Zum Tod von Dölf Reist.

Bergsteiger und Fotograf Am 2O. Oktober 2000 starb der bekannte Interlakner Alpinist und Fotograf Dölf Reist im Alter von 79 Jahren. Dölf Reist war vielen SAC-Mitgliedern ein Begriff, sei es wegen seiner Vorträge, seiner Bilder oder seiner Everest-Besteigung im Jahr 1956.

In den Bergen der Welt daheim Wer im Oktober über dem Nebelmeer in den Bergen unterwegs war, konnte die Farben des Herbstes vor der prächtigen Kulisse frisch verschneiter Gipfel erleben - Stimmungen, die Dölf Reist bis zu seinem Tod, der ihn nach kurzer, schwerer Krankheit ereilte, immer wieder als Fotografen wie auch als Bergsteiger faszinierten. Mit dem Bergsteigen begann Reist bereits als Jugendlicher. Vollends angesteckt von diesem Virus wurde er dann aber nach seiner Übersiedlung 1945 nach Interlaken. Dem Berner Oberland blieb er bis zu seinem Tod treu, und hier unternahm er auch einige seiner grössten Touren: 1947 durchstieg er die Nordwand des Gross Fiescherhorns ( dem kombinierten Gelände galt seine Vorliebe ); 1950 gelang ihm mit Ernst Reiss am Kleinen Wellhorn eine Neutour durch die Südostwand, bei der sie kaum einen Haken schlugen.

Als Mitglied der erfolgreichen, von Albert Eggler geleiteten Schweizer Everest-Lhotse-Expedition von 1956 gelang ihm zusammen mit Hansruedi von Gunten die dritte Besteigung des Dachs der Welt. Zu seinen Erfolgen gehörte auch die Besteigung jedes höchsten Gipfels der fünf Kontinente, als man noch fünf solcher Gipfel und nicht deren sieben zählte. Legendär war sein Tempo, denn die sportliche Leistung war Dölf Reist ebenso wichtig wie das Naturerlebnis.

Einfühlsame Aufnahmen Parallel zu seiner alpinistischen Laufbahn entwickelte Dölf Reist seine fotografische Tätigkeit, die ihm in seiner zweiten Lebenshälfte immer wichtiger wurde. Seine Vorträge, Kalender und grossformatigen Porträt-aufnahmen fanden eine treue Anhängerschaft. Das Besondere an seinen Bildern war das feine Gespür für die von ihm fotografierten Menschen, wozu er einmal bemerkte, er könne nie « von oben herab » fotografieren, da er nicht von grosser Statur sei.

Zweite Heimat Nepal Seine ganz besondere Liebe galt Nepal. Von seinen 25 Reisen in das kleine Land am Fuss des Himalaya zeugte eine prall gefüllte Tasche mit « Kata », Glücksschleifen, von seinen Sherpa-Freunden sowie die Bilder seiner nepalesischen Patenkinder und -vom Everest. Er verfolgte alles, was zum Everest publiziert wurde, auch wenn ihn gewisse Entwicklungen befremdeten. So habe er Bergsteiger gesehen, die den Everest hochgerannt seien « wie wenn man am Sonntag zur Predigt geht ». Er selber sei in einer « schönen Zeit » Bergsteiger gewesen. In seinen sorgfältig ausgeschmückten Tourenbüchern nahm der Gipfeltag am Everest, der 24. Mai 1956, ganze zweieinhalb Seiten ein.

Begeisterungsfähigkeit und Menschlichkeit Nun ist Dölf Reist nicht mehr unter uns. Viele Freunde werden ihn und das Gespräch mit ihm vermissen: Begeistert unterstützte er Ideen, hatte immer ein offenes Gehör für Anliegen und konnte voller Freude und Humor über Erlebtes erzählen. Dieser Eigenschaften wegen wird er uns - auch als Vorbild - unvergesslich bleiben.

Christine Kopp, Unterseen Nepal wurde für Dölf Reist zu seiner zweiten Heimat; mit grossem Interesse verfolgte er auch die Entwicklungen am Mount Everest.

:ür Skitourenfahrer, Bergsteiger und -wanderer

»er l' alpinista, lo sciatore l' escursionista

»our l' alpiniste, le skieur ït le randonneur

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