Das beste Sicherungsgerät? Der Anwendungsbereich ist massgebend

Die Vielfalt aktueller Sicherungsgeräte ist beachtlich. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Geräten auch. Beim Kauf eines neuen Gerätes gilt es, zu überlegen, wofür es meistens eingesetzt werden soll oder, präziser, gegen welche Hauptgefahren man sich beim Sichern wappnen möchte.

Allen Sicherungsgeräten liegt dasselbe Prinzip zugrunde: Sie verstärken die Bremskraft der sichernden Person. Aber ganz ohne diese Bremskraft, also dann, wenn keine Hand das Bremsseil kontrolliert, kann es unabhängig vom Gerät zu einer heiklen Situation kommen. Jedes Gerät verlangt also eine korrekte Bedienung, ansonsten birgt jedes von ihnen Gefahren. Dennoch gibt es Unterschiede, in Bezug sowohl auf die Handhabung als auch auf den idealen Einsatzbereich. Um die Unterschiede zu verdeutlichen, können die Geräte grob in zwei Kategorien eingeteilt werden.

Die Geräte der ersten Kategorie werden als Halbautomaten bezeichnet, weil sie über einen Blockiermechanismus verfügen. Dieser muss aber normalerweise von der sichernden Person aktiviert werden. Der prominenteste Vertreter dieser Gruppe ist das Grigri, mittlerweile 20 Jahre alt und nun in überarbeiteter Form erhältlich. Seine Bremsleistung im blockierten Zustand ist sehr gross: Erst bei einer Last von 340 bis 410 Kilogramm rutscht das Seil durch. Das verleitet dazu, das Gerät wie ein selbstblockierendes zu verwenden – und die sichernde Hand nicht permanent am Seil zu halten. Das ist gemäss Hersteller aber nicht zulässig.

Weitere Geräte dieser Kategorie sind beispielsweise das Smart von Mammut und das Click Up von Climbing Technology. Ihre Bremsleistung ist im blockierten Zustand aber kleiner als beim Grigri. Um den Blockiermechanismus zu aktivieren, braucht es zudem Zug am Bremsseil nach unten. Der Vorteil dieser Geräte liegt darin, dass die sichernde Person wenig Kraft benötigt, um einen Sturz halten zu können. Ausserdem sind diese Geräte für den Sichernden sehr komfortabel, wenn der Kletternde eine Route ausbouldern will. Ein Nachteil ist, dass dynamisches Sichern nur möglich ist, wenn die sichernde Person über genügend Bewegungsfreiheit verfügt. Es erfordert zudem viel Übung, insbesondere wenn die kletternde Person leichter ist. Dagegen eignen sich diese Geräte besonders gut zum Sichern von schweren Personen, in einer Umgebung, wo die sichernde Person viel Bewegungsfreiheit hat, und dort, wo man gerne abgelenkt wird, wie in der Halle oder im Klettergarten.

Das Grigri und das Click Up können nur einen Einzelstrang aufnehmen, das Smart gibt es auch in einer Ausführung für Doppel- oder Zwillingsseile.

Dynamische Sicherungsgeräte heissen so, weil die sichernde Person im Falle eines Sturzes gezielt Seil durch das Gerät laufen lassen und diesen weich abfangen kann. Das bekannteste «Gerät» ist der Halbmastwurfknoten (HMS). Auch in diese Kategorie gehören alle Geräte, die nach dem Tuber-Prinzip funktionieren (z.B. Black Diamond ATC, Petzl Reverso, Salewa Tubus usw.). Allerdings ist die Bremsleistung von Modell zu Modell unterschiedlich.

Ein Vorteil dieser Geräte liegt darin, dass dynamisches Sichern einfach und jederzeit möglich ist. Der Nachteil ist, dass sie die absolute Aufmerksamkeit der Sicherungsperson erfordern, was oft schwierig einzuhalten ist. Gerade solange der Kletternde noch in Bodennähe ist, muss die Sicherungsperson im Fall eines Sturzes sofort reagieren können. Sichernde brauchen zudem mehr Kraft, um einen Sturz aufzufangen. Insbesondere wenn der Kletternde bedeutend schwerer ist als der Sichernde, kann dies zu einem Problem werden. Bei den Geräten mit Tuber-Prinzip kommt hinzu, dass die Bremshand zwingend unterhalb des Geräts geführt werden muss, weil ansonsten kaum eine Bremswirkung vorhanden ist.

Diese Geräte eignen sich daher besonders zum dynamischen Sichern von weiten Stürzen und von leichten Personen. Die meisten Tuber gibt es für Einzel- oder Doppelstranganwendungen.

Wer mehrheitlich in der Halle oder in Klettergärten klettert, kann sich die Vorteile eines Halbautomaten zunutze machen. Das gilt ebenfalls, wenn jemand oft mit einem schwereren Kletterpartner unterwegs ist. Wer sich öfters in Situationen befindet, in denen dynamisches Sichern zentral ist – weite Sturzdistanz, eher flaches Klettergelände, leichter Kletterpartner –, benutzt besser ein dynamisches Gerät.

Wer zwei verschiedene Geräte benutzen möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass die Handhabung bei beiden genau gleich ist. Denn die meisten Sicherungsgeräte bremsen nur, wenn die Bremshand deutlich unter dem Sicherungsgerät geführt wird. Dies übrigens im Gegensatz zum HMS: Wer vor mehr als zehn Jahren mit dem HMS sichern lernte, geht mit der Sicherungshand aus langjähriger Gewohnheit nach oben. Darum sollte, wer dies noch gelernt hatte, beim Wechsel vom HMS auf ein anderes Gerät grösste Vorsicht walten lassen und die Handhabung intensiv üben.

Geübt sein sollte auch das Stürzen. Es ist dabei wichtig, dies im geeigneten Gelände zu tun und die Sturzlänge nur langsam zu erhöhen. Wichtig ist, Vertrauen in sich selbst und den Sicherungspartner aufzubauen und sich nicht abschrecken zu lassen. Sinnvoll ist es auch, regelmässig mit andern Kletternden Sicherungsmethoden zu besprechen. Lehrreiche Videos zur Bedienung der einzelnen Geräte findet man beim Deutschen Alpenverein DAV (www.alpenverein.de unter > Videos > Sicherheit).

Petzl Grigri 2

Typ Halbautomat mit Blockierfunktion. Für Einfachseile von 8,9 bis 11 mm

Bedienung

Seil ausgeben und ablassen brauchen eine spezielle Übung. Handhabung genau nach Vorgabe von Petzl! Videos auf petzl.com oder http://4-seasons.tv > grigri

Stärken

Bremswirkung sehr hoch, Seil läuft leicht durch. Gut dosierbar beim Ablassen, leichter und kleiner als der Vorgänger. Sehr bewährtes Gerät Schwächen Schnelles Seil-Ausgeben und -Ablassen unterscheiden sich grundlegend von den andern Geräten. Umgewöhnung notwendig. Beim Ablassen kann durch starkes Ziehen am Hebel die Bremswirkung gänzlich aufgehoben werden. Dynamisches Sichern erfordert Bewegungsfreiheit und Übung. Idealer Verwendungszweck Halle, Klettergarten Climbing Technology Click Up Typ Halbautomat mit Blockierfunktion. Für Einfachseile von 8,9 bis 11 mm Bedienung Ausser beim Ablassen wie Geräte mit Tuber-Prinzip. Anleitung: http://4-seasons.tv > click up Stärken Bremswirkung hoch. Bedienung gleicht den Geräten mit Tuber-Prinzip, daher ist kaum Umgewöhnung nötig. Schwächen Blockierfunktion wird nur aktiviert, wenn die Bremshand das Seil unterhalb des Gerätes fixiert ( siehe Bild ). Ansonsten blockiert das Gerät nicht. Funktionsweise abhängig vom Karabiner. Wenn der Karabiner quer steht, kann das die Funktion einschränken. Ältere oder dicke Seile laufen schlecht durch das Gerät. Idealer Verwendungszweck Halle, Klettergarten/als zweites Gerät für Tube-Benutzer Mammut Smart Typ Halbautomat mit Blockierfunktion. Für 8,9 bis 10,. " " .5 mm Einfachseile Bedienung Schnelles Seil-Ausgeben und -Ablassen mittels eigener Technik. Anleitung: http://4-seasons.tv > smart Stärken Bremswirkung hoch, aber die Bremshand muss zwingend das Sicherungsseil fixieren. Intuitive Bedienung. Leichtes Gerät Schwächen Blockierfunktion wird nur aktiviert, wenn Bremshand das Seil unterhalb des Gerätes fixiert. Ablassen ist schwierig zu dosieren. Funktionsweise abhängig vom Karabiner. Ein verdrehter Karabiner kann Funktion einschränken. Ältere oder dicke Seile laufen schlecht durch das Gerät. Idealer Verwendungszweck Halle, Klettergarten Black Diamond ATC Typ Dynamisches Gerät für alle Seildurchmesser, Einfach- und Doppelseile Bedienung Tuber-Prinzip. Anleitung: http://4-seasons.tv > tube Stärken Alle Seiltypen laufen leicht durch das Gerät. Schnelles Seil-Ausgeben und -Einziehen ist einfach, dynamisches Sichern gut möglich. Schwächen Schnelle Reaktion und Bremskraft nötig, um Stürze in Bodennähe aufzufangen. Sehr hohe Aufmerksamkeit des Sichernden zwingend, besonders bei neuen, dünnen Seilen und schweren Kletterpartnern, denn da ist die Bremswirkung knapp. Stellung der Bremshand beeinflusst die Bremswirkung. Hand muss zwingend unterhalb des Gerätes geführt werden. Idealer Verwendungszweck Klettergarten, Mehrseillängen, Alpin Halbmastwurfknoten ( HMS ) Typ Dynamisch, für alle Seildurchmesser, Einfach- und Doppelseile Bedienung Zwei Varianten möglich. Ähnlich wie Tuber-Prinzip oder Bremshand oberhalb des Karabiners. Anleitung: http://4-seasons.tv > HMS Stärken Bremswirkung unabhängig von der Handstellung. Alle Seiltypen laufen leicht durch den HMS. Seil-Ausgeben und -Einziehen ist einfach, dynamisches Sichern gut möglich. Günstigste Sicherungsvariante Schwächen Schnelle Reaktion und Bremskraft nötig, um Stürze in Bodennähe aufzufangen. Volle Aufmerksamkeit auf die kletternde Person! Umstieg auf andere Geräte problematisch Idealer Verwendungszweck Klettergarten, Mehrseillängen, Alpin Grigri 2 austauschen lassen Das Sicherungsgerät Grigri 2 wird zurückgerufen, wie Hersteller Petzl mitteilt. Bei den Modellen D14 20, D14 2 G, D14 2 B, deren erste fünf Ziffern der Seriennummer zwischen 10 326 et 11 136 liegen, könne in Ausnahmefällen der Griff blockiert werden, wenn er stark belastet wird. Das Grigri funktioniere in diesem Fall nur noch wie ein herkömmlicher Abseilachter, teilt Petzl mit. Wer eines der erwähnten Grigri in Gebrauch hat, wird gebeten, sich mit Petzl Schweiz in Verbindung zu setzen, damit der Austausch vorgenommen werden kann. Kontakt: info(at)petzl.ch oder Tel. 021 947 46 66. > Damit Sichern sicher ist – Bedienung des Gerätes korrekt lernen und einüben – Partnercheck vor jedem Start: Seil richtig eingelegt? Karabiner gesichert? Knoten und Gurt korrekt? Seilende fixiertBremsseil immer in der Hand halten, unabhängig vom Gerät – Sichern ist ein emotionales Thema: deshalb Fehler beim Partner vorsichtig ansprechen

Grigri 2 austauschen lassen

lassen Das Sicherungsgerät Grigri 2 wird zurückgerufen, wie Hersteller Petzl mitteilt. Bei den Modellen D14 20, D14 2 G, D14 2 B, deren erste fünf Ziffern der Seriennummer zwischen 10 326 et 11 136 liegen, könne in Ausnahmefällen der Griff blockiert werden, wenn er stark belastet wird. Das Grigri funktioniere in diesem Fall nur noch wie ein herkömmlicher Abseilachter, teilt Petzl mit. Wer eines der erwähnten Grigri in Gebrauch hat, wird gebeten, sich mit Petzl Schweiz in Verbindung zu setzen, damit der Austausch vorgenommen werden kann. Kontakt: info(at)petzl.ch oder Tel. 021 947 46 66.  

Damit Sichern sicher ist

– Bedienung des Gerätes korrekt lernen und einüben

– Partnercheck vor jedem Start: Seil richtig eingelegt? Karabiner gesichert? Knoten und Gurt korrekt? Seilende fixiert

– Bremsseil immer in der Hand halten, unabhängig vom Gerät

– Sichern ist ein emotionales Thema: deshalb Fehler beim Partner vorsichtig ansprechen

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