Nicht loslassen

In den vergangenen Monaten tummelten sich viele Schweizer Elitekletterer eher in harten, kurzen Routen. Ein Überblick.

Manchmal muss man loslassen vor dem Festhalten. Das hat Nina Caprez2 Anfang Juli erfahren. Schon einige Wochen hatte sie die von Beat Kammerlander erstbegangene Mehrseillängenroute Silbergeier (8b+, 6 SL, 200 m) im Rätikon projektiert. Anfang Juli fielen Hagel und Schnee; niedrige Temperaturen sind zwar gut für reibungsintensive Klettereien, aber «eingepackt wie ein Michelin-Männchen» fiel der 24-Jährigen das Klettern doch nicht leicht. Zum nasskalten Wetter kam das Zaudern, und als sie wenige Tage nach einem entmutigenden Versuch dann am 2. Juli mit Günter Habersatter in den Silbergeier einstieg, kletterte sie ohne jegliche Erwartung und Hoffnung auf einen Durchstieg. Und der freie Kopf hat geholfen: Mit dem Gefühl der Leichtigkeit, «Rock'n'Roll!» nannte sie es, stieg sie die sechs harten Seillängen im kompakten Kalk der Kirchlispitzen durch – und lachte dabei noch über die Schneeflocken, die sich auf die Griffe setzten.

Festgehalten hat auch Allroundtalent und Partner von Nina, Cédric Lachat1. Auch ihm gelang der Durchstieg vom Silbergeier: Dank den Tipps von Nina schaffte er Ende Juni das Kunststück, die ersten paar Längen im Flash zu klettern und dann den Rest nach kurzem Ausbouldern abzuhaken.

Auch vom Nachwuchs gibt es Neuigkeiten: Benjamin Blaser (21).3 aus Ried widmete sich der Kurzstrecke und hat in den Alpen einige harte Boulders knacken können: darunter Sputnik (Fb 8b) am Sustenpass, Bodycount (Fb 8a+) im Magic Wood und Scary Christmas ( Fb 8a ) am Gotthardpass.

Eine Seillänge

Christina Schmid (21) 4 aus Bern gelang Anfang August bei ihrem Aufenthalt in Rodellar in Spanien eine Handvoll Routen im Grad 8a und 8a+ im zweiten Versuch.

Barbara Büschlen (21). 5 aus Steffisburg hat am Filidor in Ueschinen eine eigene Linie eingerichtet und am 11. Juli durchstiegen, doch über Namen und Schwierigkeit verrät sie nicht viel. Ausser: «Vor zwei Jahren habe ich die Fusion (8a), die Route daneben, geklettert. Ich denke, mittlerweile bin ich etwas stärker geworden.»

Der 22-jährige Andy Winterleitner6 aus Büetigen konnte am 11. August in Twann noch einen Ausdauer-«Hammer » erstbegehen: Le Rêve d' Eve (8b+) heisst seine Verlängerung der Route From one Love to fuck you (8b). Er wollte wohl auch nicht loslassen.

 

 

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