Der steile Weg nach oben Nachwuchstalent Natalie Bärtschi

«Ach ja, stürzen finde ich auch noch cool!», meint Natalie Bärtschi. Die Aussage der St. Gallerin ist typisch für eine junge Generation von Kletterinnen. Vor allem in den Hallen gross geworden, ist ihnen die Sturzangst fremd. Doch sie haben nicht nur Spass am Klettern, sondern sie arbeiten auch hart für ihre Sportkarriere.

Die heute 15-Jährige ist seit letztem Jahr Nachwuchsmitglied des SAC-National-teams. Damit hat sie bereits einen wichtigen Schritt geschafft, von dem einige junge Wettkämpfer noch träumen. Für sie besteht die Faszination des Kletterns in erster Linie im Spiel mit dem ganzen Körper und in der Bewegung in immer neuen Geländeformen. Auch die psychologische Seite findet sie reizvoll: Einerseits kann sie den Umgang mit Druck und Stress üben, andererseits erlebt sie immer wieder die Zufriedenheit und Genugtuung nach dem Erreichen von selbst gesteckten Zielen.

Als Natalie mit sieben Jahren mit der Familie für längere Zeit in Amerika weilt, stösst sie in einer Ausstellung auf einen mobilen Kletterturm. Dort macht sie ihre ersten Züge und findet gleich Gefallen daran. Wieder zu Hause, klettert Natalie im Rahmen von Angeboten der Naturfreunde, mit der Familie und mehr zum Spass. Aber Natalie ist ambitioniert, sie will sich mit anderen messen können und besser werden. Über die Teilnahme an Kinderwettkämpfen findet sie Anschluss an die SAC-Trainingsgruppe in Lichtensteig. Der Eintritt in die SAC-Sektion Säntis ist für die ganze Familie nur noch Formsache.

In dieser Gruppe trainiert Natalie erstmals regelmässig – und mit sichtbarem Erfolg. Mehrmals erklettert sie Podestplätze an regionalen Anlässen und gewinnt einen Nachwuchswettkampf in Chur. Trainer aus dem Regionalzentrum Ostschweiz werden bald auf die engagierte und aufstrebende Athletin aufmerksam. Aaron Richiger, Förderer der ersten Stunde und Trainer im Regionalzentrum Ostschweiz, bietet der damals 11-Jährigen einen Platz im Espoirkader des Regionalzentrums an. Ab sofort hat Natalie die Möglichkeit, zwei- bis dreimal die Woche zu klettern. Das bedeutet bis zu sechs Stunden betreutes Klettern pro Woche. Bereits nach einem Jahr gewinnt Natalie ihre ersten Medaillen an nationalen Anlässen und schafft so den Sprung ins Regionalkader.

In diesem Kader trainiert die Auswahl der besten Athleten im Einzugsgebiet Zürich, Winterthur und St. Gallen. Dort wird verstärkt auf die individuelle Förderung gesetzt. Natalie erfährt hier auch Unterstützung bei der Suche nach einer optimalen Kombination von Schule und Sport; zudem wird sie bereits sportmedi-zinisch betreut.

Die nationalen Meisterschaften sind erklärtes Ziel der Regionalkaderathleten. Neben diversen Aktivitäten am Fels wird beim Hallentraining konzentriert darauf hingearbeitet. Das zahlt sich aus: Natalie erzielt im ersten Regionalkaderjahr mehrere Siege und Podestplätze an nationalen Anlässen in sämtlichen Disziplinen.

Natalies Resultate und Entwicklungs-schritte veranlassen die Verantwortlichen der Nachwuchs-Nationalmannschaft, sie nach einer Diskussion mit den Regio- Fotos: David Schw eiz er Sieg: Natalie Bärtschi gewinnt 2007 in Leysin einen Boulderwettkampf. trainern ins Swiss-Climbing-Talents-Camp einzuladen. Dieses dient der Selektion ins Nationalteam. Alle Teilnehmer durchlaufen verschiedene Tests (siehe ALPEN 11/2006). Auch diese Schlüsselstelle meistert Natalie mit Bravour. Man fragt sich fast, ob nicht alles ein bisschen zu leicht geht. Bis jetzt konnte die hoffnungsvolle Athletin den wichtigen Umgang mit Niederlagen und Rückschlägen noch nie lernen. Bereits jetzt merkt aber auch die junge Sportlerin, dass ihre Karriere möglicherweise nicht immer im gleich forschen Tempo weitergehen kann. «Am Anfang ging alles so schnell, und ich wurde spürbar besser. Jetzt ist alles viel strenger geworden, Entwicklungsschritte zu realisieren, braucht mehr und gezielteren Aufwand», meint die Ostschweizerin. Natalie steht am Anfang einer internationalen Laufbahn. Sie wird sich bald mit anderen europäischen Kletterern messen können. Einige gute Resultate sind ihr auf diesem Parkett im letzten Jahr schon gelungen. Das erklärte Ziel, im Weltcup der Erwachsenen mitzuklet-tern, erscheint realistisch.

Trotz dieser für Schweizer Verhältnisse sehr guten Ausgangslage: Im internationalen Vergleich gehört die 15-Jährige nicht zu den Ausnahmetalenten. Will sie an der Spitze mithalten können, braucht es viel harte Arbeit. Denn wie im Kunstturnen werden die internationalen Leistungsträger im Sportklettern immer jünger. Gerade bei den Frauen ist diese Entwicklung deutlich spürbar. Die Österreicherin Johanna Ernst, die aktuelle Dominatorin im Weltcup der Damen, ist mit 17 Jahren nur wenig älter als Natalie. Zu beachten gilt es auch, dass eine Weltcuproute im Vergleich zu einer Europacuptour in jeder Hinsicht deutlich anspruchsvoller ist. Der Unterschied zu den Nachwuchsrouten bezüglich der physischen Anforderungen ist geradezu enorm. Die absolute Schwierigkeit ist um rund drei bis vier Grade höher. Natalie wird hart arbeiten müssen, um sich im internationalen Umfeld zu etablieren. Der Weg dorthin ist weit und steil, aber möglich. Der Gipfel wird jedoch wohl auch in Zukunft für solche Ausnahme-talente wie Johanna Ernst oder Adam Ondra reserviert bleiben.  

 

Kletter- und Theaterspektakel

Die SAC Sektion Rinsberg organisiert die Jugend-Schweizer-Meisterschaft im Bouldern in Bülach. Gleichzeitig führt sie in Kooperation mit dem Kin-dertanztheater Doris Sturzenegger das Theater- und Kletterspektakel 2009 durch. Tagsüber werden an den Kulissen des Theaters Kletterwettkämpfe durchgeführt, und am Abend findet an den Kletterwänden der Wettkämpfe das Theaterspektakel mit herumfliegenden Vampiren, herunterfallenden Wassertropfen und schaukelnden Kindern statt. Die Boulder-Finals finden am Sonntagnachmittag zwischen 13 und 16.30 Uhr statt. Programm und Ticketvorverkauf unter: www.sac-rinsberg.ch

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