Wenn Gletscher Flüsse eindämmen

Am Südostrand Tibets befindet sich die gewaltige, rund 3000 Meter tiefe Schlucht des Yarlung Tsangpo. Sie zeugt von der Erosionskraft des Flusses. Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Fluss nicht weiter ins tibetische Hochland hineingefressen hat, sondern sehr steil von diesem herunterstürzt. In einer kürzlich im Fachmagazin « Nature » publizierten Studie bieten ein Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und ein amerikanischer Kollege eine Erklärung dafür an. So sollen die Moränen der immer wieder vorstossenden Gletscher die Flusserosion eingedämmt haben. Sie stauten die Flüsse, und in den entstandenen Seen häufte sich Geröll an. Ohne Geröllfracht nahm die Erosionskraft im Unterlauf massiv ab. Für ihre Untersuchungen analysierten  die Forscher mehrere Hundert Dämme im Einzugsbereich des Yarlung Tsangpo. In einer Mitteilung der WSL wird darauf hingewiesen, dass ähnliche Mechanismen auch in den Alpen spielen könnten. So müsste die Annahme hinterfragt werden, dass die Klimaerwärmung nicht nur zu einer beschleunigten Gletscherschmelze, sondern auch zu einer generell verstärkten Tiefenerosion von Gebirgsflüssen führt.

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