Faszination Steilwandskifahren

In den letzten Jahren hat das Steilwandskifahren, vor allem in Chamonix, einen regelrechten Boom erlebt. Der Reiz dieser Sportart liegt in der Verbindung von Alpinismus und Extremskifahren.

Um mich als Allroundalpinist mit dieser Sportart vertraut zu machen, begann ich mit Abfahrten in unterschiedlich langen und steilen Couloirs, um mich dann an grosse alpine Wände zu wagen. Vor allem mit meinen beiden Bergführerfreunden Marcel Frank und Flory Kern frönte ich diesem Zweig des Alpinismus: mit Eispickeln und Steigeisen ausgerüstet aufsteigen und eine Abfahrt durch eine bestimmte Wand suchen.

Wenn man als Steilwandskifahrer eine grosse Anzahl extremer Abfahrten gemacht hat, sucht man seine eigene Linie in einer Erstbefahrung, was uns im Frühjahr 1999 gleich zweimal gelang.

An der Aiguille du Midi führte unsere Route im oberen Teil auf der westlichen Seite der Midi-Nordwand hinunter, zuerst über den Glacier Rond, dann durch die in diesem Frühling stark verschneiten Felsen bis auf den Bossons-Gletscher. Auf der 1200 Höhenmeter umfassenden Abfahrt bewältigten wir Stellen mit einer Steilheit von über 60 Grad und mussten eine Seillänge über eine kurze, senkrechte Wandstelle abseilen.

Am Titlis fuhren wir über das Ostwandcouloir ab, was für mich eine der extremsten Abfahrten war. In diesem 700 m langen Couloir galt es, über zwei senkrechte Stellen abzuseilen und einige bis zu 65 Grad steile Stellen zu befahren. Zu den optimalen Verhältnissen war neben dem griffigen Schnee auch der stockdicke Nebel zu zählen, der die Exponiertheit weniger bewusst werden liess.

Kurz nach der Titlis-Erstbefahrung gings nach Alaska. Unser grosses Ziel, das Befahren der 4000 m hohen Nordwand des Mount McKinley, erwies sich auf Grund der Verhältnisse bald als nicht realisierbar. Wir entschlossen uns deshalb für den Normalaufstieg bis zum Medizinalcamp auf 4300 m. Auf dem Weg zum Camp richteten sich unsere Augen immer wieder zum « Orient Express », einem Couloir zwischen West Rib und Mess-ner-Couloir. Es war voller Schnee und schien für eine Befahrung optimale Verhältnisse aufzuweisen. Im Medizinalcamp angekommen entschloss ich mich auf Grund der Wetterprognosen für einen Gipfelversuch am nächsten Tag. Am 27. Mai frühmorgens startete ich und erreichte über die « Orient-Express»-Route um ca. 15.30 Uhr den Gipfel des Denali, 6194 m. Höhepunkt war dann aber die anspruchsvolle ca. einstündige Abfahrt über die Aufstiegsroute in der 1600 m hohen Westwand zum Medizinalcamp. Musste ich im oberen Teil der Route die ersten 500 Höhenmeter abrutschen, hatte ich mich im unteren Teil an die Verhältnisse gewöhnt, und das Skifahren klappte besser. Damit fand der Alaska-Trip doch noch einen erfolgreichen Abschluss.

Feedback