Junge Bergsteiger sollen ihre eigenen Wege gehen

Als Kind wollte ich Forscher werden. Später begann ich, in den Bergen die Wildnis für mich zu entdecken. ­Möglichst unnahbar sollte der Berg sein, damit eine
Besteigung besonders herausfordernd war. Das
Unge­wisse fasziniert mich bis heute – und birgt Risiken! Ein guter Freund sagte mir einst: «Das Abenteuer
beginnt, wenn der ursprüngliche Plan schief­läuft!» Diese ­kontroverse Sichtweise hat für mich einen wahren
Kern. Aus dem Alltag auszubrechen und meine Ängste zu überwinden, befreit mich von den kleinen Sorgen
der Zivilisation. In meinen ersten Jahren als Bergsteiger habe ich rückblickend einige gefährliche Dummheiten gemacht. Aber ich wusste es nicht besser.

Es überrascht mich nicht, dass Bergsteigen in gewissen Kreisen boomt. Eine Fülle von Angeboten kann gebucht werden: von der Gletscherwanderung bis zur All-­inclusive-Mount-Everest-Besteigung. Das Ausbrechen aus der Zivilisation scheint ein Bedürfnis zu sein.
Doch wer hat schon Zeit, die Berge zu beobachten und sich die Erfahrung mühsam zu erarbeiten? Und
ist bereit, sich erhöhten Risiken auszusetzen, wie ich früher? Im Internet findet man alle Infos oder bucht gleich die entsprechende Tour mit kompetenter Führung.

Mit dem Projekt SAC-Expeditionsteam begleiten wir junge Menschen, die ihre eigenen Wege gehen
und ­Unbekanntes entdecken wollen (siehe Seite 21). Das Förderungsprogramm für Jugendliche hat zum Ziel, klassisches Bergsteigen in anspruchsvollem, kombinier­tem Gelände zu schulen und zu fördern. Die Jugend­lichen sollen ihre persönlichen Erfahrungen machen, ohne übermütige Risiken einzugehen. Denn wer an
einsamen Bergen unterwegs ist, muss viele technische Fertigkeiten beherrschen. Wir hoffen, dass unsere sechs Frauen und sechs Männer nach ihrem Lehrgang bereit sind, wilde Bergabenteuer sicher zu ­erleben
und ihre Erfahrung an die Jugend des SAC weiterzu­geben.