«Wir wollen dem Wettkampf eine Seele verleihen». 4. Skialpinismus-Weltmeisterschaften

4. Skialpinismus- Weltmeisterschaften

« Wir wollen dem Wettkampf eine Seele verleihen »

Vom 23. Februar bis 1. März 2008 ist die Schweiz Gastgeberin der Ski-alpinismus-Weltmeisterschaften. Etwa 400 Athleten aus rund 30 Nationen werden in der Region Chablais-Portes-du-Soleil erwartet.

Wenige Wochen vor dem Beginn der 4. Skialpinismus-Weltmeisterschaften ist beim Organisationskommitee die Spannung spürbar. Noch gibt es viel zu tun, und die Mittel sind beschränkt. « Diese Weltmeisterschaften werden zu hundert Prozent von Freiwilligen bestritten – das ist an der Grenze des Machbaren », meint Claude Défago, Mitglied des OK. Er will sich aber nicht beklagen, sondern stellt einfach fest, dass die Organisation eines Anlasses von einer derart grossen Tragweite unter den gegebenen Bedingungen schwierig ist. Die internationale Skialpi-nismusföderation ( ISMC ) 1 hatte die Organisation des Wettkampfes dem SAC und einem unabhängigen Komitee übertragen. Als sich der Schweiz die Möglichkeit bot, diese Weltmeisterschaften durchzuführen, richtete sich der Fokus auf die Region Chablais-Portes-du-Soleil. Denn sie gilt als eine der Wiegen des Skialpinismus hierzulande, aus der auch zahlreiche Champions stammen. Dementsprechend haben sowohl der SAC, die vier Gemeinden Monthey, Troistorrents, Val-d'Illiez und Champéry sowie die internationale Vereinigung der Portes-du-Soleil auf finanzieller wie auch logistischer Ebene einen grossen Beitrag geleistet. Ende November war das Budget von gegen 800 000 Franken trotzdem noch nicht ganz gedeckt. Aber ein paar finanzielle und organisatorische Sorgen reichen nicht aus, um die Begeisterung des neunköpfigen Organisationskomitees zu bremsen. 2 Vor Ort werden rund 300 Freiwillige des SAC und der regionalen Skiclubs den Anlass unterstützen. Zusammen wollen sie diese Weltmeisterschaften zu einem grossen Fest machen, wie man es bei den FOJE, den Olympischen Spielen der euro- päischen Jugend, im Jahr 2005 in der gleichen Gegend erleben konnte. « Der Anlass muss aber für die Region akzeptier- und tragbar bleiben », ergänzt Claude Défago.

« All inclusive»-Formel

Die grossen Verbände wie Frankreich oder Italien sowie Neuseeland und Schweden haben ihr Kommen bereits bestätigt. Die Unterkünfte für die rund 400 erwarteten Athleten und deren Trainer sind in Champéry konzentriert. Dies ist kein Zufall. « Wir wollen dem Wettkampf eine Seele verleihen und ihn zu einem Fest machen », so Défago. Champéry verfügt mit dem Palladium, einem nationalen Zentrum für Eissportarten, über eine ideale Infrastruktur. Von hier werden die Athleten und ihre Begleiter zu den Rennstätten in Champéry, Morgins, Champoussin, Les Crosets und Giettes aufbrechen. Der längste Transfer an einen Startort beträgt 22 Kilometer, womit die Verschiebungen auf ein Minimum beschränkt werden können. Die räumliche Konzentration führte auch dazu, dass die Weltmeisterschaften auf eine « All inclusive»-Formel aufgebaut wurden: Für 550 Euro pro Teilnehmer ( 450 Euro für die Junioren ) bietet man den Athleten und ihren Begleitern Unterkunft mit Vollpension, Skiabonne-mente und die Teilnahme am Galafest. Diese Preispolitik löste bei jenen, die nur an einem einzigen Rennen teilnehmen wollen, Zähneknirschen aus. Claude Défago hofft trotzdem, dass die Botschaft verstanden wird. « Die Anwesenheit der Nationen und deren Delegationen in den verschiedenen Orten ist äusserst wichtig, damit der Anlass wirklich zum Fest wird. » Man wolle einen Geist schaffen wie am Pierra Menta, einem bekannten Skialpinismuswettkampf, und veranlassen, dass die Menschen sich treffen. 1 International Council for Skimountaineering Competitions 2 Dieses besteht neben Claude Défago aus Charly Rey-Mermet ( Präsident ), Guy Martenet, Fernand Berthoud, Raphy Frossard ( technischer Chef ), Reynald Berthoud, Raphaël Granger, Christian Perrin und Yannick Rey-Mermet.

Vom 23. bis 29. Feb ruar 2008 steht Champéry – hier mit den Dents du Midi im Hintergrund – ganz im Zeichen der vierten Skialpinismus-Weltmeisterschaften. Champéry wird das Nerven zentrum der Weltmeisterschaften sein: Hier findet der Empfang der Teams statt, sind die Unterkünfte und geht das Galafest über die Bühne. Fotos: Gér ar d Ber thoud

Eine neue Königsdisziplin: Einzelrennen Langdistanz

Das Programm bei der 4. Auflage der Weltmeisterschaften umfasst die vier Wettkämpfe, die traditionell zu den Weltmeisterschaften gehören: Einzel- und Teamwettkampf, Vertical Race – ein Zeitrennen, das nur im Aufstieg ausgetragen wird – und die Staffel. Auch die Junioren werden alle Rennen ausser dem Teamwettkampf bestreiten. Hinzu kommt eine neue Prüfung, die von der technischen Direktion der ISMC angeregt wurde: das Einzelrennen Langdis-tanz am Freitag, 29. Februar. Der Skialpinismus findet damit zu seinen Wurzeln zurück, den legendären Langdistanzwett-kämpfen wie der Patrouille des Glaciers, dem Pierra Menta oder dem Trofeo Mezzalama. Die Langdistanzprüfung der Weltmeisterschaften weist allerdings eine Eigenart auf: Der Wettkampf ist, obwohl lang ( sieben Aufstiege und gleich viele Abfahrten mit insgesamt 3000 Höhenmetern ), technisch leicht. « Die Teams, die von weither anreisen, sind Rennen im alpinen Umfeld nicht gewohnt – deshalb kommen wir ihnen entgegen. Die Athleten aus Venezuela, Chile oder Argentinien haben nicht das Niveau wie jene aus den Alpenländern. Aber auch sie sollen Freude auf einem sehr selektiven Parcours haben, der aber weder technisch anspruchsvoll noch gefährlich ist », erklärt Claude Défago die Vorteile der neuen Disziplin. Der reibungslose Ablauf dieses Rennens, das die Teilnehmer von Morgins über Champoussin und Les Crosets nach Champéry führt, wird sehr wichtig sein, damit die Disziplin im Programm bleibt. Man erwartet, dass die Ersten die Distanz in dreieinhalb Stunden bewältigen, die Langsamsten dafür sieben bis acht Stunden benötigen. Das Publikum wird alle Prüfungen von nahe verfolgen können, da die Rennstrecken mit Liftanlagen und zu Fuss erreichbar sind. Vorgesehen sind zudem Filmprojektionen in Zusammenarbeit mit dem « Festival du film des Diablerets » und Kletterdemonstrationen mit der Schweizer Nationalmannschaft. Kurz: ein richtiges Fest! Weitere Informationen gibt es unter www.smwc2008.ch. a Corinne Feuz, Monthey ( ü ) Claude Défago, Mitglied des Organisationskomitees der Skialpinismus-Weltmeister-schaften Haben sie einmal die Ziellinie überschritten, stellen sich Gabrielle Magnenat und Catherine Mabillard für das Interview mit Claude Défago, Direktor des Radio Chablais, zur Verfügung.

Séverine Pont, die neue Schweizer Meisterin in der Kategorie Einzelrennen, bei einem Wettkampf anlässlich der Valerette Altiski vom 28. Januar 2006

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