Lawinen im Sommer

Hochsommer und 30 Zentimeter Neuschnee – das ist eine Situation, die immer wieder vorkommt. Mit dem Neuschnee steigt, wenn auch meist nur kurzfristig, die Lawinengefahr an. Im Winter sind Lawinen die wichtigste Gefahr in den Bergen. Im Sommer aber, wenn Absturzgefahr besteht, Stein- und Eisschlag oder ein Wettersturz im Vordergrund stehen, gefährden Lawinen Bergsteiger seltener. Tage mit erhöhter Lawinengefahr beschränken sich im Sommer auf Perioden während und unmittelbar nach Schneefällen. Dennoch kommt es immer wieder zu Lawinenunfällen. In den letzten 40 Jahren verloren 45 Personen im Juli, August und September ihr Leben in Lawinen. Dabei ist die Gefahr, mitgerissen zu werden und abzustürzen, beim Bergsteigen geländebedingt grösser als die Gefahr einer Verschüttung. Schon kleine Lawinen können deshalb fatale Folgen haben.

Neuschnee im Sommer ist nicht aussergewöhnlich. Auf dem Weissfluhjoch ( 2540 m ) fällt von Juli bis September im Schnitt zweimal über zehn Zentimeter Schnee in 24 Stunden. 1000 Meter höher, im Hochgebirge, schneit es entsprechend häufiger, auch die Neuschneemengen können bedeutend sein. Sinkt die Schneefallgrenze auf 2000 Meter, so herrschen auf 3500 Metern winterliche minus zehn Grad Celsius.

Nach dem Schneefall stehen zwei Hauptgefahren im Vordergrund:

- Der Neuschnee oder der frische Triebschnee kann als trockenes Schneebrett abgleiten. Eine zusammenhängende Altschneeoberfläche oder Blankeis begünstigen dies.

- Mit der starken Sonnenstrahlung und den markant steigenden Temperaturen können sich spontane Nassschneelawinen bilden. Dies auch an sehr steilen Grasflanken und Felsplatten.

Nach einem relativ warmen Schönwettertag und einer klaren Nacht entspannt sich die Lawinensituation meist rasch wieder. Bleibt es allerdings kalt, ist der Rückgang langsamer.

Kritische Schwachschichten, die in der Schneedecke eingelagert sind und als Gleitflächen für Schneebrettlawinen lauern (Altschneeproblem), sind im Sommer seltener. Dies vereinfacht die Lawinenbeurteilung, da man sich vor allem auf den Neuschnee konzentrieren muss.

Im Sommer erscheint das Lawinenbulletin nicht regelmässig. Die Lawinensituation muss in der Planungsphase abgeschätzt werden. Dazu sind folgende Punkte wichtig:

– kritische Neuschneemenge,

– Triebschneebildung durch Wind (v. a. in Kombination mit Neuschnee),

– Durchfeuchtung des Neuschnees und Gefahr von Nassschneelawinen (auch spontan).

Die Beurteilung der Lawinengefahr ist im Sommer nicht wesentlich anders als im Winter. Die typischen Muster beschränken sich jedoch vorwiegend auf Neu- und Nassschnee. Gefährdete und kritisch zu beurteilende Stellen sind vor allem steile Firn- oder Eisflanken.

Bulletin im Sommer

Im Sommer publiziert das SLF bei intensiven Schneefällen in Hochlagen oder bei bedeutenden Schneefällen bis zur Waldgrenze ein Lawinenbulletin. Dieses wird mit einer SMS angekündigt: «START SMS SOMMER» an Nummer 9234 senden (20 Rappen/SMS)

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