Das Berggebiet und Europa

Zur Jahresversammlung der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden An der Jahresversammlung der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden vom 18. April 1997 in Zürich sprach Botschaftsrat Josef Aregger über die bilateralen Verhandlungen der Schweiz mit der EU und die Auswirkungen eines liberalisierten Marktes auf die Berggebiete.

Eine Institution praktiziert seit nunmehr 57 Jahren Solidarität zwischen dem Berggebiet und der restlichen Schweiz: die Patenschaft für Berggemeinden. Die Organisation hat im Jahr 1996 mit über 15 Mio. Franken ihr zweitbestes Sammelergebnis erreicht. Diese Mittel werden jeweils für die Restfinanzierung von Infrastruktur-projekten eingesetzt.

Chance der Berggebiete bei « Nischenprodukten » Botschaftsrat Josef Aregger von der schweizerischen EU-Mission in Brüssel zeigte sich in seinem Referat davon überzeugt, dass auch die Berggebiete von einem europaweit liberalisierten Markt profitieren würden, namentlich durch den Abbau von technischen Handelshemmnissen und Zöllen. « In einem derart grossen Markt mit mehr als eintausend Milliarden Franken Umsatz lohnt es sich dabeizusein », sagte Aregger. Erzeugnissen wie dem Bündner Bergkäse beispielsweise, ausgesprochenen Nischenprodukten mit hohem Qualitätsniveau, gibt Aregger grosse Chancen, auch auf dem globalisierten Markt erfolgreich bestehen zu können.

Selbsthilfe ist Voraussetzung Aus Areggers Worten war auch zu spüren, dass Innovationsgeist und der Glaube an die eigene Stärke Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewältigung der Zukunft sind. Auf offene Sympathien wegen ihrer besonderen Lage und ihrer Schwierigkeiten mit Topographie und Klima können die Bergregionen nach Einschätzung von Josef Aregger in den Metropolen nicht rechnen: Eine spezielles europäisches « Berg-Pro-gramm » gebe es nicht, sagte er, und er warnte vor übertriebener Hoffnung auf Verständnis von aussen: « Im Bewusstsein der Menschen in Brüssel sind die Alpen eine Region wie jede andere auch. » Werden die Alpen von den Aussenstehenden also nach wie vor in Extremen wahrgenommen? Also entweder als Heidiland-Idylle oder als Öko-Hor-rorregion? Als Feriendestination und Natur-Museum mit einigen darin lebenden Einheimischen und Wär-tern? Wichtig scheint die Findung einer eigenständigen Alpen-Politik Patenschafts-Verantwortli-che auf ihrem letzten Besuch in St. Antönien: alt Bundesrat Leon Schlumpf und alt Ständerat Luregn M. Cavelty mit Gastgeber Hans Sprecher vor den Lawinenverbauungen am Chüe-nihorn c « o.

Das ambivalente Bild der Alpen: Bühne für die Erfüllung vielerlei persönlicher Wünsche einerseits und für allerlei Aktivismus einer verwöhnten Wohlstandsgesellschaft andererseits durch die Alpenländer selbst, d.h. es liegt im ureigenen Interesse der Berggebiete, ihre Interessen, Anliegen und Probleme umfassend und sachbezogen nach aussen zu kommunizieren, um nicht vollständig unter die Räder zu geraten.

Bedeutung der Patenschaft Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden ist ein Beispiel für den Dialog zwischen Berggebiet und « Unterland ». Der Präsident der Patenschaft, der Bündner alt Ständerat Luregn M. Cavelty, betonte insbesondere die wichtige Rolle der Patenschaft, die in den letzten zehn Jahren 442 Gemeinden unterstützt hat, für die Erhaltung der Lebenskraft in den Berggemeinden und für die wirtschaftliche Zukunftsgestaltung der Berggebiete.

Peter Donatsch, Maienfeld

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