Buckeln für fremdes Gipfelglück Expeditionen: Ohne Sherpas und Träger läuft nichts

Trekkingtouristen und Bergsteiger lassen ihr Gepäck von einheimischen Trägern transportieren. Das ist gut so, findet der Schweizer Höhenmediziner Urs Hefti. Aber es soll nach fairen Regeln geschehen. Urs Hefti ist der Schweizer Vertreter der internationalen Trägerschutzvereinigung IPPG, die sich für die Rechte der Träger einsetzt.

Für mehr Touristen braucht es mehr Träger. Es werden viele Jugendliche und Träger aus tieferen Lagen engagiert. Diese Menschen sind nicht besser vorbereitet auf die Höhe als wir Touristen. Zudem ist ihre Ausrüstung ungenügend: keine richtigen Schuhe, keine warmen Kleider, Jacken, Mützen, Handschuhe. Nicht selten fehlt es an Medikamenten. So kommt es häufiger zu Erkrankungen, Erfrierungen und Todesfällen. Zudem werden Lasten immer weiter hinauf getragen. Das alles bedeutet grössere Gefahren für alle Beteiligten.

Die IPPG will nicht moralisieren oder verbieten. Aber durch stetige Information und Aufklärung konnten Touristen und Reiseveranstalter, aber vor allem auch die Organisatoren vor Ort sensibilisiert werden. Insgesamt sind die Zustände an vielen Orten besser geworden, und die Träger haben Mut gefasst und sich auch selber organisieren können. Unsere Organisation investiert auch in den Bau von Notunterständen und medizinische Infrastruktur. Es wurden auch schon fehlende Lohnzahlungen übernommen.

Wir versuchen alle Beteiligten anzusprechen: Reiseveranstalter, lokale Agenturen, aber auch Individualreisende und Bergsteiger. Es muss selbstverständlich sein, dass für Träger ähnlich umfassend gesorgt wird wie für Expeditionsteilnehmer. Mitglieder von Touristengruppen können ihre Verantwortung wahrnehmen, indem sie sich Gedanken machen über ihre Träger und den Veranstalter auch ansprechen. Bei Missständen muss interveniert werden. Es ist ein Akt der Fairness, wenn man auf problematische Situationen aufmerksam macht und anständige Bedingungen verlangt.

Ja. Viele Träger und ihre Familien sind aus wirtschaftlichen Gründen auf diese temporäre Arbeit angewiesen. Es ist oft ihre einzige Einnahmequelle. Umso mehr müssen gerechte Bedingungen eingehalten werden: beim Gewicht, bei der Ausrüstung und beim Lohn. Die Träger buckeln oft anstandslos alles Gepäck, auch wenn es viel zu schwer ist. Nicht selten schleppen sie auch überflüssiges Material von « verwöhnten » Trekkingtouristen.

Es sollten die vor Ort üblichen Löhne bezahlt werden. Je nach Region sind das 2 bis 5 Dollar pro Tag. Auch die An- und Rückreise der Träger muss als Arbeitszeit verrechnet werden. Einem Träger sollten nicht mehr als 25 Kilogramm Gepäck zugemutet werden. Er muss mit den richtigen Kleidern ausgerüstet werden. Das kann auch leihweise geschehen. Faire Arbeitgeber bezahlen auch bei Krankheit. Zusätzlich zum Lohn wird normalerweise auch ein Trinkgeld von 1 bis 2 Dollar pro Tag erwartet. Nach längeren Touren können funktionstüchtige Kleider verteilt werden.

Es beginnt bei der Auswahl des Reise-unternehmens. Einige sind seit Jahren sehr engagiert und vorbildlich, auch in der Zusammenarbeit mit lokalen Agenturen. Das Thema « Träger und Fairness » muss angesprochen werden. Das sensibilisiert alle Beteiligten und hilft, Missstände zu verhindern.

Träger, die sich ernst genommen und gut versorgt fühlen, sind angenehmere Reisepartner. Es lohnt sich auch, ab und zu mit den Trägern an einem Tisch zu sitzen oder sich mit ihnen zu unterhalten. Da spürt man schnell, ob es ihnen wohl ist, ob sie genügend zu essen haben und wie die Stimmung ist. Eine schlechte Stimmung unter den Trägern lohnt sich nie. Das wirft einen Schatten auch auf die schönsten Naturerlebnisse.

Nähere Information unter www.ippg.net

TV-Serie über Höhenträger

Von März bis Juni 2008 drehte das Schweizer Fernsehen SF zusammen mit Einheimischen im Khumbu-Gebiet am Fusse des Mount Everest im Nordosten Nepals. Gefilmt wurde die Arbeit der Höhenträger in den Dörfern von Khumbu bis auf den Gipfel. Aus dem Material entstanden drei eindrückliche Dokumentarfilme, die auf dem Internet einsehbar sind ( www.sf.tv/sendun-gen/dok). Im September wird eine anderthalbstündige Kompaktversion auf dem Sender arte gesendet. Zum Film erscheint im AS Verlag ein Buch unter dem Titel Die wahren Helden am Everest, das in einer der nächsten Alpen-Nummern rezensiert wird.

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