Von Finanzierungslücken und Gipfelgefühlen

Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist. Halbe Löcher gibt es nicht. Kurt Tucholskys launischer Text « Zur soziologischen Psychologie der Löcher » entstand 1931, 26 Jahre nach der Gründung des Schweizerischen Alpinen Museums. Er ist bis heute lesenswert. Kein halbes Museum Alpinistisch liesse sich nahtlos anfügen: Es gibt keine halben Löcher, es gibt auch keine halben Berge und keine halben Museen. Und schon gar keine halben Museumsfinanzierungen. Womit wir bei den Lücken wären, einer Unterform der Löcher. Ein Museum ist immer ein Ganzes. Selbst wenn es halbherzig geführt würde oder mit halbem Budget auskommen müsste. Hoch hinauf « Ein steiler Weg », schätzte der berggewohnte Bündner Ständerat Theo Maissen, als sich das Alpine Museum aufmachte, seine Finanzierungslücke zu schliessen. Maissen war damals Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur, jener Kommission also, die für den letzten Kick sorgte, als der Ständerat dem Nationalrat folgte und den Betriebsbeitrag für das Alpine Museum für 2014/15 um eine Million Franken erhöhte. Problemzone war nicht die Höhe des geforderten Betriebsbeitrags, sondern die Differenz zur bestehenden Finanzierung, von der heute niemand mehr so richtig weiss, wie sie je zustande gekommen ist. Knackpunkt war die Lücke, nicht das Geld. Doch wann ist eine Lücke als Lücke akzeptiert? Und wann mutiert die Lücke zum uferlosen schwarzen LochDer Beitrag zur Lücke Das Stadtparlament von Bern hatte nur Tage vor National- und Ständerat ein starkes Signal gesetzt. Es gewährte dem Museum nach einer intensiven Debatte über die Rolle als « Lückenbüsserin » ein Startdarlehen von 2,5 Millionen Franken. Kurz davor war bereits der Kanton Bern mit einer knappen Million aus dem Lotteriefonds in die Lücke gesprungen, und der SAC füllte sie mit 100 000 Franken weiter auf. Der deutliche Entscheid des Stadtparlaments verhalf der alpinen Finanzierungslücke in der Folge zu ihrem markanten Bundesauftritt. Beide Räte inklusive Bundesrat Didier Burkhalter bekannten sich zur « Lücke » und leisteten ihren Beitrag. Es scheint, dass sich das Alpine Museum auf steilen Wegen wohlfühlt. Die Fernsicht auf den Gipfeln ist gut und tut gut. Doch als Reliefexperten wissen wir: Wo Gipfel sich erheben, sind Lücken nicht weit. Das Alpine Museum ist noch nicht am Ziel, aber gut unterwegs. Baustelle Alpines Museum Das Alpine Museum wird vollständig erneuert. Bis zur Wiedereröffnung am 8. März 2012 berichtet der neue Direktor über den Weg zum Ziel.

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