Schöne neue Alpen - eine hoffnungsvolle Zukunft?

Wie können wir unsere Berge weiterhin nutzen, bewohnen und geniessen, ohne sie zu schädigen und auszubeuten? Die internationale Ausstellung «Schöne neue Alpen» im Schweizerischen Alpinen Museum (SAM) in Bern macht bewusst, was im Alpenbogen vor sich geht und wo die Chancen und Gefahren der Zukunft liegen.

Jedes Jahr besuchen 100 Millionen Menschen die Alpen - enorm viel für ein schmales, vergleichsweise kleines Gebirge.1 Der « Dachgarten Europas » ist umgeben von Siedlungsräumen mit Millionen von Einwohnern, für die die Alpen Erholungs- und Ferienziel darstellen. Viele Besucher realisieren kaum, dass sie sich in einer völlig anderen Welt bewegen, denn die Alpen sind zur komfortabel eingerichteten Nutzfläche ausseralpiner Ressourcen-Nutzer - Tourismus, Freizeit, Energie, Verkehr - umfunktioniert.

Viele erleben die Alpen als Gegenwelt zur Zivilisation und agieren, als seien sie unberührt, wild, erhaben, echt, majestätisch, ewig, unerschöpflich. Doch dieses Bild relativiert sich beim näheren Hinschauen, wie dies die Aufnahmen in der Ausstellung aus dem ganzen Alpenraum belegen: Die Alpen sind Teil der Zivilisationslandschaft. Neben Stadtlandschaften und Agglomerationen prägen Infra-strukturbauten Täler und Höhen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer mehr verlassene, nicht mehr genutzte Landschaften. Ein vergleichbarer Kontrast besteht auch zwischen dem « Mythos Alpen », dem Marketing-gebahren des Tourismus und der oft ernüchternden Realität im Alpenraum. Peter Hasslacher2 formuliert es so: «Die Berge und ihre Bewohner sind eingekreist von ausseralpinen Ansprüchen, heimischen Wirtschafts-interessen und dem fortschreitenden Konkurrenzdruck.»

Die Ausstellung «Schöne neue Alpen» wendet sich an Alpenliebha-ber, Alpenbewohner und Benutzer von alpinen Ressourcen. Ihre Botschaft lässt sich in den beiden Fragen: «Wie sehen für mich die Alpen in Zukunft aus?» und «Wie kann ich nachhaltige Nutzungen und Entwicklungen im Alpenraum fördern?» zusammenfassen.

Philosophischer Hintergrund ist dabei das Zitat von Robert Jungk: «Ich glaube, wir leben in der Epoche des A/och-Möglichen. Noch ist es möglich, sich etwas anderes auszudenken; noch ist es möglich, etwas anderes auszuprobieren; noch ist es möglich, gegen die verhängnisvollen Entwicklungen anzugehen. Ich meine, es ist eine enorme Chance, dass man in einer solchen Zeit lebt, wo die Fehler der alten Zeit ganz deutlich werden und wo eine neue Zukunft entworfen werden kann.» Die Ausstellung vermittelt Denkanstösse für diese neue Zukunft; sie wahrzunehmen und umzusetzen sind Anliegen von SAM und SAC.

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