Einsatz für die Natur geehrt Abgeordnetenversammlung 2015

Toni Labhart, Berner Geologe und Naturschutzpionier, wird Ehrenmitglied des SAC. Die Abgeordneten wählten neu Philippe Aubert und Heinz Frei in den Zentralvorstand.

Es ist eine illustre Ahnenrunde, in die die Abgeordneten den Berner Geologen Toni Labhart am 13. Juni aufnahm: Als Ehrenmitglied steht der 77-Jährige nun in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie dem Geologen Edmund von Fellenberg oder Albert Heim und Berg­legenden wie Edward Whymper, Erhard Loretan oder Yvette Vaucher. Mit der Ehrenmitgliedschaft würdigt der SAC Labharts Einsatz für die Umwelt: Labhart hatte sich schon früh für den Erhalt der unberührten Gebirgslandschaften eingesetzt. Er war ehrenamtliches Mitglied der Kommission, die das Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) erstellte, das seit 1977 rechtsverbindlich ist.

Auch die Aufnahme der alpinen Schwemmebenen und Gletschervorfelder in das Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung geht im Wesentlichen auf seine Initiative zurück.

Erst später wirkte Labhart für den SAC als erster bezahlter «Beauftragter für den Schutz der Gebirgswelt» und legte so den Grundstein für das professionele Umweltengagement des SAC. Daneben brachte er mit mehreren Büchern die Bergwelt einem breiten Publikum näher. Seine in diesem Jahr neu herausgegebene Geologie der Schweiz wurde für viele Bergsteiger zum Standardwerk.

Stets kritisch geblieben

Er nehme die Ehrenmitgliedschaft stellvertretend für alle an, die sich im SAC um die Erforschung und Bewahrung der Alpen engagierten, sagte Labhart, der sich selbst mit seinem engagierten, oft ehrenamtlichen Einsatz nicht immer nur Freunde gemacht hatte. «Auch heute wird das kritische Engagement für die Umwelt oft zu wenig gewürdigt», sagte er zu den Abgeordneten.

An ehrenamtlichem Engagement mangelt es dem SAC auch heute nicht - zumindest nicht im Zentralverband. Dies zeigte sich bei den Neuwahlen in den Zentralvorstand (ZV). Für die Nachfolge von Fridolin Brunner und Philippe Choffat, die ihre maximale Amtszeit erfüllt haben und sich aus dem ZV zurückziehen, hatten sich gleich vier Bewerber gestellt – eine aussergewöhnliche Situation, wie Präsidentin Françoise Jaquet hervorhob: «Heute ist es schon nicht selbstverständlich, überhaupt Personen zu finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren.» Gewählt wurden schliesslich Philippe Aubert (Sektion Neuchâteloise) und Heinz Frei (Sektion Brugg). Mit Aubert bleibt die lateinische Schweiz im neunköpfigen Zentralvorstand weiterhin mit zwei Sitzen vertreten.

Daneben wurden bestätigt: Markus Jaun als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission sowie René Michel (Sektion Gantrisch) und Rudolf Spiess (Sektion Biel) im Zentralvorstand.

Gegen die Anonymität

Dass sich gleich mehrere Kandidaten für ein Ehrenamt beworben hatten, sei aussergewöhnlich, sagte auch Erminio Quartiani, Vizepräsident des Club Alpino Italiano (CAI) in seiner Grussbotschaft. Auch in Italien stelle die Aufrechterhaltung der Freiwilligenarbeit eine grosse Herausforderung dar. So würden Wegnetz und Hütten weitgehen durch ehrenamliches Engagement am Leben erhalten. «In der heutigen Zeit ist es schwierig geworden, Freiwillige zu finden, die ihre Zeit in den Verein investieren wollen», sagte Quartiani Man versuche deshalb, gerade jüngeren Mitgliedern mehr Autonomie zu geben, um den CAI für die nachkommende Generation attraktiver zu machen.

«Diese Möglichkeit muss auch der SAC prüfen», empfahl Melanie Rudin den Abgeordneten in einem Inputreferat. Rudin hatte an der Hochschule Luzern eine Masterarbeit über die Freiwilligenarbeit im SAC geschrieben. Dabei habe sich gezeigt, dass für viele der Übertritt von der JO schwierig sei. Durch das starke Wachstum, das der SAC in den letzten Jahren erlebt habe, sei die Anonymität vielerorts grösser geworden. Rudin empfahl, in den Sektionen bewusst Anknüpfungspunkte für junge und neue Mitglieder zu schaffen. Wenn man die Einstiegshürden senke, werde sich dies positiv auf das ehrenamtliche Engagement auswirken.

Eine seltene, aber umso schönere Gelegenheit, das Ehrenamt zu feiern, bot danach die Sektion Monte Rosa. Zur Feier ihres 150-jährigen Bestehens lud sie alle zu einem Galadiner ein. Zauberer Lionel bat eine Ehrendame auf die Bühne, um ihn zu fesseln. Sie würde für ihre Dienste reich belohnt, so hiess es auf ihrem Vertrag, den sie sorgfältig zu hüten hatte. Doch als sie nach zwei Minuten ihren Vertrag wieder las, hiess es da: Entlöhnung keine, Ferientage null, Arbeitszeit ununterbrochen. Ganz so, wie es im Ehrenamt manchmal ist. Statt mit viel Geld ging die Dame dafür mit einem grossen Applaus von der Bühne.

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Jahresrechnung

Die Abgeordneten genehmigten Jahresbericht und Jahresrechnung 2014. Diese weist einen Vermögenszuwachs von rund 384 000 Franken aus. Der SAC verfügt damit über ein Vermögen von rund 5 287 000 Franken. Das Mitgliederwachstum habe sich leicht abgeschwächt, sagt Philippe Choffat, Ressortleiter Finanzen und Logistik im Zentralvorstand: 2100 neue Mitglieder entsprechen einem Wachstum von 1,5 Prozent.

Wahlen in den Zentralvorstand

Philippe Aubert und Heinz Frei wurden neu in den Zentralvorstand gewählt. Sie ersetzen Fridolin Brunner und Philippe Choffat. Im ZV bestätigt wurden René Michel und Rudolf Spiess. Markus Jaun wurde als Mitglied der Geschäftskommission bestätigt. Verabschiedet wurde auch Urs Weibel, der bislang als Präsident der Kommission Bergsport und Jugend tätig war.

Aufnahme Zweckverbände

Die Aufnahme des Regionalzentrums Sportklettern Aarau-Mittelland wurde angenommen.

Information Suisse Alpine

Rudolf Spiess informierte über den Stand des Projekt Suisse Alpine 2020, das die digitalisierung der SAC-Führerliteratur beinhaltet. Das Projekt sei nach wie vor in der Konzeptphase. Der Entscheid über die Durchführung soll 2016 gefällt werden.

Die nächsten Versammlungen

Präsidentenkonferenz: 7. November 2015, Biel/BE

Abgeordnetenversammlung: 11. Juni 2016, Olten/SO

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