«Der heimliche König»

Das Wetterhorn kennt man eher als klassischen Hochtourengipfel. Durch seine felsige Südwestwand führt die viel begangene Sommerroute via Willsgrätli und Wettersattel. Silvan Schüpbach und zwei seiner Freunde haben sich aber weiter links ins viel steilere Gelände verguckt, auch wenn es von Weitem nicht besonders kompakt aussah: « Bereits von Weitem ist die inhomogene Felsqualität sichtbar, die Planung der Linienführung war dementsprechend mehr ein Kaffeesatzlesen », erinnert sich Silvan Schüpbach. Doch einmal losgeklettert entpuppte sich der meiste Kalk als bombenfest, durchsetzt von wasserzerfressenen Löchern und Leisten. Nur die Seillängen 6 und 7 führen durch sandigen und brüchigen Fels, der sich nicht umgehen lässt. An vier Tagen im Sommer 2009 hatten sie sich die imposante Linie in einer eindrücklichen Umgebung emporgearbeitet: « Mein Blick geht hinüber zum Bärglistock und schweift über das Schreckhorn zum Eiger », schreibt Silvan, « weit unten auf dem Gletscher kommt eine Seilschaft vom Wetterhorn zurück. Wasserzerfressener Kalk unter und drohende Überhänge über mir, hänge ich auf 3300 Metern am Standplatz und fühle mich als heimlichen König, am heimlichen König der Berge. » Der Routenname war gefunden.

Routeninfos Lage: Wetterhorn-Südwestwand ( BE ), Einstieg ca. 3100 m/Ausstieg 3430 m Länge und Schwierigkeit: 320 m, 10 SL, 7b ( 6b, A0 obl. ) Erstbegehung: Eingerichtet im Sommer 2009 von Silvan Schüpbach, Fabio Lupo, Peter von Känel, Andy Winterleitner, Loic Beguelin Anreise: Mit öV: von Grindelwald mit Bus Richtung Grosse Scheidegg. Mit Auto bis Parkplatz beim Oberen Gletscher, weiter zu Fuss oder mit Bus Zustieg: 2 bis 3Std. zur Glecksteinhütte ( 2317 m ) und von da 2 bis 3Std. zum Einstieg. Route: über den Chrinnengletscher bis direkt unter die Chrinne ( unterhalb P. 3053 ). Dort nach rechts queren, über Schotter immer der Kalk-Gneis-Grenze folgen. Der Einstieg befindet sich 50 m links von der riesigen Grotte ( auf LK etwas rechts und unterhalb von P.3429 ), Material am ersten Stand deponieren ( guter Unterstand)Abstieg: Über die Route abseilen; generell anspruchsvoll, da überhängend. Achtung: Beim Abseilen vom 9.Stand nach 15 m vertikal und etwa 10 m nach links ( N ) horizontal queren ( Extra-AbseilstandMaterial: 50-m-Halbseile ( Halbseiltechnik notwendig in SL 6+7 ), 10 bis 12 Expressschlingen, Route vollständig mit Bohrhaken ausgerüstet, daher sind Friends und Keile nicht nötig, ansonsten übliche Mehrseillängenausrüstung, Steigeisen, Pickel für Gletscherquerung Karte/Führer/Infos: LK 1:25000, Blatt 1229 Grindelwald. Ueli Mosimann, SAC-Clubführer Berner Alpen 5, SAC Verlag 1996. Mehr Routeninfos auf www.slack-line.ch

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