Handy, Funk oder Satellit?

Seit Februar dieses Jahres gibt es eine iApp zum Alarmieren der Rega. Nach den ersten Monaten ist die Bilanz positiv. Wo das Mobilnetz aber Löcher hat, nützt auch die beste App nichts. Hier hilft nur der Funk oder eine satellitengestützte Lösung.

Am späteren Nachmittag des 16. April ruft ein abgestürzter Gleitschirmflieger die Rega an. Er liegt mit schweren Beinverletzungen und einer Hirnerschütterung «irgendwo in der Gegend von Chur». Der Rega-Helikopter fliegt los, während der verwirrte Verunfallte versucht, seinen Standort genauer zu beschreiben. Ohne Erfolg: Die Rega-Einsatzleiterin wird aus seinen Angaben nicht schlau und die Helikoptercrew nicht fündig. Schliesslich fragt die Einsatzleiterin den Verletzten, ob er ein iPhone habe. Er bejaht die Frage, und sie bittet ihn, die Notfall-App «iRega» herunterzuladen. Wenig später wissen Einsatzzentrale und Helikopter, dass der Mann bei Ilanz abgestürzt ist, und können ihn ins Spital bringen.

Seit dem 2. Februar 2011 steht «iRega» im App Store zum Download bereit. 264 000 Mal wurde sie heruntergeladen, rund 80 Mal wurde die Rega seither mit der App alarmiert; Tendenz steigend. «Sie hat unsere Erwartungen erfüllt», sagt Robert Frey, der Leiter Einsatzzentrale Helikopter bei der Rega. «Wir wissen schneller und genauer, wo etwas passiert ist», fasst er die Vorteile zusammen. Bis im Herbst sollte es die Notruf-App auch für Android-Smartphones geben. Offen ist, wann sie für andere Betriebssysteme bereitgestellt wird.

Und so funktioniert es: Wer via «iRega alarmiert, wird nicht nur telefonisch mit der Einsatzzentrale verbunden. Auch der Standort des Smartphones wird übermittelt, das spart Zeit. «Normalerweise brauchen wir etwa zwei Drittel der Zeit, um herauszufinden, wo sich der Anrufer befindet», erklärt Frey. Mit «iRega» verringert sich diese Zeit stark. In zehn bis zwanzig Prozent aller Fälle gelingt die exakte Ortung der Alarmierenden nicht auf Anhieb. Die Angaben reichen zwar, um den Helikopter loszuschicken. Für das Ausmachen des genauen Standorts muss «iRega» jedoch ein zweites oder drittes Mal benutzt werden. «Bis jetzt haben wir die Smartphones so in jedem Fall lokalisieren können», sagt Frey. Zu «iRega gehört übrigens auch ein Testalarmsystem, mit dem die Benutzenden das Alarmieren ausprobieren können, ohne dass die Rega angerufen wird.

Ohne Empfang im eigenen Netz nützt das Handy aber nichts. Dann bleiben zwei Möglichkeiten: die europäische Notrufnummer 112 wählen, sie funktioniert in allen Netzen. Am anderen Ende sitzt in der Schweiz dann die jeweilige Kantonspolizei.

Die zweite Möglichkeit ist ein Standortwechsel. Vor allem in Gebieten über 2500 Metern ist es allerdings nicht ausgeschlossen, dass auch das nicht hilft, denn die Lücken im Mobilnetz sind in Berggebieten nach wie vor gross.

Wer ganz sichergehen will, wählt den bewährten Notfunk. Die Abdeckung liegt in der Schweiz nahe bei 100 Prozent. «Für Bergführer, Tourenleiter und sehr Sicherheitsbewusste ist das Funkgerät zu empfehlen», sagt Robert Frey. Allerdings kosten die Geräte eine Stange Geld, und eine automatische Übermittlung des Standorts ist derzeit noch nicht möglich.

Eine weltweit vollständige Abdeckung haben nur Satellitentelefone. Wegen ihres Preises sind sie aber nicht massentauglich. Eine erschwingliche Alternative ist der handliche «SPOT Satellite GPS Messenger». Im Notfall informiert das Gerät auf Knopfdruck das internationale Notrufzentrum in Houston (USA), das die zuständigen nationalen Rettungsdienste aufbietet – in der Schweiz ist das die Rega. Es kann aber auch Meldungen an Freunde und Bekannte absetzen. 

 

 

Weitere Informationen

- Unter www.rega.ch finden sich Informationen über «iRega» und die Alarmierung via Notfunk.

- Wie der «SPOT Satellite GPS Messenger» funktioniert, steht auf  international.findmespot.eu/gm.

- Richtig Alarmieren: «Die Alpen» 9/2006

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