SAC-Ehrenmitglied Arnold Glatthard ist 90!

Im Juni 2000 konnte SAC-Ehren-mitglied Arnold Glatthard in Meiringen seinen 90. Geburtstag feiern. Rückschau auf ein bewegtes Leben an und in den Bergen hält sein Bergkamerad Adolf Michel.

Arnold Glatthards Geburtstag mahnt uns Oberhasler an die Tatsache, dass wir einen Mann unter uns haben, dessen Name eine Ausstrahlung besitzt, die weit über das Durchschnittsmass hinausreicht. Man spricht häufiger von Politikern, die schöne Reden halten, oder von Stars, deren Ruhm verglüht wie Meteore, die in die Atmosphäre eintauchen. «Gladi» -wie wir, seine Freunde, ihn nennen -gehört aber zu jenen, die ihr grosses Werk abseits des Rampenlichts der Tagessensation verrichten. Diese Würdigung kann nur Stückwerk sein; Streiflicht, das sein überaus aktives Leben etwas erhellt.

Als Mitglied der Schweizer Ski-Nationalmannschaft gewann er als 25-Jähriger die Lauberhorn-Kombina-tion und das Kandahar-Rennen und wurde im gleichen Jahr auch noch Schweizermeister im Slalom. Auf Grund dieser Erfolge wurde er Trainer und Delegationschef der Schweizer Ski-Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen (1935-1955). Er gab sein meisterhaftes Können aber auch auf andern Ebenen weiter, so als Skischulleiter der Stadt Bern und als Vorstandsmitglied und Klassenlehrer des Schweiz. Interverbands für Skilauf (bis 1977).

Ebenso eindrücklich war seine Bergführerkarriere, die mit dem Erlangen des Bergführerpatents im Juli 1934 ihren Anfang nahm. Sein Führerbuch ist eine Fundgrube für seltene Bergtouren in den Walliser und Berner Alpen. Eine häufige Eintragung seiner Gäste endet wörtlich bzw. sinngemäss in den verschiedenen Sprachen: «In Arnold Glatthard findet man wirklich, was man in den Bergen braucht: Freund, Kameraden und ausgezeichneten Führer in Fels und Eis.» Als technischer Leiter und Klassenlehrer der Skilehrer- und Bergführerkurse des Kantons Bern war er auch in der Nachwuchsförderung aktiv.

1940 gründete Arnold Glatthard die Bergsteigerschule Rosenlaui, die weltweit erste Bergsteigerschule überhaupt. Tausende von Kursteilnehmern wurden hier in der Handhabung von Seil, Pickel und Steigeisen ausgebildet. Eine besondere Beziehung verband ihn mit dem Tenzing Norgay Sherpa, dem mit Sir Edmund Hillary die Erstbesteigung des Mt. Everest gelungen war: Ihn und acht weitere Sherpas hatte er nach Rosenlaui eingeladen, um sie dort zu Bergführern auszubilden. Im Auftrag der indischen Regierung ging er zusammen mit Tenzing Norgay Sherpa das Projekt an, das Bergführerwesen in Indien aufzubauen. In Darjeeling wurde dann das Himalayan Mountaineering Institut - nach dem Rosenlaui-Muster - als Ausbildungsstätte aufgebaut, wo Arnold Glatthard noch eine Zeit lang als Berater wirkte.

Als Unternehmer wusste er wirtschaftliche Ideen und Visionen in die Tat umzusetzen. Ich erinnere mich gut an eine private Besprechung über die Erschliessung des Haslibergs mit einer Bahn. Was es dazu an Beharrlichkeit und Unterredungen bedurfte, um Bedenken zu entkräften und dem Projekt - mit Hilfe aller Hasli-Gemeinden - zum Durchbruch zu verhelfen! Arnold Glatthard, der damals den Gemeinderat von Meiringen präsidierte, wurde dann auch erster Verwaltungsratspräsident der Meiringen-Hasliberg-Bahnen. Seine unternehmerischen Fähigkeiten bewies er aber auch als Generalimporteur einer bedeutenden Skimarke, als Inhaber eines Sportgeschäfts und eines Reisebüros und nicht zuletzt beim Bau des 4-Stern-

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