der besten acht qualifizieren. Dort wurde anschliessend in zwei Durchgängen à je drei Kategorien geklettert. Unmittelbar nach dem ersten Durchgang zog ein heftiges Unwetter über das Wett-kampfgelände und machte den Final an der Aussenwand in Ibarra unmöglich. Christina Schmids Final fiel damit buchstäblich ins Wasser, und sie musste sich mit dem vierten Rang aus dem Halbfinale begnügen. Katherine Choong konnte ihren zweiten Zwischenrang nach dem Halbfinale nicht verteidigen und wurde immerhin Achte. Noch mehr Pech hatte die Bonstetterin Petra Klingler. Sie verletzte sich in der ersten Qualifikationsrunde am Knie so schwer, dass für sie der Wettkampf bereits zu Ende war, bevor er richtig begonnen hatte.

Neues Auswahlverfahren nötig

Das Abenteuer Ibarra ist der Beginn einer neuen Ära ( siehe ALPEN 10/2007 ). Immer mehr grosse Wettkämpfe finden in exotischen und von der Schweiz weit entfernten Ländern statt – auch in den Jugendkategorien.

Grundsätzlich geht man im SAC davon aus, dass Leistung und nicht Geld darüber entscheiden soll, wer an einem aussereuropäischen Wettkampf teilnehmen kann. Doch als Verein mit beschränkten finanziellen Ressourcen steht der SAC hier vor schwierigen Entscheidungen. Entweder bittet man die Athleten um Kostenbeteiligung und geht das Risiko ein, dass gewisse hoffnungsvolle Sportler aus finanziellen Gründen nicht mehr teilnehmen, womit die Medaillenchancen sinken. Oder aber man setzt die Selektionskriterien so hoch an, dass nur noch wenig Athleten sie erfüllen, womit für die meisten Nachwuchssportler die Früchte zu hoch hängen würden. In diesem Fall läuft man als Verein Gefahr, in den unbesetzten Kategorien den Kontakt zur Weltspitze zu verlieren.

Angesichts dieser Entwicklung ist die WM der Nachwuchskletterer im Jahr 2008 ein Prüfstein: Denn diese WM wird in Sydney, Australien, stattfinden. Für den Bereich Wettkampfsport im SAC bedeutet dies ein noch höheres finanzielles Engagement als bislang. Andererseits weckt Sydney schon jetzt, ein Jahr vorher, den Wunsch und den Ehrgeiz aller jungen Teamathleten, dabei zu sein. Deshalb sind die Verantwortlichen daran, ein neues Selektionsverfahren zu erarbeiten. Gelingt es ihnen, ein faires, aber genügend strenges System zu entwickeln, profitieren davon nicht nur die Athleten, sondern der ganze Verein.

Lukas Iseli, Nachwuchsverantwortlicher

WM Ecuador: Platzierung der Schweizer Jugend

Christina Schmid: Lead 4. / Speed 11.
Anouk Piola: Lead 16. / Speed 15.
Téo Genecand: Lead 34. / Speed 18.
Manuel Kallen: Lead 29. / Speed 15.
Petra Klingler: Lead 27.
Manuela Sigrist: Lead 1O. / Speed 28.
Katherine Choong: Lead 8. / Speed 26.
Cosima Willi: Lead 13. / Speed 16.

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