Ernst Reiss ist gestorben

Ernst « Ere » Reiss ist kürzlich im Alter von 90 Jahren verstorben. In der Mitte des letzten Jahrhunderts gehörte er zu den besten Schweizer Bergsteigern. Neben den meisten grossen Fels- und Eiswänden im Berner Oberland sind ihm auch zahlreiche Erstbesteigungen gelungen, zum Beispiel die äusserst schwierige Gspaltenhorn-Nordostwand, die damals als eines der grössten noch ungelösten Probleme in den Schweizer Alpen galt, oder die Südostwand des kleinen Wellhorns. 1952 war Ernst Reiss Mitglied der von der Schweizerischen Stiftung für Alpine Forschung unterstützten Herbstexpedition zum Mount Everest ( 8848 m ), die eine Route über die Lhotse-Flanke zum Südsattel legte, sie gilt heute als klassische Route. Das Unternehmen musste allerdings wegen extremer Stürme und grosser Kälte auf 8100 Metern abgebrochen werden. Als Bergsteigerchef der erfolgreichen Everest-Lhotse-Expedition unter der Leitung von Albert Eggler gelang Ernst Reiss am 18.. " " .Mai 1956, zusammen mit Fritz Luchsinger, die Erstbesteigung des Lhotse ( 8516 m, vierthöchster Berg der Erde ). Der Aufstieg erfolgte bei starkem Wind durch eine sehr steile Eis- und Felsrinne mit Stufenschlagen und einem einzigen Felshaken ( « Die Alpen » 1957, S.3 ). Der Lhotse gilt auch mit moderner Eistechnik als sehr schwierig und wird darum selten bestiegen. 1959 und 1965 konnte Ernst Reiss an den SAC-Expeditionen in die peruanischen Alpen teilnehmen, wo ihm mehrere Erstbesteigungen gelangen. Reiss war Ehrenmitglied des Österreichischen Alpenclubs, aber auch der Sektion Oberhasli des SAC. Er hat zudem zahlreiche Kurzberichte für « Die Alpen » sowie Zeitungsartikel und zwei Bücher über seine vielfältigen alpinen und ausseralpinen Tätigkeiten verfasst.

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