Wärme im Winter, Dürre im Sommer

Die Klimaveränderung macht das Hochgebirge vermehrt zum Risikogelände. Die Bergsportler drehen dabei selber an der Klimaschraube. Der SAC und seine Mitglieder sind gefordert.

Inzwischen dämmert es jedem Alpinsport Treibenden, dass die geliebten Berge wegen der Klimaveränderung nicht mehr dieselben sind wie früher: Felsplatten, die verlässlich als Klettergriffe dienten, ist wegen des auftauenden Permafrosts nicht mehr zu trauen. Schrumpfende Gletscher bilden plötzlich Tourenhindernisse. Talabfahrten im Winter bleiben aper, weil die Schneegrenze ansteigt. Der Winter beginnt nicht mehr im Dezember, und die Schneesicherheit ist nicht mehr gleich konstant – um nur einige der Folgen zu nennen.

Gleich zwei Studien haben sich mit den Folgen des Klimawandels auf den Bergsport auseinandergesetzt. Die jüngsten Ergebnisse stammen aus der Studie « Der Sektor Sport als Betroffener und Verursacher der Klimaänderung ». Auftraggeber sind die Bundesämter für Umwelt und für Sport. In der Begleitgruppe spielt der SAC – mit 130 000 Mitgliedern einer der grössten Sportverbände in der Schweiz – eine wichtige Rolle und ist mit zwei Leuten vertreten. Grundlage der Studie bildet das « Klimaszenario CH2050 » der Schweizer Akademie der Naturwissenschaften scnat, das im Bericht Klimaänderung und die Schweiz im Jahr 20501 beschrieben ist. Darin gehen Klimaforscher von einer Erwärmung in der Schweiz bis ins Jahr 2050 um 2 °C im Herbst, Winter und Frühjahr und knapp 3 °C im Sommer aus.

Die Studie zeigt, dass die Schweiz als Binnenland insgesamt stärker vom Temperaturanstieg betroffen ist als andere Regionen. Ein pessimistisches Szenario besagt, dass die Gletscher bis 2050 um 90% schrumpfen werden, ein optimistischeres geht von « nur » drei Vierteln aus. Sicher ist, dass sich das Landschaftsbild deswegen stark verändern wird. Die Niederschläge werden um 10% im Winter zu- und um cirka 20% im Sommer abnehmen. Allgemein rechnen die Autoren der Studie2 mit einer Zunahme von Extremereignissen wie Starkniederschlägen, was in den Bergen vermehrt zu Murgängen führen wird. Die Studie, an der das Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern massgeblich beteiligt war, warnt auch vor gesundheitlichen Auswirkungen infolge der Klimaveränderung, Stichworte sind hier Ozonbelastung und Zecken ( vgl. « Die Alpen » 9/2010 ).

Eine etwas ältere Studie, die letztes Jahr fertig gestellt wurde, widmete sich den klimabedingten Veränderungen der Landschaft. Denn sie stellen die Menschen auf verschiedensten Ebenen vor grosse Herausforderungen. So wird die Klimaerwärmung die Berge gefährlicher machen. Die Übergänge vom Fels auf den Gletscher sind schwieriger zu begehen, Schneebrücken verschwinden, Touren führen vermehrt über Moränenschutt und Gletscherschliff. Ulrike Pröbstl, Professorin an der Wiener Universität für Bodenkultur, wollte wissen, wie Wandernde und Bergsportlerinnen im österreichischen und Schweizer Alpenraum auf das höhere Risiko reagieren. Bergsportler, die nur gelegentlich im Gebirge unterwegs sind, machen die Hälfte aller Bergtouristen aus. Sie fürchten die Auswirkungen des Klimawandels in den Bergen am meisten und würden am ehesten zu Hause bleiben. Der Schweizer Teil der Untersuchung zeigte: Die weitaus grösste Gruppe ( 58% ) sind Genusswandernde. Diese Gruppe will in den Bergen schöne Aussicht und sichere Wege. Wenn sich die Landschaft unvorteilhaft verändert und die Gefahr steigt, weicht sie aus.

Ulrike Pröbstl zieht aus diesen Ergebnissen Schlüsse für die ökonomische Entwicklung der Bergregionen. Weil Genusswandernde bei Gefahr kalte Füsse bekommen, fürchtet Pröbstl um deren beträchtlichen Beitrag zur Wertschöpfung im alpinen Tourismus. « Wenn das Thema in den Medien aufgegriffen wird, könnte es erdrutschartige Verluste bringen », warnt Pröbstl. Um das abzuwenden, gibt es eine ganze Reihe von Vorschlägen, wie die Sicherheit in den Bergen verbessert werden könnte: Risikokarten, Markierungen, bauliche Massnahmen und Ausbildung sind einige davon. Stellt sich die Frage, wer das bezahlen soll. Auch dies wurde in der Umfrage thematisiert. Die Befragten sehen bezüglich baulicher Massnahmen und Risikokarten vor allem die Kantone in der Pflicht. Für Markierungen sollen dagegen eher alpine Vereine wie der SAC und die Tourismusbranche besorgt sein. Die Schulung der Berggänger schliesslich wird vornehmlich als Aufgabe der alpinen Vereine gesehen.

Inzwischen sind sich die meisten Wissenschaftler einig: Die aktuelle Klimaveränderung ist von uns Menschen verursacht. Alle Sporttreibenden, und darunter fallen auch die Bergsportler, sind darum nicht nur Betroffene, sondern auch « Täter »: Durch ihr Verhalten drehen sie selber an der Klimaschraube mit, indem sie Treibhausgase verursachen.

Die Studie der Hochschule Luzern rechnet vor, dass der Freizeitverkehr der Sportlerinnen und Sportler CO2-Emissionen von insgesamt knapp 1 Million Tonnen CO2 pro Jahr verursacht. Das entspricht rund 2% der gesamten Treibhausgasemissionen der Schweiz.

Die Studie schlägt vor, dass die Sportakteure im Rahmen ihrer Verbände besser auf das Thema Mobilität und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen sensibilisiert werden. Nationale Verbände wie der SAC sind aufgefordert, die Informationsverbreitung von klimarelevanten Themen bei ihren Mitgliedern gezielt zu fördern, etwa durch Sensibilisierungsaktionen und die Schaffung von Anreizen. Auch Sportveranstalter und Betreiber von Sportanlagen werden ermuntert, umfassende Mobilitätskonzepte mit einer Ausrichtung auf den öffentlichen Verkehr und den sogenannten Langsamverkehr ( Fuss- und Veloverkehr ) auszuarbeiten und konsequent umzusetzen.

Schwerpunkt «Bergsport und Klimawandel»

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Bergsport sind mannigfaltig: Von Auswirkungen auf Routen über den Wassermangel bei Hütten bis zur Freizeitmobilität betreffen die Themen akut den SAC. Der Verband hat sich das Thema « Bergsport und Klimawandel » deshalb für die kommenden drei Jahre als Schwerpunkt gesetzt. « Die Alpen » werden in diesen drei Jahren vermehrt über die Thematik berichten.

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